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73-jähriger Patient stirbt in Heinsberg : Dritter Coronavirus-Tote hatte schwere Vorerkrankungen

Die Todesursache sei eine Lungenproblematik gewesen. In Nordrhein-Westfalen hatte es auch die ersten beiden Todesfälle der neuen Krankheit gegeben. 

Eine Krankenschwester im Uniklinikum Essen nimmt Proben bei Coronavirus-Verdachtsfällen.
Eine Krankenschwester im Uniklinikum Essen nimmt Proben bei Coronavirus-Verdachtsfällen.Foto: INA FASSBENDER / AFP

In Deutschland gibt es den dritten Coronavirus-Toten. Am Mittwoch starb im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ist ein weiterer an Covid-19-Patient. Er sei im Heinsberger Krankenhaus gestorben, sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch. Zuvor hatte die „Rheinische Post“ berichtet.

In einer Mitteilung des Kreis Heinsberg heißt es, dass in der Nacht zum 11.03. ein 73-jähriger Patient aus Übach-Palenberg im Krankenhaus Heinsberg verstorben sei.

Die Todesursache bei dem Dialysepatienten mit schweren Vorerkrankungen sei eine Lungenproblematik gewesen. Die Infektion mit dem Coronavirus hätte seinen Gesundheitszustand zusätzlich beeinträchtigt. Wo der Patient sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, sei nicht bekannt.

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Am Montag waren erstmals in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Erreger Sars-CoV-2 gestorben. Das erste Todesopfer war eine 89-jährige Frau aus Essen, das zweite ein 78-jähriger Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg.

Nach Zahlen des zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag sind in Deutschland 1296 Menschen infiziert. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfahlen mit 484 Fällen, Bayern mit 314 Fällen, Baden-Wütemberg mit 237 Fällen. Berlin hat nach offizieller RKI-Zahlen 49 Infizierte, inzwischen sind aber laut örtlichen Behörden neue Fälle hinzugekommen, sodass die Zahl am Mittwochmittag auf 81 gestiegen ist.

Das RKI analysierte für ganz Deutschland rund 650 Fälle von Infizierten genauer. Demnach sind 54 Prozent männlich und 46 Prozent weiblich. Darunter seien auch 11 Kinder unter 5 Jahren und weitere 14 Kinder bis 14 Jahre. 547 Menschen seien dabei zwischen 15 und 59 Jahre alt und 76 Personen ab einem Alter von 60 Jahren.

Merkel ruft zur Solidarität in Corona-Krise auf

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief alle Bürger zur Solidarität in der Corona-Krise auf. Mit Blick auf besonders gefährdete ältere und chronisch kranke Menschen sagte sie: „Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen.“

Zudem forderte sie, dass sich sich Bund, Ländern und Kommunen besser abstimmen, etwa bei möglichen Absagen von Veranstaltungen. Merkel bekräftigte, es sei die zentrale Aufgabe, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Es ist eben nicht egal, was wir tun, es ist nicht vergeblich, es ist nicht umsonst.“

Es gehe um das Gewinnen von Zeit, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten. Wichtig sei, dass alle staatlichen Ebenen arbeiten könnten, beispielsweise auch die Polizei, und dass wichtige Infrastrukturen funktionierten. Es sei nicht das Schlimmste, wenn Fußballspiele nicht wie gewohnt stattfinden könnten.

Spahn kündigt weitere Alltags-Einschränkungen an

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stimmte die Bevölkerung auf weitere Alltags-Einschränkungen in den nächsten Wochen und Monaten ein. Spahn sagte, es sei gut, dass viele Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern nun abgesagt würden. Er verstehe etwa, dass vielen Fußballfans das Herz blute, wenn sie nicht ins Stadion könnten. Aber die Maßnahmen seien derzeit nötig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Auch wenn 80 Prozent der Infizierten milde bis keine Symptome aufwiesen und besonders für die Jüngeren das Risiko einer schweren Erkrankung nicht hoch sei, dürften diese nicht denken: „Was habe ich denn damit zu tun?“ Die Menschen müssten verstehen, dass alle auf ein Stück Alltag verzichten müssten, „um sich selbst zu schützen und andere zu schützen“. Dies müsse besonnen geschehen.

Dankbar zeigte sich Spahn, dass viele Unternehmen zu Arbeit aus dem Homeoffice übergehen. Zentral sei es nun, dass es eine Balance gebe zwischen Einschnitten und Verzicht einerseits sowie einem weitergehenden Alltag andererseits. (Tsp, dpa)

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