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Wo sind die Soldaten hin? : Kein US-Militär mehr am Checkpoint Charlie

Jeder Berlin-Besucher kennt sie: die US-Soldaten am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie. Nun sind sie verschwunden, es gab viele Beschwerden

Lisa Kim Nguyen
Der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin Mitte.
Der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin Mitte.Foto: Mike: Wolff

Die Touristen haben sich schnell an die neue Situation angepasst, so ohne Soldaten in US-Uniform. Sie stellen sich jetzt selbst hinter die Sandsackbarrikade am Kontrollhäuschen, strecken den Rücken durch und salutieren fürs Foto. Die Soldaten-Darsteller vom Checkpoint Charlie sind verschwunden, schon seit dem 12. August. Das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg hat ihre "Duldung" aufgehoben, wie eine Sprecherin bestätigte. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Den Angaben zufolge nahmen die falschen Soldaten am Checkpoint Charlie an guten Tagen bis zu 5000 Euro ein. Da die freiwilligen Spenden der Touristen wohl nicht immer ganz freiwillig erfolgten, hat der Bezirk das Theater nun verboten.

"Dem Betreiber wurde mitgeteilt, dass die Duldung ab sofort aufgehoben ist und er mit Verfolgung einer Zuwiderhandlung rechnen muss", erklärte das zuständige Ordnungsamt von Friedrichshain-Kreuzberg. Eine Sondernutzungserlaubnis für das öffentliche Straßenland habe es ohnehin nicht gegeben. Betreiber ist die „Dance Factory“, sie stellt die Schauspieler für den Wachposten.

Bis dato wechselte sich seit nunmehr 17 Jahren eine rund zehnköpfige Schaupieltruppe damit ab, in Uniformen der US-Army Touristen am Checkpoint-Häuschen zu begrüßen, Stempel zu verteilen und für Fotos zu posieren. Dafür bekämen sie von den Touristen drei Euro, sagt „Dance Factory“-Chef Tom Luszeit.

Verdeckte Ermittler beobachteten das Treiben

Es habe allerdings viele Beschwerden gegeben, erklärte eine Sprecherin des Bezirksamts. „Passanten wurden demnach gedrängt bzw. regelrecht genötigt, für ein Foto mit den Schaustellern am Kontrollhäuschen zu zahlen.“ Und zwar vier Euro pro Foto, das ergab laut „Bild“-Zeitung eine verdeckte Ermittlung der Polizei.

Luszeit wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Es falle höchstens ein Spruch von den Soldaten, wenn Touristen die drei Euro nicht zahlen wollten - angepöbelt oder bedrängt würden sie aber nie. Dass die Schauspieler rund 5000 Euro am Tag einnähmen, weist Luszeit zurück. „Das ist falsch, wir verdienen höchstens 700 Euro pro Tag. Von diesen Einnahmen zahlen wir auch Steuern an das Finanzamt." Die Angabe mit den 5000 Euro gehe auf einen Polizisten in Zivil zurück, der die Soldaten einen Tag lang beobachtet habe. Dieser habe den Betrag nur grob hochgerechnet und an das Ordnungsamt weitergeleitet.

Hütchenspieler und Geschäftemacher

Bisher habe es nie Probleme gegeben. Warum das Verbot im August vom Ordnungsamt kam, versteht Luszeit nicht. Er will die Soldaten wieder an den Checkpoint Charlie zurückbringen. Dafür will er den Verein „Geschichte zum Anfassen“ gründen und einen Konsens mit dem Bezirksamt finden. Die Einnahmen sollen dann künftig als Spende an den Verein gehen.

Der Checkpoint Charlie gilt als einer der Lieblingsplätze nicht nur von Berlin-Besuchern, sondern auch bei Filme- und Geschäftemachern. Auch die Hütchenspieler, die das Ambiente des ehemaligen Grenzübergangs seit Jahren prägen und Touristen um ihr Geld erleichtern, hatten kürzlich den Unmut von Ordnungsamt und Polizei auf sich gezogen. Sie hatten eigens Wachen mitten auf der Kreuzung positioniert, um ihre illegalen Glücksspiele vor dem Zugriff der Behörden zu sichern.

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