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Welche Parteien profitieren? : Berliner CDU erfährt in der Corona-Krise mehr Zuspruch

Eine Civey-Umfrage sieht die Berliner FDP nur noch knapp über fünf Prozent – auch Grüne und Linke sinken in der Wählergunst.

Die Berliner CDU profitiert deutlich vom Aufschwung der Union im Bund.
Die Berliner CDU profitiert deutlich vom Aufschwung der Union im Bund.Foto: Maurizio Gambarini/DPA

Seit Anfang März, als in Berlin die ersten Coronafälle bekannt wurden, hat sich auch die politische Landschaft verändert. Die Berliner CDU profitiert deutlich vom Aufschwung der Union im Bund, deren Krisenmanagement von den Wählern offenbar stark honoriert wird. Nach einer Umfrage des Instituts Civey für den Tagesspiegel erhöhten sich die Umfragewerte der Landes-CDU im „Corona-Monat“ März von 16,1 auf 20,0 Prozent.

Das ist zwar nur halb so viel wie CDU/CSU auf Bundesebene dazugewinnen konnten – aber immerhin. Grüne und Linke verloren dagegen Stimmen. Im Vergleich der Umfrage-Stichtage 1. März und 1. April sanken die Berliner Grünen in der Wählergunst um 1,5 Prozent, liegen mit 23,5 Prozent aber trotzdem noch klar vor den anderen Parteien. 

Wie würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre?
Wie würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre?Foto: Tsp/Bartel

Die Linken verloren im selben Zeitraum 1,3 Prozent und kommen nur noch auf 16,2 Prozent. Damit liegen sie laut Civey knapp hinter den Sozialdemokraten, die 16,4 Prozent erreichen. Anfang März waren es noch 16,1 Prozent. Die Corona-Pandemie hat bei den SPD-Wählern in Berlin bisher also keine Spuren hinterlassen, jedenfalls nicht politisch.

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Die AfD verlor im Umfragevergleich 0,5 Prozent und kommt jetzt auf 10,9 Prozent, die Freien Demokraten dümpeln seit viereinhalb Wochen knapp über der Fünf-Prozent-Grenze. Nach der Civey-Sonntagsfrage lagen die Liberalen Anfang April bei 5,1 Prozent, das sind 0,4 Prozent weniger als zu Beginn der Krise. Offenbar sind AfD und FDP bislang politisch „Corona-neutral“.

An der Wählerstruktur der Berliner Parteien hat sich nichts verändert. SPD, CDU und AfD schneiden bei den über 50-Jährigen und insbesondere bei den Rentnern überdurchschnittlich gut ab, während die Grünen in den Altersklassen bis 50 Jahre und besonders bei Studierenden, in Haushalten mit Kindern und bei den Frauen besonders gut ankommen. Auch die Christdemokraten haben laut Civey mehr weibliche Anhänger, während bei SPD, FDP und AfD die männlichen Wähler dominieren.

In Berliner Regionen mit sehr hoher Kaufkraft ist CDU vorne 

In den Berliner Stadtregionen mit sehr hoher Kaufkraft ist die CDU mit Abstand stärkste Partei (30 Prozent), während bei den Berlinern mit sehr niedriger Kaufkraft Grüne (25,9 Prozent) und Linke (21,6 Prozent) besonders gut abschneiden. Wobei die Grünen zusätzlich bei Menschen mit hoher Kaufkraft punkten.

Am politischen Ost-West-Gefälle ändert sich seit drei Jahrzehnten in Berlin so gut wie nichts: Bei der SPD verteilt sich die Gunst der Wähler einigermaßen gleichmäßig auf die beiden ehemals getrennten Stadthälften. CDU und Grüne haben dagegen ihre Hochburgen im Westen Berlins, während Linke und AfD im Osten mehr Anhänger haben. Die FDP käme im Ostteil der Stadt mit derzeit 4,4 Prozent nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. 

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