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Seit 20 Jahren dabei: Axel Prahl (links) und Jan Josef Liefers sind im Münster-Krimi seit zwei Jahrzehnten kein Herz und eine Seele.
© dpa

Rechnen Sie mit dem Schlimmsten: Was Fans von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ in 2022 erwarten dürfen

Schon an Neujahr gibt es den ersten „Tatort“ des Jahres zu sehen. Es geht nach Stuttgart. Das Krimi-Jahr im Überblick.

Das Jahr 2022 lässt sich in vielerlei Hinsicht nur schwer prognostizieren. Es gibt die geboosterte Hoffnung, dass das Covid-19-Virus nebst allen Mutanten an Infektionsmacht einbüßt – sicher ist das nicht. Gesichert dagegen ist, dass der Sonntagabend im Fernsehen wieder dem „Tatort“ und dem „Polizeiruf 110“ im Programm der ARD gehört.

Schaut man allerdings in die Vorschauen der Sender und in die Zusammenschau der dpa, dann stellt sich die interessante und vielleicht fragwürdige Erkenntnis ein, dass das Virus, das wahrlich ein Menschenverderber ist, in den Sonntagskrimis keine Rolle spielt.

Lässt sich eben nur schwer dingfest machen, Covid-19, und die Phantasie der Filmredaktionen wie der Autorinnen und Autoren reicht da nicht hin. Die Motivlage der Täterinnen und Täter folgt der anverwandelten Erkenntnis von Robert Gernhardt: „Im Burgenland, im Burgenland sind viele Laster unbekannt. Nur Wollust, Völlerei und Neid, die kennt man dort seit einger Zeit.“

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Zu den Fakten. Beim ARD-„Tatort“ steht 2022 der 1200. Film an, beim „Polizeiruf 110“ der 400. Krimi. Der populärste, der aus Münster, wird 20 Jahre alt. Die Münchner haben ihren 90. Fall zu lösen. Was die insgesamt 22 Ermittlerteams so an- und umtreibt, wird im Folgenden nach Städten und auf der Zeitstrecke sortiert. Auf Vollständigkeit wird kein Anspruch erhoben.

Stuttgart: Im Neujahrs-„Tatort“ 2022 liegt am Morgen nach der Weihnachtsfeier eines Versicherungskonzerns ein Mitarbeiter tot im Foyer. Die Folge heißt „Videobeweis“. Doch was zeigen die Kameraaufnahmen wirklich? Im zweiten Stuttgarter Fall 2022 geht es dann um einen Mann, der einen Radfahrer überrollt und einfach weiterfährt. Könnte auch in Berlin spielen.

Dortmund: Am 2. Januar ist schon der zweite „Tatort“ des Jahres zu sehen – und zwar aus dem Ruhrgebiet. Im Film „Gier und Angst“ wird auf dem Hafengelände ein erschossener Vermögensberater gefunden. Zehn Jahre gibt es 2022 das Dortmund-Team schon, jedenfalls die Zentralfiguren Faber und Bönisch (Jörg Hartmann und Anna Schudt). Im Laufe des Jahres kommt auch noch der Krimi „Liebe mich!“, in dem eine Leiche in einem Bestattungswald gefunden wird.

„Polizeiruf 110“ aus Rostock: Am 9. Januar hat Charly Hübner als Kommissar Alexander „Sascha“ Bukow nach 25 Filmen in fast zwölf Jahren seinen letzten Fall. Das ist ein Verlust für diesen Krimi und die gesamte Reihe, aber der Schauspielkönner Hübner wollte mit Bukow nur älter, doch nicht alt werden. Bela B Felsenheimer von den Ärzten spielt in „Keiner von uns“ einen verdächtigen Musiker. Hübners Nachfolgerin wird seine Frau Lina Beckmann. Ihre Ermittlerin heißt Melly Böwe. Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Gott sei Dank, bleibt dem NDR-Krimi erhalten.

Dreimal Münster im kommenden Jahr

Münster: Am 16. Januar kommt der 40. Fall des populärsten Teams Thiel/Boerne (Axel Prahl/Jan Josef Liefers). Das Duo ermittelt im 20. Jahr. In dem Film erleidet Kommissar Thiel einen Erinnerungsverlust. Und in einem Wald wird sein früherer Vorgesetzter bei der Hamburger Mordkommission ermordet aufgefunden. Laut WDR gibt es im Jubiläumsjahr drei Münster-„Tatorte“, nachdem es 2021 nur einen gab. Dieser Krimi ist ein Triumph der deutschen Provinz und belegt, dass Deutschland weniger in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München lebt, arbeitet und mordet, sondern in Mittelstädten wie Münster, Mannheim, im Schwarzwald oder in ländlichen Gebieten. Die Krimikomödien um Thiel und Boerne sind wahrlich nicht frei von Klichees und Klamauk, was seine Millionen Fans überhaupt nicht stört. Wenn der Kommissar und der Rechtsmediziner fahnden und fabulieren, dann fallen in deutschen Wohnzimmern Weihnachten und Ostern auf einen Sonntag.

Ende einer Dienstzeit: Noch einmal schlüpft Meret Becker 2022 in die Rolle von Kommissarin Nina Rubin im „Tatort“ des Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Ende einer Dienstzeit: Noch einmal schlüpft Meret Becker 2022 in die Rolle von Kommissarin Nina Rubin im „Tatort“ des Rundfunk Berlin-Brandenburg.
© rbb/Joachim Gern

„Polizeiruf“ deutsch-polnisches Kommissariat Swiecko: Lucas Gregorowicz alias Adam Raczek bekommt einen Neuen an seine Seite als Nachfolger von Maria Simon. Es ist Schauspieler André Kaczmarczyk. Noch vor dem ersten Arbeitstag ist dessen Figur – Kommissaranwärter Vincent Ross – in eine Mordermittlung verwickelt. Über seiner neuen Wohnung in Slubice wurde ein deutscher Student ermordet. Der Film „Hildes Erbe“ soll schon Anfang des Jahres kommen, ein zweiter Fall soll im Sommer für die zweite Jahreshälfte gedreht werden.

Köln: Ein Vierteljahrhundert sind Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) im kommenden Oktober nun schon dabei. Drei Fälle gibt es wieder 2022. Im ersten davon mit dem Titel „Vier Jahre“ rollen die beiden den Todesfall eines Schauspielers wieder auf.

Schwarzwald: Der SWR-Krimi mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner kommt zwei Mal: In „Saras Geständnis“ (geplante Ausstrahlung 13. Februar) wird eine Frau nach vier Jahren Haft erneut in einen Tötungsfall verwickelt. Im anderen Fall verschwinden ein Vater und sein fünfjähriger Sohn. Was ist passiert? Und was weiß die Mutter?

Hamburg: Das NDR-Team Falke und Grosz (Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz) hat es im Fall „Tyrannenmord“ mit dem verschwundenen 17-jährigen Diplomatensohn eines Landes zu tun, dessen Machthaber bald in Deutschland erwartet wird. Der Krimi „Schattenleben“ führt dagegen in die linksautonome Szene Hamburgs.

Frankfurt am Main: Zwei Fälle kommen 2022 – im einen wird am Stadtrand eine Frauenleiche im Wald entdeckt. Als Janneke und Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) an der Fundstelle eintreffen, ist die Leiche jedoch verschwunden. Im zweiten Krimi gibt es ein Wiedersehen mit dem früheren Leipziger „Tatort“-Star Martin Wuttke (der Ex-Mann von Schauspielerin Broich), der hier einen umstrittenen Psychoanalytiker mimt. In einer seiner Sitzungen gab es sechs Tote.

Wiesbaden: Ulrich Tukur hat 2022 wieder einen „Tatort“-Einsatz, es ist sein elfter seit 2010. Der wohl wieder besonders skurrile Film soll laut HR den Titel „Murot und das Kind“ tragen.

Dresden: Zwei sächsische „Tatort“-Krimis stehen zur Ausstrahlung an. Einmal müssen die Kommissarinnen Gorniak und Winkler (Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel) eine Bluttat aufklären, bei der vom Opfer jede Spur fehlt. Im anderen Fall wird eine Klatschreporterin entführt und später auch Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach).

Der Neue an der Seite von Lucas Gregorowicz im „Polizeiruf 110“ des RBB: André Kaczmarczyk wird die ausgeschiedene Maria Simon ersetzen.
Der Neue an der Seite von Lucas Gregorowicz im „Polizeiruf 110“ des RBB: André Kaczmarczyk wird die ausgeschiedene Maria Simon ersetzen.
© rbb/Jeanne Degraa

Berlin: Der letzte und 15. „Tatort“ mit Meret Becker als Nina Rubin kommt im Frühjahr. Sieben Jahre war sie dann dabei. „Es folgt eine Solo-Ermittlung von Robert Karow (Mark Waschke), die voraussichtlich Ende 2022 im Ersten zu sehen sein wird“, heißt es vom RBB. Die Dreharbeiten mit dem neuen Duo Waschke und Corinna Harfouch seien für den Sommer geplant, die Ausstrahlung dann für Frühjahr 2023.

Göttingen: Nachdem sich an Weihnachten 2021 ein One-Woman-Krimi mit Maria Furtwängler (und als Gast Udo Lindenberg) ins Programm schlich, kommt 2022 wieder ein Fall von Charlotte Lindholm (Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) als Duo. Darin geht es um die Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin.

33 Jahre „Tatort“: Ulrike Folkerts in Ludwigshafen

Ludwigshafen: Ulrike Folkerts ist 2022 schon 33 Jahre beim „Tatort“. Ihre Lena Odenthal hat es im Fall „Das Verhör“ mit einem mutmaßlichen Frauenhasser zu tun, im zweiten Krimi ermitteln Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) im Todesfall eines Neunjährigen, der in seiner Umgebung jede Menge Aggressionen auslöste.

[Alle Folgen des True-Crime-Podcasts Tatort Berlin des Tagesspiegels finden Sie hier]

München: Dreimal kommen Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) laut BR – und zwar zu Fasching („Kehraus“), im Sommer („Flash“), ein Fall mit dem dementen Ex-Therapeuten eines Mörders, und im Dezember. Der Weihnachtskrimi ist dann der 90. Fall der Münchner seit 1991 – mit einem Krimidinner beim Kollegen Kalli: „Ein Opfer, sechs Gäste und jeder oder jede könnte den Mord begangen haben.“ Batic und Leitmayr werden die 100 schon schaffen, oder?

Wien: Zwei Ösi-„Tatorte“ sind vorgesehen. Das ist mehr als nur erfreulich, wenn Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer wieder die Schmäh-Fahndung vorantreiben.

Bei zwei „Tatort“-Teams herrscht derweil noch Funkstille. So heißt es vom NDR, man suche nach Möglichkeiten, wie ein nächster „Tatort“ mit Til Schweiger aussehen könnte. „Noch haben wir hier jedoch nichts Konkretes in der Hand, aber auch keine Eile.“ Vom MDR heißt es, man habe „aus verschiedenen Gründen“ für 2022 keinen Weimar-„Tatort“ in der Herstellung. Wie es 2023 weitergehe, „dazu sind wir in Gesprächen“. Und auch zum „Polizeiruf“ aus Halle, der 2021 Premiere feierte, gebe es Gespräche. (mit dpa)

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