Verharmlosung von NSU-Terror : Neonazis planen Treffen in Berlin Tegel

Neonazis müssen in Berlin mit Protest rechnen und verhalten sich daher konspirativ. Ein geplantes Treffen wurde nun geleakt.

Veranstaltungen von Rechtsextreme rufen in Berlin regelmäßig Protest hervor. Ein konspirativ vorbereitetes Treffen wurde nun öffentlich.
Veranstaltungen von Rechtsextreme rufen in Berlin regelmäßig Protest hervor. Ein konspirativ vorbereitetes Treffen wurde nun...Foto: DPA/Hannibal

Die rechtsextreme Terrorserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) kostete zehn Menschen das Leben, hinterließ dutzende traumatisierte Angehörige und sorgte für die Aufdeckung von Ermittlungsfehlern, die das Vertrauen in den Rechtsstaat schwer beschädigte. Am 11. Juli endete der Prozess gegen Mitglieder und Helfer der Gruppe nach mehr als fünfjähriger Verhandlung. Das einzig verbliebene Trio-Mitglied Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ungeachtet dessen gibt es Menschen, die den tödlichen Terror des NSU anzweifeln, verharmlosen, leugnen. Einige von ihnen wollen sich am Samstag in einem "Tagungslokal" unweit des S-Bahnhofs Tegel treffen. Titel der Veranstaltung: „Der erfundene Terror. Neue Methoden zur Unterdrückung der nationalen Opposition“. Bekanntgeworden war das Treffen durch Recherchen des "Antifaschistische Pressearchivs und Bildungszentrums" in Berlin (apabiz).

Referent mit NSU-Bezug

Bei dem konspirativ vorbereiteten Treffen - statt in eine Lokalität werden Interessierte zu einem Sammelpunkt vor dem S-Bahnhof Tegel geladen - versammeln sich alte Bekannte und Größen der rechtsextremen Szene. Als Referent ist mit Wolfram Nahrath der Pflichtverteidiger des NSU-Helfers Ralf Wohlleben angekündigt. Nahrath war Vorsitzender der 1994 verbotenen "Wiking Jugend" und engagierte sich danach für die 2009 ebenfalls verbotene "Heimattreue Deutsche Jugend" sowie die NPD. Er soll laut der ebenfalls durch das apabiz veröffentlichten Einladung zu dem Treffen auf „Hintergründe des NSU-Verfahrens“ eingehen.

In Berlin und Brandenburg machte sich der Rechtsanwalt einen Namen, weil er mit Marcel Zech einen Brandenburger Lokalpolitiker der NPD verteidigt hatte. Zech hatte sich das Eingangsportal eines Konzentrationslagers sowie den Spruch "Jedem das Seine" auf den Rücken tätowiert und war dafür zu acht Monaten Haft verurteilt worden.

Mehr zum Thema

Bestens bekannt ist auch der Gastgeber der "geschlossenen Veranstaltung", Uwe Meenen. Der stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner NPD tritt im Vorliegenden fall als Vertreter des Hoffmann von Fallersleben Bildungswerkes auf. Ein Verein, der ebenfalls dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist und der in der Vergangenheit mehrfach durch Veranstaltungen von und für Rechtsextreme aufgefallen war.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!