Bilanz des Medienboards Berlin-Brandenburg : Einen Euro ausgeben, sechs Euro einnehmen

Was die Förderung des Medienboards Berlin-Brandenburg für Serien, Film und New Media an Regionaleffekten auslöst.

Nur echt aus der Hauptstadt. „Babylon Berlin“, die Serie von ARD und Sky.
Nur echt aus der Hauptstadt. „Babylon Berlin“, die Serie von ARD und Sky.Foto: X FILME CREATIVE POOL GMBH

Gut ist nicht gut genug – dabei sind die Zahlen wirklich gut. Das Medienboard Berlin-Brandenburg konnte im vergangenen Jahr 38,8 Millionen Euro in die Film- und New-Media-Förderung stecken. Geld, das in der Region ausgegeben wurde – und zwar mit „Regionaleffekt“. 38,8 Millionen haben also rund 165 Millionen Euro an regional spend ausgelöst; belief sich der durchschnittliche Effekt bei den rund 300 geförderten Projekten auf 425 Prozent, so waren es bei den High-End-Serien wie „Babylon Berlin“ gar 600 Prozent, wurde bei der Bilanzpressekonferenz des Medienboards bekannt.

Die vielleicht erfolgreichste länderübergreifende Förderung in der Region, wenn nicht in ganz Deutschland, kann mittlerweile auf 15 Jahre Bestehen zurückblicken. War vor und auch noch nach der Wende München die Filmhauptstadt Deutschlands, so ist „mittlerweile Berlin das Epizentrum“, so Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin Filmförderung. Natürlich sind die Hauptstadt und das Studio Babelsberg aus sich heraus attraktive und professionelle Standorte, wo nationale wie internationale Kreative konkurrenzfähige Produktionsbedingungen vorfinden.

Was aber nicht reicht. Das Geld, die Fördermillionen müssen auch stimmen. Das weiß die Politik in beiden Ländern. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Medienboard und Chef der Berliner Senatskanzlei, Christian Gaebler, ist es ausgemachte Sache, dass sich das Medienboard als ein Erfolgsmodell „unserer weiteren Unterstützung sicher sein kann“. Nichts anderes will Brandenburg, wie Hendrik Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie und stellvertretender Aufsichtsratschef, betonte. Er mahnte an, dass die Förderinstrumente noch verbessert werden könnten, insbesondere – im internationalen Vergleich – die steuerlichen Rahmenbedingungen für Produktionen in Deutschland.

Die Spur der Scheine

Zu den Aufgaben eines Medienboards im operativen wie administrativen Bereich, aber auch im Aufsichtsrat, gehört die ständige Beobachtung der „Spur der Scheine“. Es grenzt eben schon an Niederlage, wenn Ufa Fiction das Urberliner Thema der „Charité“ in Prag verfilmt und nicht in Berlin. Und es ist eine Frage von Selbstbewusstsein und Charakter, wenn den Produzenten der ARD-Sky-Serie „Babylon Berlin“ eine Bis-hierher-und-nichtweiter-Grenze bei der Förderung gesetzt wurde. Hat gewirkt, „Babylon Berlin“ wurde und wird in der Region gedreht.

Aus der Sicht von Kirsten Niehuus hat es sich bewährt, dass die Hauptstadtregion „früher als alle anderen“ Serien gefördert habe. Als eine der Folgen des Serienbooms sieht Niehuus, dass Filmemacher fürs Kino freier erzählen. Sie verwies dabei auf „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt, die Geschichte eines schwer erziehbaren Mädchens. Der Film geht ins Rennen um den Auslands-Oscar.

Das Medienboard sucht über seine Instrumente Geld und Kreativität in Berlin und Brandenburg zu bündeln. Natürlich geht es auch um Standortmarketing und Tourismus, wenn die US-Serie „Homeland“ Bilder und Impressionen aus Berlin und Brandenburg transportiert, natürlich soll die Branche – die übrigens Vollbeschäftigung meldet – wachsen.

Zugleich geht es um Kunst, Kultur und Medien und um deren jeweilige Freiheit. Dafür können Berlin und Brandenburg einstehen, deswegen werden Filme gefördert, die ohne das staatliche Fördervolumen von 70, 80 Prozent gar nicht auf die Leinwand kämen. Das Medienboard steht für Wirtschaftsförderung – und für Anstoß und Anschub von Kreativität. Die sich auch bei der New-Media-Förderung finden kann. Helge Jürgens, Geschäftsführer dieses Medienboard-Bereichs, verwies auf „Pagan Peak VR“, die Virtual-Reality-Experience zur Sky-Serie „Der Pass“, oder auf „Trüberbrook“, „Bestes Deutsches Spiel“ beim Deutschen Computerspielpreis 2019. Joachim Huber

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