Horror-Thriller mit Nina Kunzendorf : Aberglaube in Antwerpen

Hat eine Voodoo-Sekte ihre Tochter umgebracht? Ex-"Tatort"-Kommissarin Nina Kunzendorf im Gruselthriller „Totenfieber“.

Selten im deutschen TV: Ein Voodoo-Priester (Claude Musungayi) beschwört die Geister der Toten.
Selten im deutschen TV: Ein Voodoo-Priester (Claude Musungayi) beschwört die Geister der Toten.Foto: ARD Degeto/Sofie Silbermann

Man merkt dem ARD-Film „Totenfieber“, der an diesem Sonntag auf dem Platz von „Anne Will“ läuft, den Spaß an, den Regisseur Titus Selge beim Ausflug in das Horrorfilm-Genre gemacht hat. Nach „Unterwerfung“, der Verfilmung des Houellebecqs-Bestsellers „Soumission“, ist dieser ARD-Thriller tatsächlich das absolute Kontrastprogramm. „Ich würde gerne eine Lanze brechen für solch besondere Filme. Denn zur filmischen Erzählkultur gehören neben Krimi und Romantic Comedy unbedingt auch Experimente, die sich an cineastischen Vorbildern aus Science Fiction, Fantasy, Horror, Action, Mystery oder eben Voodoo-Thriller orientieren“, sagt Selge und wünscht spannende Unterhaltung.

Und die bietet „Totenfieber – Nachricht aus Antwerpen“ tatsächlich, zumal sich der Horror in Grenzen hält. Wenn überhaupt, handelt es sich um leichtes Gruseln, das sich beim Zuschauen einstellen kann. Auf grobe Schockmomente hat Selge verzichtet. Wobei es für die von Nina Kunzendorf gespielte Ellen Bouché sicherlich der absolute Horror ist, als sie nach Belgien reisen muss, um in der Pathologie Abschied von ihrer toten Tochter zu nehmen. Als Todesursache wird eine Überdosis eines Drogencocktails vermutet, die gerichtsmedizinische Untersuchung steht noch aus.

Ihre Tochter Sarah (Paula Kroh) habe doch nie Drogen genommen, sagt sie ihrer Freundin Maggie (Hilde De Baerdemaeker). Diese betreibt eine extravagante Galerie und gibt Ellen eine Korallenkette, die ihr Kraft geben soll. Die kann sie gebrauchen, denn nachts wird sie durch eine eingehende SMS geweckt. „Hilfe, MA! Ich“, lautet der kurze Text – der nur von ihrer Tochter stammen kann. Und tatsächlich ist Sarahs Leiche weder in der Pathologie noch in der Forensik zu finden. Ellen stellt eine Vermisstenanzeige, Kommissar Wouters (Steve Driesen) ist zwar nicht besonders gesprächig, erklärt sie aber aber auch nicht für verrückt. Genauso wenig wie ihre Freundin Maggie dies tut, die Kontakt zu einer Voodoo-Sekte hat.

Reise durch alle Gemütswelten

Die Story (Drehbuch Volker Führer) gibt Ex-"Tatort"-Kommissarin Nina Kunzendorf den Raum, sich einmal quer durch alle Gemütswelten zu bewegen. Von der über den Tod der Tochter verzweifelten Mutter, der es gerade noch gelingt, an der Totenbahre die Fassung zu bewahren, bevor sie dann doch zusammenbricht. Über eine zutiefst verwirrte Frau, die Einblick in die fremde Welt einer offenbar blutrünstigen Religion erhält und daraus die Hoffnung zieht, dass ihre Tochter noch am Leben sein könnte. Bis hin zu unbändiger Angst und einer Kraft, gegen die selbst Bodyguards nichts auszurichten vermögen.

Dass die Geschichte in Belgien spielt, wirkt sich überdies positiv aus. Die koloniale Vergangenheit des Landes lässt den Voodoo-Kult glaubhafter erscheinen als bei einem Drehort in Deutschland. Vor allem aber haben Selge und Kameramann Stephan Wagner in Antwerpen erstaunliche Motive gefunden inklusive einer imposanten Bahnhofsfassade und unheimlich wirkenden Gassen in der Altstadt. Eine besondere Erwähnung verdient ferner das Szenenbild von Károly Pákozdy mit den Voodoo-Zeremonien.

Das Darsteller-Team besteht größtenteils aus Belgiern, die zwar mit Ellen deutsch sprechen, aber mit einem interessanten Akzent. Die Dreharbeiten waren dabei wohl nicht ganz einfach, wie Kunzendorf sagte: „Am Set wurde Englisch, Französisch, Deutsch und Flämisch durcheinandergesprochen. Das hat manchmal zu Missverständnissen geführt oder zu Umwegen, aber im Kern fand ich das toll.“ Kurt Sagatz

„Totenfieber – Nachricht aus Antwerpen“, ARD, Sonntag, 21 Uhr 45