Galerie Bastian verlässt Berlin : Wunsch und Würfel

Die Galerie Bastian verabschiedet sich aus Berlin mit einer famosen Schau.

Das erste Geschoss im Galeriehaus ist Anselm Kiefer gewidmet.
Das erste Geschoss im Galeriehaus ist Anselm Kiefer gewidmet.Foto: Galerie Bastian / Jörg von Bruchhausen

Neunzig Quadratmeter misst die Galerie Bastian ab kommendem Jahr. Ein Bruchteil der jetzigen Ausstellungsfläche, und sie wird auch nicht länger in Berlin ansässig sein – sondern in London. Trotz oder wegen des Brexits, so ganz mag sich Aeneas Bastian da nicht festlegen. Politisch ist noch zu viel in Bewegung. Aber dass die Stadt eine Metropole für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist und deren Sammler weit eher in London als in Berlin Station machen – diese Einsicht veranlasst Bastian dazu, die Funktionen seiner Galerie aufzuspalten. Gehandelt wird ab Februar 2019 in Großbritannien. Die Reflektion über Kunst, wie sie auch seinen Eltern, dem Sammlerpaar Céline und Heiner Bastian, immer schon wichtig war, hat man in den privaten Rahmen eines Salons bereits nach Dahlem verpflanzt.

So ist der Titel der letzten Ausstellung im großartigen Haus am Kupfergraben ganz wörtlich zu verstehen. Mit „The Times they are A-Changing“ nach einem Song von Bob Dylan verabschiedet sich die Galerie aus Berlins Mitte und fährt zum Ende noch einmal die großen Namen aus ihrem Programm auf. Anselm Kiefer, Andy Warhol, Wim Wenders, vor allem aber Joseph Beuys: Ihnen widmen sich die sorgsam eingerichteten „Künstlerräume“ dieser letzten Schau.

Jeder der sieben vertretenen Künstler hat sein Refugium in dem mehrstöckigen Galeriehaus, das im Auftrag der Bastians vom Architekten David Chipperfield errichtet und im November 2007 eröffnet wurde. In die unteren beiden Stockwerke zog die Galerie Contemporary Fine Arts (CFA) und zeigte hier denkwürdige Ausstellungen mit Werken von Georg Baselitz, Georg Herold oder der in New York lebenden Malerin Cecily Brown. 2011 zogen Aeneas Bastian und Harriet Häußler, deren Galerie Upstairs in Kreuzberg heimatlos geworden war, mit in das Haus. Es folgte: ein ungewöhnliches Konstrukt, das die Kunstsammlung der Bastians mit der Galeristentätigkeit des Sohnes verschmolz. CFA wiederum entschied sich 2017 für einen Umzug nach Charlottenburg.

Das Haus geht an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die künftige Funktion des Hauses mit seiner großmaßstäblichen, für monumentale Bilder wie Skulpturen gemachten Architektur ist bekannt. Bastians haben es – trotz einiger unverschuldeter Wirren – der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geschenkt. Die feierliche Übergabe findet am 18. März statt. Ausstellungen wird es dann nicht mehr geben. Der strenge, würfelförmige Bau verwandelt sich in ein Zentrum für kulturelle Bildung, das Besuchern der benachbarten Museumsinsel mehr über die dortigen Kulturschätze vermitteln soll. Wissen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Das Ensemble ergänzt sich ja auch perfekt. Gerade steht Aeneas Bastian im ersten Stock des Galeriehauses, von dort blickt er direkt auf die Plattform der jüngst eingeweihten, ebenfalls von Chipperfield erdachten James-Simon-Galerie, die der Museumsinsel künftig als neuer Eingang dient. Vor den hellen, schlanken Säulen des Neubaus steht eine Frau und winkt herüber. Die bodentiefen Fenster des Galeriehauses geben selbst dann den Blick in das Innere frei, wenn es nicht taghell erleuchtet ist. Bastian erkennt die Fotografin Donata Wenders, grüßt zurück und schaut etwas erstaunt, als man ihn fragt, ob er das nicht vermissen wird: diesen einmaligen Standort im kulturellen Herzen der Stadt, die Nähe zu ihren Institutionen.

Das Signal für den Kunstmarkt ist fatal

Doch Bastian hat, so scheint es, als Galerist mit dem Kupfergraben abgeschlossen. Ein paar Wochen zuvor kursierte die Neuigkeit des Umzugs ins noble Londoner Viertel Mayfair. Vor wenigen Tagen stellte er dann den Dahlemer Salon vor. Keramik von Pablo Picasso füllt seine Regale und ein gemaltes Selbstbildnis von Max Liebermann spielt auf Berlins schillernde Vergangenheit an, wo einst in den Salons über Kunst und Literatur gestritten wurde. Es ist der Versuch einer Privatisierung, in der das Inhaltliche wieder die Hoheit über das pur Quantitative gewinnt. Bastian erinnert sich an Ausstellungen, in denen sich die Besucher zur Eröffnung in Trauben drängen. Gespräche waren an solchen Abenden unmöglich. Dabei wollte er das unbedingt: sich über die Arbeiten von Cy Twombly, Robert Rauschenberg oder Andy Warhol austauschen.

Es geht zurück zur Kunst, zumindest in Dahlem. Was aber bedeutet es für den Berliner Kunstmarkt? Denn die Einweihung des Hauses am Kupfergraben vor gut zehn Jahren hatte echte Signalwirkung Hier begab sich eine Galerie in unmittelbare Nähe zu den Museen und etablierte auf Augenhöhe mitten im historischen Zentrum einen vitalen Ort des Handels. Diese Zeiten, so muss man es lesen, sind vorbei. Die Stadt teilt ihr reiches Erbe: Das Museale gewinnt an Platz, die Galerien wachsen nicht weiter, sondern suchen sich Nischen für ihr individuelles Programm. Das passt, solange sich das Image vom kreativen Standort hält. Die Vision aber, kunsthändlerisch zu Metropolen wie London oder Paris aufzuschließen, kann die Stadt nach Aderlässen wie diesem aufgeben.

Galerie Bastian, Am Kupfergraben 10; bis 22.12. & wieder ab 10.1.2019 bis Ende Januar, Do/Fr 11–17.30 Uhr, Sa 11–16 Uhr

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