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Glimpflich ausgegangen. Nach dem Brand am U-Bahnhof Zoo stellte die Feuerwehr Belüftungsgeneratoren auf, um den Tunnel vom Rauch zu befreien.
© Andreas Meyer

Bahnhof Zoo: Zigarettenkippe löste Brand in U-Bahntunnel aus

Es war das dritte Feuer in zehn Tagen – diesmal am Bahnhof Zoo. Tausende Fahrgäste mussten in Busse oder die S-Bahn umsteigen. Die BVG hat einen ersten Verdacht.

In der U-Bahn ist erneut Feuer ausgebrochen – diesmal am Bahnhof Zoo. Mehr als 30 Fahrzeuge der Feuerwehr eilten am Montagvormittag zum U-Bahnhof, aus dem dichter Qualm aufstieg. BVG-Mitarbeiter und Wachschützer räumten die Bahnsteige der Linie U 2 und sperrten die Zugänge; verletzt wurde niemand. Tausende Besucher der Grünen Woche mussten in Busse oder die S-Bahn umsteigen. Es war der dritte Brand bei der U-Bahn in nur zehn Tagen.
Wie die BVG nach Abschluss der ersten Ermittlungen am frühen Abend mitteilte, könnte eine „weggeworfene oder in den Tunnel gewehte brennende Zigarettenkippe“ Auslöser des Feuers gewesen sein. Im Tunnel – etwa 50 Meter östlich des U-Bahnhofs – war den Angaben zufolge ein Holzweg geschmort. Zwar seien die Holzteile speziell gegen Entzündung imprägniert, ein glimmender Zigarettenrest könne jedoch einen Schwelbrand auslösen. Auf allen U-Bahnhöfen gilt auch deshalb das Rauchverbot; wer es missachtet, muss 15 Euro Strafe zahlen.
Der Brand war schnell entdeckt worden, schließlich rollen die Züge tagsüber im Fünf-Minuten-Takt. Ein U-Bahn-Fahrer hatte den Rauch im Tunnel gesehen, daraufhin die Sicherheitskräfte alarmiert und war mit seinen Fahrgästen zum nächstgelegenen U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz durchgefahren. BVG-Mitarbeiter löschten das Feuer schließlich; die Feuerwehrkräfte mussten den verqualmten Bahnhof mit Ventilatoren entlüften.
Die U-Bahn-Linie U 2 wurde ab 11 Uhr zwischen Bismarckstraße und Gleisdreieck gesperrt. Zwischen Bismarckstraße und Wittenbergplatz richtete die BVG einen Ersatzverkehr mit zehn Bussen und acht Großraumtaxen ein. Rund um den Bahnhof Zoo brach zudem der Verkehr zusammen, da die vielen Feuerwehrfahrzeuge die Fahrspuren blockierten. Die Linie U 9, die den Zoo in Nord-Süd-Richtung passiert, war hingegen nicht betroffen; die Fahrgäste gelangten über einen der westlichen Zugänge ins Freie.

Die Kriminalpolizei ermittelt - und findet jede Menge Müll.

Bei einer ersten Inspektion durch die für die BVG zuständige Technische Aufsichtsbehörde wurde kein Kurzschluss oder technischer Defekt erkannt. Deshalb wurde die Kriminalpolizei eingeschaltet. Diese fand an der Brandstelle direkt neben einem Signal jedoch keine Hinweise auf Brandstiftung. Dem Vernehmen nach berichteten Kriminalbeamte von „reichlich trockenem Müll“ im Tunnel. Die BVG widersprach dem – der Tunnel sei „sauber“. Die Strecke war erst nach mehr als drei Stunden befahrbar.
Der Schwelbrand vor zehn Tagen in Steglitz war nach BVG-Angaben hingegen durch herumfliegenden Müll verursacht worden, der sich an einem Stromabnehmer verfangen und einen Kurzschluss ausgelöst hatte. Bei dem Brand vor einer Woche am U-Bahnhof Möckernbrücke in Kreuzberg habe vermutlich ebenfalls eine Zigarettenkippe oder ein elektrischer Lichtbogen Plastikmüll entzündet.
Experten der Feuerwehr wunderten sich über den dritten Einsatz bei der BVG in so kurzer Zeit. Wie berichtet, gibt es in anderen deutschen Städten mit U-Bahnen äußerst selten Brände. Die BVG verweist auf das mehr als 50 Kilometer lange Tunnelsystem – weitaus mehr als anderswo.

Bei der Hamburger U-Bahn zum Beispiel hatte es zuletzt vor fünf Jahren an einem Zug gebrannt. Dort führt man dieses gute Ergebnis auf ein „intensives Pflegeprogramm“ zurück, Tunnel und Bahnhöfe würden regelmäßig gereinigt. In Berlin werden die Tunnel einmal pro Jahr gründlich gereinigt.

Die seit Ende der 80er Jahre beschafften Züge vom Typ DT4 haben eine automatische Feuerlöschanlage im Zug, die auf Hitze reagiert. Die ganz neuen Züge vom Typ DT5 bekommen neben dieser Sprinkleranlage sogar Temperaturfühler in der Fahrzeugelektrik. In Hamburg und auch in München gibt es erste Bahnhöfe mit Sprinkleranlagen und Rauchmeldern. Der Bundesverband Technischer Brandschutz hält Sprinkleranlagen in Zügen für unerlässlich, „um die Ausbreitung eines Brandes zu verhindern“. Vorgeschrieben sei dies aber nicht. Bei der BVG könnten die neuen Züge für die Kleinprofillinien (U1 bis U4) eine solche Anlage erhalten, sagte eine Sprecherin, dies stehe aber „auf der Prioritätenliste nicht oben“. Diskutiert wird über diese Technik seit der Beinahe-Katastrophe bei der S-Bahn im Anhalter Bahnhof 2004. Damals war ein Zug im Tunnel vollständig ausgebrannt. Die BVG-Sprecherin kündigte an, dass in neuen Tunneln wie dem der Linie U 55 sämtliche Kabel in der Decke verlegt werden. Bislang verlaufen die teilweise sicherheitsrelevanten Kabel offen neben den Gleisen, wo sie bei Bränden gefährdet seien. Bei Sanierungen sollen alle Tunnel langfristig nachgerüstet werden, hieß es, die ersten kurzen Abschnitte seien bereits fertig.

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