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Im Gespräch, wieder einmal: SPD-Vize Kevin Kühnert.
© NDR/Lucas Stratmann

NDR-Doku über den SPD-Vize: Kevin fast alleine zu Haus

Das Willy-Brandt-Haus im Fokus: Eine Langzeit-Dokumentation blickt hinter die Kulissen von Kevin Kühnerts Politikwelt.

Kevin Kühnert im Krisengespräch mit Andrea Nahles nach den Europawahlen 2019, Kevin Kühnert im Talk bei Florian Schröder, Kevin Kühnert in zahllosen Zeitungsinterviews, Kevin Kühnert beim Staunen über Social-Media-Erfolge, Kevin Kühnert im Straßenwahlkampf in Tempelhof-Schöneberg, Kevin Kühnert beim Jubeln am Wahlsonntag – wer sich die sechsteilige Fernsehdokumentation über den stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD anschaut, könnte oder muss vielleicht auch glauben, dass die steigende Kurve der kriselnden Partei von 14 auf zuletzt 26 Prozent nicht nur mit Olaf Scholz zu tun habe („Kevin Kühnert und die SPD“, Mittwoch , N3, 0 Uhr; ARD-Mediathek).

Von einer Verklärung ist diese NDR-Doku jedoch weit entfernt. Über drei Stunden lässt sie Medienechos, Bilder und Töne rund um Kühnerts Diary für sich sprechen (ähnlich der Stephan-LambyWahlkampf-Doku), mit Zaudern, Zögern und Ungeduld in Team-Gesprächen, Terminen im Willy-Brandt-Haus und Ortsvereinen, bei Begegnungen mit Bürgern und Partei-Prominenz.

Der Machtmensch, dessen Ego durch so ein Projekt geschmeichelt wird?

Katharina Schiele und Lucas Stratmann haben Kühnert drei Jahre lang begleiten dürfen – mit der Vereinbarung, kein Material vor der Bundestagswahl zu veröffentlichen. Strikte Beobachtung mit der Kamera, kein Off-Kommentar. Es gibt tatsächlich bannende Einblicke in das Innenleben eines aufstrebenden Jungpolitikers, die ihren Reiz auch durch den Kontrast entfalten.

Hier stressiger Terminkalender, Snack nachts im Auto und Zigaretten, dort Klaviermusik im Off und ein alleine auf dem Balkon der Parteizentrale stehender Jungpolitiker. Kevin Kühnert, der Machtmensch, dessen Ego durch so ein Projekt geschmeichelt wird? Vielleicht. Es sind aber auch solche Dokus, die den Sinn und die Leidenschaft am Politikmachen vielen am Politikbetrieb und -Machen Zweifelnden näher bringen.

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