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SKB Stadtfernsehen Brandenburg : Landes-Medienanstalt rügt Lokalsender für sexistischen Beitrag

Der Beitrag des privaten TV-Lokalsenders in Brandenburg enthielt eine sexualisierte Darstellung einer Landtagsmitarbeiterin, befand die Medienanstalt.

Foto/screeshot: TSP, SKB TV

Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat den privaten lokalen Fernsehsender SKB TV wegen eines sexistischen Beitrages gerügt. Der Beitrag habe eine sexualisierte Darstellung einer Brandenburger Landtagsmitarbeiterin enthalten, teilte der Medienrat am Montag in Berlin mit.

Der Medienrat forderte den in der Stadt Brandenburg an der Havel ansässigen Lokalsender auf, künftig eine formal wie inhaltlich angemessene und diskriminierungsfreie Berichterstattung sicherzustellen. Der sexistische Beitrag war den Angaben zufolge auf Facebook sowie über die Mediathek des Senders verbreitet worden. Die mabb ist die gemeinsame Medienanstalt der Länder Berlin und Brandenburg.

In dem rund acht Minuten langen Beitrag war eine 19 Jahre alte Mitarbeiterin des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Gliese vorgestellt worden. Die 19-Jährige war von den Machern des Beitrags als „diese attraktive Lady“ vorgestellt worden, dazu der Titel des Stücks: „Politik als Beruf: Karriere im Landtag“. Gerügt wurden von der mabb etwa Kameraschwenks auf und Nahaufnahmen von Gesäß und Dekolleté der Frau. Zudem kritisierte das Gremium „die weitgehend undifferenzierte Darstellung von - männlichen wie weiblichen - Geschlechterklischees und Rollenbildern, die nicht den üblichen journalistischen Standards entspreche“.

Der Beitrag über „die jüngste Mitarbeiterin des Brandenburger Landtag“ hat in der Landespolitik ein breites Echo ausgelöst. „Wenn jemand wissen will, was Sexismus in Reinkultur in Politik und Medien ist, der wird hier fündig“, kommentierte etwa die Linke-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige.

Die Chefredakteurin der Tagesspiegel-Schwesterzeitung Potsdamer Neuesten Nachrichten, Sabine Schicketanz, erklärte: „Ohne Worte. Was für eine Offenbarung sexistischer Denkmuster.“ Auch in der CDU-Landtagsfraktion sorgte der Beitrag für Entsetzen, offiziell äußerte sich die Fraktion aber nicht.

 Befragt wurde im fraglichen Beitrag nicht nur der Landtagsabgeordnete Gliese, sondern andere Politiker, auch von SPD und Linke, darunter Ministerpräsident Dietmar Woidke und Finanzminister Christian Görke. Die waren teils sichtlich überrumpelt. Der Sender drehte etwa beim Neujahrspresseempfang von Landtag und Landesregierung im Januar in Potsdam. Der Co-Autor des Beitrags war nach Aussagen mehrerer Beteiligter mit der 19-Jährigen an den Drehtagen sogar verbandelt.

In einer Szene lobte Sozialministerin Diane Golze (Linke) das Interesse der 19-Jährigen für die Landespolitik – dann der Schnitt auf den Ausschnitt der 19-Jährigen mit Brandenburg-Adler am Revers, die Hintergrundmusik schallt: „Sexy.“ Dann Christian Görke, dazu die Stimme aus dem Off: „Auch unser Finanzminister hat mittlerweile ein Auge auf die attraktive Brandenburgerin geworfen.“ Der lässt sich mit den Worten zitieren: „Er geht nicht um jung und hübsch. Es ist entscheidend, ob man offen ist.“

Und der CDU-Landtagsabgeordnete Gliese lobte seine persönliche Mitarbeiterin, die mit Bestnoten Abitur gemacht habe, nun Lehramt studiert: „Sie sorgt für ein positives Betriebsklima. Und die Intelligenz ist wirklich nicht von der Hand zu weisen.“

Rüge oder Bußgeld wären möglich gewesen

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg prüfte den Beitrag schon seit Anfang März. Sie lizensiert die privaten Rundfunk- und TV-Sender in der Hauptstadtregion und überwacht die Einhaltung der Programmgrundsätze. Ob die Anstalt in diesem konkreten Fall wegen der Sexismus-Vorwürfe eine Rüge erteilen oder ein Bußgeld erheben werde, sei noch offen, sagte eine Sprecherin der MABB als der Fall bekannt wurde. Zunächst wolle man den Beitrag sichten und den Sender anhören. Zugleich werde geprüft, ob die MABB auch zuständig sei.

 Der Sender selbst bestritt das. Ein Anwalt werde sich darum kümmern, hieß es damals auf Anfrage. Der Beitrag sei in der zunächst nur auf der Facebook-Seite des Senders verbreitet worden, erklärte SKB TV. Es habe mehrere schriftliche Beschwerden von Frauen gegen den Beitrag gegeben. Zudem habe die 19-Jährige, die in dem Stück porträtiert worden war, selbst darum gebeten, dass der Beitrag bei Facebook wieder gelöscht werde. Das sei dann kurz darauf geschehen. Die ursprünglich geplante Ausstrahlung im Kabelsender sei abgesagt worden. Da der Beitrag nur bei Facebook zu sehen war, sei die Medienanstalt auch nicht zuständig, erklärte der Sender.

Pikant an dem Fall ist: Erst im Dezember hatte der Landtag entschieden, Lokale TV-Sender stärker fördern zu wollen. Zur Begründung hieß es: "Es besteht ein hohes Interesse an einem qualitativ hochwertigen lokalen und regionalen Informationsangebot im Fernsehen." Die Brandenburger Lokal-TV-Anbieter "tragen zur Ausprägung von lokaler und regionaler Identität bei". Auch von einem vielseitigen und qualitativ hochwertigem Lokaljournalismus war die Rede.

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