Verkehr in der Hauptstadt : Neue Zahlen: Immer mehr Berliner steigen aufs Fahrrad

Die ständigen Zählstellen für Fahrräder in Berlin zeigen: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Radfahrer um knapp neun Prozent gestiegen.

Die Oberbaumbrücke ist nach 25 Jahren wieder sanierungsbedürftig.
Die Oberbaumbrücke ist nach 25 Jahren wieder sanierungsbedürftig.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Radverkehr in Berlin boomt: Die 17 ständigen Zählstellen im Straßennetz registrierten seit Jahresbeginn – bis zum vergangenen Freitag – insgesamt fast 21 Millionen Radfahrer. Das entspricht einem Zuwachs von 8,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2017. An 15 der 17 Stellen stiegen die Zahlen; die Ausnahmen sind die Berliner Straße nahe dem Bahnhof Pankow (minus 9 Prozent) und die Frankfurter Allee (minus 8 Prozent) – wobei denkbar ist, dass Bauarbeiten in der Nähe die Zählungen dort beeinflusst haben. Sollte das so sein, wäre der reale stadtweite Zuwachs noch deutlich größer.

Den Spitzenplatz behält die Oberbaumbrücke, auf der die in den Asphalt der beiden Radfahrstreifen eingelassenen Sensoren mehr als 3,6 Millionen Fahrräder erkannten. Die Sensoren sind so beschaffen, dass sie Fahrräder von Motorrädern und Autos unterscheiden können. Der zweite Platz geht mit bisher knapp drei Millionen Fahrrädern wie im Vorjahr an die Jannowitzbrücke. Damit kommen die beiden meistbefahrenen Stellen auf jeweils 14 Prozent Zuwachs binnen Jahresfrist.

Fahrräder rollten im Fünfsekundentakt über die Spree

Im Durchschnitt passierten täglich etwa 3550 Radfahrer eine Zählstelle. Wie groß die Spanne ist, zeigen die Extremtage: So rollten am Neujahrstag 2018 nur 1719 Fahrräder über die Oberbaumbrücke, während es am 25. Mai – einem 27 Grad warmen Freitag – mehr als zehn Mal so viele waren, nämlich 18.324. Rechnerisch bedeutet das, dass der Radverkehr an jenem Tag einschließlich der Nachtstunden im Fünfsekundentakt über die Spree zwischen Friedrichshain und Kreuzberg rollte.

Radmesser: Die Analyse

Außerdem geben die Zählstellen Aufschluss darüber, wie sehr der Radverkehr mit dem Wetter zusammenhängt: In den Sommermonaten ist etwa doppelt bis drei Mal so viel los wie im Winter. Auch die größte Hitze hält offenbar kaum jemanden vom Radeln ab, während Kälte sich deutlich bemerkbar macht: Anders als in früheren Jahren war im – zeitweise eisigen – März noch genauso wenig los wie im Januar. Erst in der Woche nach Ostern, als es nach spätem Frost ziemlich plötzlich warm wurde, gingen die Zahlen steil nach oben – und hielten sich bis zum sonnigen und milden Novemberbeginn auf beachtlichem Niveau.

Für einen Langfristvergleich taugen die Zahlen nur sehr eingeschränkt, weil die neuesten Zählstellen erst 2016 in Betrieb gingen. Davor wurde mehr als 20 Jahre lang manuell gezählt. Vor einem Jahr hatte der Senat auf eine parlamentarische Anfrage hin mitgeteilt, dass der Radverkehr von 2007 bis 2016 um gut 36 Prozent zugenommen habe. Basis für diese Bilanz waren Zählungen an jeweils einem Tag im Monat von 7 bis 19 Uhr.
Hier geht’s zu den Daten.

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