„Wir sind Papst“-Schöpfer keilt gegen Boulevardblatt : „Bild“ wollte Christian Drosten „zur Schlachtbank führen“

Georg Streiter – ein ehemaliges „Bild“-Urgestein – kritisiert die Berichterstattung über eine Drosten-Studie als „Totalversagen“. Der Schuldige ist für ihn klar.

Georg Streiter hat viele Jahre bei der "Bild" gearbeitet. Später war er stellvertretender Regierungssprecher.
Georg Streiter hat viele Jahre bei der "Bild" gearbeitet. Später war er stellvertretender Regierungssprecher.Foto: Sebastian Kahnert /dpa


Im Streit zwischen Charité-Virologen Christian Drosten und der „Bild“-Zeitung über eine Studie zu Viruslasten bei Kindern hat sich ein der Ex-Politikchef des Blattes und ehemalige stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter zu Wort gemeldet – und seinen früheren Arbeitgeber deutlich kritisiert.

Dabei geht es ihm nicht um eine Generalabrechnung mit dem Blatt an sich. Schließlich habe er fast die Hälfte seiner 34-jährigen Tätigkeit als Journalist bei „Bild“ und „Bild am Sonntag“ verbracht. Er war es auch, der 2005 auf die legendäre Schlagzeile „Wir sind Papst!“ kam.

Es schmerze ihn zu sehen, „wie der aktuelle Chefredakteur mit einer Handvoll gläubiger Jünger seit März 2018 die gute Arbeit der Mehrheit ihrer Kolleginnen und Kollegen ruiniert“, schreibt Streiter in einem Eintrag auf Facebook.

Dabei geht er vor allem mit dem für den Bericht zuständigen Redakteur hart ins Gericht. Dieser habe Drosten „zur Schlachtbank führen“ wollen, schreibt Streiter. 

„Niederträchtige Methoden“

Die Recherchemethoden für den Artikel, bei dem die „Bild“ Drosten nur knapp eine Stunde für eine Stellungnahme einräumte, nennt er „niederträchtig“. Vor allem aber sei die entstandene Schlagzeile „durch NICHTS belegt. Durch GAR NICHTS!“ wie Streiter deutlich kritisiert. „Was in der Schlagzeile steht, sollte auch im Text stehen. Da steht es aber nicht.“ Wenn der Redakteur „auch nur einen Hauch Ahnung hätte vom Boulevard-Journalismus“, dann wüsste er das.

Streiter wirft dem „Bild“-Kollegen „Totalversagen“ vor. Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, „wer die Verantwortung trägt“, schreibt Streiter weiter. Dann teilt er gegen den Chefredakteur Julian Reichelt aus: „Es ist wie bei Hundebesitzern: Das Problem befindet sich in der Regel am oberen Ende der Leine.“ (Tsp)

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