„Die Angst der Bundeskanzlerin vor Hunden gilt als legendär“

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Zum Treffen mit Angela Merkel 2007 in Sotschi nahm Wladimir Putin seinen schwarzen Labrador Koney mit.
Zum Treffen mit Angela Merkel 2007 in Sotschi nahm Wladimir Putin seinen schwarzen Labrador Koney mit.Foto: epa Dmitry Astakhov ITAR-TASS PO/epa/dpa

Eine Tierkrankenversicherung – haben Sie Ihre Chefs anfangs verflucht?

Nein. Bereits damals zeichnete sich ab, dass sich Tierärzte immer weiter spezialisieren würden. Heute kann ein Tiermediziner im Prinzip alles machen, was auch der Humanmediziner macht, und er tut es auch, wenn der Halter es will.

Hunde, Katzen, Papageien oder Hasen bekommen Chemotherapien, Beinprothesen und sogar Kunstlinsen eingesetzt, wenn sie an grauem Star leiden. Sie werden in MRTs durchleuchtet und akupunktiert. Ist das nicht überspannt? Sie als Versicherer müssen ja die Rechnung zahlen.

Für alternative Behandlungsmethoden zahlen wir nur, wenn ein ausgebildeter Tierarzt sie verordnet – wie beispielsweise Bachblütentherapien, die Hunden die Angst vor Feuerwerk nehmen sollen. Wir haben mittlerweile 280 000 Versicherte und deshalb sehr viele Gesundheitsdaten von Hunden und Katzen, nach denen wir unsere Tarife berechnen. Da sehen wir: Durch den medizinischen Fortschritt haben manche Hunderassen eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Die Deutsche Dogge wird aber nur noch durchschnittlich sechseinhalb Jahre alt anstatt wie früher acht. Sie ist stark überzüchtet, wie viele andere Rassen auch.

Doggen haben häufig Herzprobleme. Aber eine Magendrehung, unter der Doggen ebenfalls oft leiden, weil sie das Futter so schnell hinunterschlingen, kann operativ behoben werden. Dazu muss ein Tierarzt den Bauch des Tieres aufschneiden und das Organ von Hand zurückdrehen. Deutsche Doggen sind tolle Tiere, aber eben auch 60 Kilo schwere Lebewesen, und wenn sie zum Tierarzt müssen, kostet das eben so viel wie die Operation eines Kindes.

Bei der Dogge kann der Tierarzt grobmotorischer arbeiten, als wenn er beispielsweise einen Pekinesen operiert. Ist das nicht einfacher?

Die filigranen Arbeiten sind schon aufwendig. Die Operation eines Mops, insbesondere in der Gesichtsgegend, ist minimalinvasive Arbeit. Durch die Kurzköpfigkeit, ein Rassemerkmal, das die Menschen besonders süß finden, sind die Atemwege der Tiere, ich sage es jetzt mal salopp, so zerknautscht, dass man das richten muss. Auf diese Operation hat sich die Uni Leipzig spezialisiert. Die Risiken führen dazu, dass Dogge und Mops in einer besonderen Tarifgruppe sind: 21,90 Euro pro Monat für ein junges Tier.

Wissen Sie, wie viel Prozent der Möpse auf einem Operationstisch landen?

So ziemlich alle, die bei uns versichert sind.

Warum kaufen sich die Menschen teure Rassehunde vom Züchter, wo es doch im Tierheim genügend Mischlinge gibt?

Gegenfrage: Kennen Sie eine Werbung, in der ein Mischling vorkommt? Da werden nur Rassehunde gezeigt. Vor Jahren war ein West Highland White Terrier in einer Werbung zu sehen: süße Knopfaugen, wuscheliges Fell. Daraufhin wurden so viele Tiere gezüchtet, dass der Genpool nicht mehr ausreichte. Es kam zu einer inzestuösen Entwicklung, Neurodermitis breitete sich unter den Hunden aus. Irgendwann war die Rasse nicht mehr so populär. Die Erkrankung ist nahezu verschwunden.

Zu den Bissverletzungen. Sie kennen den Spruch: „Der beißt nicht, der knabbert nur.“

Wer so etwas sagt, nimmt die Furcht mancher Menschen vor Hunden nicht ernst. Die Angst der Bundeskanzlerin gilt als legendär – Herr Putin hat mal seinen Hund zu einem Treffen mit ihr in den Besprechungsraum kommen lassen. In der Haftpflichtversicherung sehen wir in der Schadensstatistik, dass in weniger als 20 Prozent der Fälle Menschen verletzt werden – durch Bisswunden und das Stolpern über die Leine oder den ganzen Hund.

In der Bundesrepublik gibt es die meisten Hunde in Herne, gefolgt von Essen, Oberhausen und Ludwigshafen. Lauter Industriestädte. Hat Hundehaltung hierzulande eine proletarische Tradition?

Ich halte es mehr für ein städtisches Phänomen. Als ich letztens durch Berlin-Mitte lief, sah ich viele gestylte Frauen mit ihren kleinen Hündchen in der Handtasche. Der Hund ist zum Accessoire geworden. In Berlin ist die französische Bulldogge zurzeit die beliebteste Rasse. Diese Tiere heißen nicht mehr Bello oder Waldi, sondern Buddy, Bruno und Balloo sowie Emma, Lilli und Luna.

Wie die Töchter von Dana und Til Schweiger!

Wie gesagt, Hunde sind heute Familienmitglieder und heißen auch so.

Hängt in Ihrem Büro immer noch ein gerahmtes Poster von verschiedenen Hunderassen?

Bei mir hängt ein Gemälde, das einen uniformierten General mit dem Kopf eines deutschen Drahthaars, also eines Jagdhunds, zeigt.

Als Erinnerung an Ihre Zeit als Generalsekretär.

Das Bild habe ich in einem Dekogeschäft in Österreich gekauft, lange bevor ich zum Generalsekretär berufen wurde. Ich finde es immer noch witzig.