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Börsen-Influencer Florian Hörning
Foto: Hörning 

© Florian Hörning 

Ein Vermögen aufbauen: langsam aber sicher: „Ich verkaufe schlicht gar nichts!“

Florian Hörning ist Börsen-Influencer und will „die Leute bilden“. Seine Strategie ist simpel und brachte 16 Prozent Rendite im ersten Jahr.

Stand:

Herr Hörning, Sie sind Finanz-Influencer, im neuen Jahr schon eine Aktie gekauft?
Nein, tatsächlich nicht. Ich bin nicht der Trader, der heute kauft und morgen verkauft. Ich kaufe und halte längerfristig, das macht mehr Sinn und ist einfacher. ETFs habe ich aber schon gekauft. 

Viele verkaufen ihre Papiere wegen der vielen Warnungen vor einem Crash zum Beispiel, die Bewertungen von Unternehmen seien übertrieben. Sie bleiben cool?
Dass eine Krise wieder kommt, ist klar. Meine Strategie ist nicht, vorher zu verkaufen. Mir geht es um Altersvorsorge und da habe ich einen Anlagezeitraum von 30 bis 40 Jahren. Investieren, so wie ich es verstehe, ist langweilig, wenn man es richtig macht. Mein Motto lautet, lieber langsam und sicher vermögend werden als schnell und hektisch arm.

Nicht mal das Depot aufpolieren und die schlechten Werte rausschmeißen?
Nein, weil ich schlicht gar nichts verkaufe, es dient ja der Altersvorsorge. Mein Fokus ist das Sparen für später und das Ziel sind Renditen von sechs bis sieben Prozent jährlich. Das geht, ohne viel Arbeit damit zu haben. Aber dafür muss man investieren und zehn bis 15 Jahre gar nichts machen. Ich sage nicht, dass schnelles Traden nicht funktioniert. Aber es ist nichts für die breite Masse der Leute. Und die meisten meiner Follower wollen, dass ihr Geld arbeitet und brauchen keinen zweiten Job als Börsenhändler.

Sie kaufen nicht mal nach?
Doch, klar. Aber das läuft automatisch. Ich investiere regelmäßig mit einem Sparplan von 1500 Euro im Monat, meine Follower zwischen 250 und 500 Euro monatlich. Das Geld fließt in Aktien-ETFs, die Aktien der weltweit führenden Unternehmen abbilden. Dazu richtet man einen Dauerauftrag ein. Wer versucht, den Markt zu timen, also zu kaufen, wenn Werte am Tiefpunkt sind und zu verkaufen auf dem Höhepunkt, der verliert in den meisten Fällen. Und Leute, die behaupten, das zu können, und unseriöse WhatsApp-Gruppen betreiben, sind oft Betrüger. 

Wie funktioniert der WhatsApp-Börsen-Betrug?
Es ist ein klassischer Anlagebetrug und weit verbreitet. Ich bin selbst davon betroffen. Mit Fotos von meinem Gesicht, Duplikaten meiner Website und Fake-Accounts mit KI-generierten Fake-Screenshots versprechen diese Leute unrealistische Gewinne. Bestenfalls bekommen die ersten, die Geld einzahlen, eine Summe mit Gewinn ausgezahlt, damit andere an die Masche glauben. Kurze Zeit später platzt aber die Blase und die Betrogenen sind ihr Geld los.

So ähnlich wie beim Schneeballsystem?
Genau. Am Anfang zahlt jemand ein, aber schon da steht fest, wann das System zusammenbricht. Ich meine, es passiert nach 120 Tagen, es gibt sogar eine Formel, um das zu errechnen. Die Leute sind dann weg. Man sollte vorsichtig sein, wenn einem schnell viel Geld versprochen wird. Denn dafür müsste man die Marktprinzipien außer Kraft setzen. Natürlich gibt es Leute, die die Rheinmetall-Aktie vor dem Ukrainekrieg gekauft haben und damit große Gewinne verbucht haben. Aber das ist wie ein Lottogewinn. Reichwerden mit Aktien, durch geheime Aktientipps – das ist ein leeres Versprechen. 

Florian Hörning: Finance Made Simple
Florian Hörning: „Finance Made Simple“ ercheint im Econ-Verlag.

© Econ-Verlag

Viele tun es trotzdem?
Ja, und es wird immer Leute geben, die ihnen das abkaufen. Es ist so wie mit den Wunderpillen und dem Versprechen, schnell abzunehmen ohne viel Anstrengung. 

In Wahrheit braucht es dafür sehr wohl Anstrengung?
Ja, oder besser noch: Es braucht Zeit, man muss es über Monate und Jahre machen. So wie Fitness. Eine Pille schmeißen jeden Tag, das kriegt jeder hin. Aber wenn es heißt, dreimal die Woche trainieren, das eher nicht. 

Als Influencer haben Sie Sponsoren und damit sind auch Sie nicht wirklich unabhängig, oder? 
Seit dem Launch meiner Website am 1. Februar 2022 habe ich sechs oder sieben Kooperationen beispielsweise mit Medien wie capital.com gemacht und bestimmt 700 abgelehnt, die Anlage-Empfehlungen kaufen wollten. Ich will Menschen helfen, sie bilden. Ich komme aus der Finanzbranche, habe 13 Jahre als Berater gearbeitet. Und jetzt helfen ich und meine Mitarbeiter vor allem bei der Altersvorsorge. Das will nicht jeder selbst regeln, und da kommen wir ins Spiel. Das macht einen Großteil der Umsätze meiner Firma aus. 

Sie bieten es aber auch Online an zum Selberlernen?
Ja, ich habe einen Kurs aufgesetzt, zu dem sich 10.000 Leute registriert haben. 2000 haben angefangen, die Inhalte anzusehen. Vollständig angeschaut haben ihn etwa 200. Dabei dauert der Kurs nur 30 Minuten. Aber das ist auch Arbeit, und die nehmen wir den Leuten ab. Ich selbst berate auch noch einen Tag die Woche, um zu hören, womit die Leute die meisten Probleme haben. So verliert man nicht die Bodenhaftung. Die meiste Zeit geht für die Pflege der Instagram-Kanäle drauf, das Verfassen des Buches und organisatorische Aufgaben für die Firma, deren Geschäfte ich führe.

Wenn es so einfach ist, warum lassen sich so viele beraten?
Weil es Zeit kostet, sich einzulesen, bevor man investiert. Und dadurch bekommt man bestenfalls ein bis zwei Prozent mehr Rendite raus. Wenn das aber keinen Spaß macht, dann sollte man eher eine Stunde länger arbeiten in dem Job, in dem man Tag für Tag sein Geld verdient. Das zusätzlich verdiente Geld legt man an. Damit fährt man meistens besser als beim Versuch, auf eigene Faust den Markt auszuperformen.

Ihr Buch ist nicht nur ein Geld-Ratgeber, sie geben auch Verhaltensempfehlungen, warum?
Weil jeder verstehen sollte, wie er sein Geld am besten einsetzt und es für sich arbeiten lässt. Einige da draußen fahren ein teures Auto oder machen teure Urlaube. Die meisten überspielen damit ihre Unsicherheit. Oder sie suchen Anerkennung. Auch ich habe deshalb früher teure Markenklamotten getragen, teilweise aus den USA bestellt. Bis ich gemerkt habe, dass mich das nicht glücklicher macht. Dann habe ich überlegt, was ich wirklich gerne mache, ganz egal was andere darüber denken. Wenn man das herausfindet, lässt man andere Dinge weg und dann bleibt Geld übrig. Das kann man vernünftig investieren.

Was war Ihr größter Fehler?
Ich habe zu spät angefangen zu investieren.

Tatsächlich, wie alt sind Sie noch gleich?
34 – und zu meinem 18. Geburtstag haben mir Oma und Opa 5000 Euro geschenkt. Davon habe ich mir ein Auto gekauft, aber ich hätte besser die Hälfte investieren sollen. Auch die spannenden Nächte in den Clubs wären mit einem Glas weniger gelaufen, so dass auch da Geld übrig geblieben wäre für Investitionen. Wie viel, das habe ich mal ausgerechnet, aber die Zahl schnell wieder vergessen. Es bringt nichts, nach hinten zu schauen. Dafür habe ich meine Konsumausgaben stärker hinterfragt. Ich bin kein Mitglied der „Fire“-Bewegung und auch kein Frugalist, wie es hier heißt: Ich lege nicht alles zurück um mit 50 reich zu sein. Dafür ist das Leben zu kurz. Das ist mir 2022 klar geworden, als meine Mutter gestorben ist, kurz vor dem Renteneintritt. Sie hatte immer alles aufgeschoben für die Zeit danach, sagte: „Das machen wir, wenn ich in Rente bin.“ Deshalb versuche ich herauszufinden, was mich heute glücklich macht. Das leiste ich mir und lege trotzdem etwas für später an.

Und das erste Auto war ein Flop?
Nein, der lief super, ist nie liegen geblieben, und ich konnte den zehn Jahre später zum halben Einkaufspreis wieder verkaufen. Es war ein Ford Fiesta. Davor war ich mit einem Mofa-Roller zur Arbeit gefahren. Da ging es den Berg hoch und ich musste Schlangenlinien fahren, damit ich nicht umfalle. 

In Ihrem Rentendepot sind ETFs. Die investieren schwerpunktmäßig in US-Tech-Firmen. Ist das vernünftig?
Wir haben dazu einen ETF mit Unternehmenswerten von Schwellenländern, zum Ausgleich. Ich verlasse mich darauf, was die letzten 100 Jahre funktioniert hat. Ich selbst investiere außerdem zehn Prozent meiner Sparrate in Bitcoins. Das ist hochriskant. Die könnten theoretisch noch verboten werden. Aber selbst, wenn ich die abschreiben müsste, geht mein Sparplan auf. Wer dagegen All-In geht mit Bitcoins, zockt und riskiert einen Totalverlust. Außerdem haben die Tech-Werte des Welt-ETFs auf Jahre hin Potenzial: Die Entwicklung von KI-gesteuerten Robotern ist noch ganz am Anfang. Und das ist ein großer Markt. Mag sein, dass das vielen zu langweilig ist. Aber ich bleibe dabei: Lieber langsam vermögend werden als schnell und hektisch arm.

Haben Sie mal Bilanz gezogen bei Ihren Empfehlungen?
Ja, ich habe ein Depot für unsere Community aufgelegt, das im vergangenen Jahr zum 1. Januar gestartet ist. Das investiert zu 70 Prozent in Welt-ETFs, die einen Querschnitt aus Aktien führender Unternehmen abbildet sowie zu 30 Prozent in ETFs mit Firmen von Schwellenländern. Ich habe jeden Monat einen festen Betrag eingezahlt und Extrabeträge zusätzlich eingeschossen, als die Kurse abgestürzt waren. Stand heute haben wir ein Plus von 16 Prozent erzielt. Das war nicht immer so. Im April verbuchte ich ein Minus von 15 Prozent, als Trump die Strafzölle verhängt hatte. Da wollten viele meiner Follower, die ihr Depot nach meinem Vorbild angelegt hatten, aussteigen. Ich habe sie davor gewarnt und mit ihnen geteilt, dass ich selbst nochmal 5000 Euro extra investiere. Später habe ich weitere 10.000 Euro nachgelegt. Zusammen mit den monatlichen 1000 Euro, stand das Depot nach einem Jahr bei 31.400 Euro. 4400 Euro davon war die Rendite.  

Also haben sie doch ein wenig gezockt?
Naja, man zockt nicht, wenn man weiß, was passiert. Ich gehe fest davon aus, dass die Weltwirtschaft wächst. Vielleicht nicht in den kommenden ein oder zwei Jahren. Aber langfristig. Über Jahrzehnte betrachtet, sind die Up-Zyklen länger als die Down-Zyklen. Klar, falls Atomraketen fliegen, ist eh alles egal. Aber wenn nicht und der Anlagezeitraum 20 Jahre ist, dann wird alles gut. 

Sie verkaufen also nie Werte aus ihrem Depot, um sich Bares auszuzahlen?
Aus diesem Portfolio nicht. Meinen Konsum bestreite ich aus meinem Nettogehalt, also das Geld zum Leben, wohnen und Urlauben. Außerdem habe ich einen Notgroschen, das sind drei bis fünf Monatsausgaben. Das Geld ist für Reparaturen da, die Heizung beispielsweise oder für einen neuen Fernseher. 

Immobilien haben Sie nicht gekauft?
Nein, aber wir haben das Haus kernsaniert, in dem wir wohnen. Das Haus hat meine Partnerin von ihrer Oma geerbt. Ich habe auch eine Immobilie geerbt, in der mein Vater lebt. Selbst gekauft habe ich nichts, weil ich man als Einzelunternehmer von der Bank nicht gerade als jemand angesehen, der außerordentlich kreditwürdig ist. Meine GmbH habe ich erst vor kurzem gegründet, nun sieht das anders aus. 

Zum Schluss verraten Sie uns bitte noch die fünf Aktien, die zurzeit unterbewertet sind?
Ich gebe keine Empfehlung ab und würde stattdessen fragen: Wie lange wollen Sie anlegen? 

So lange bis ich mit den fünf Aktien ordentlich im Plus bin und dann verkaufe ich!
Du willst zocken – was hält Dich davon ab, Lotto zu spielen oder ins Casino zu gehen?

Aktien sind sicherer, das Geld ist nicht gleich weg nach der Ziehung, und es gibt keine Null wie beim Roulette
Ich habe früher auch mal russische Öl-Aktien gekauft. Da steht eine Null, weil die nicht mehr handelbar sind. Das Geld ist komplett weg. 

Der Schaden hat Sie klug gemacht?
Im Casino habe ich es mit dem Verdoppelungstrick versucht. Also auf Rot oder Schwarz setzen und wenn man verliert die doppelte Summe auf dieselbe Farbe setzen. Da habe ich in einer halben Stunde 400 Euro gemacht. Aber irgendwann kam eine sehr lange Rot-Phase, da habe ich alles verloren.

Seitdem investieren Sie konservativ?
Ja, zocken ist nicht gemacht für die breite Masse. Deshalb empfehle ich auch keine einzelnen Aktien. Zumal das den Tipps widersprechen würde, die ich beim Investieren gebe.

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