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Fynn Kliemann bei der Aufzeichnung der WDR-Talkshow "Kölner Treff".
© imago images/Future Image
Update

„Ich übernehme eine Verantwortung“: Fynn Kliemann reagiert auf Böhmermanns Masken-Vorwurf

Der Influencer Fynn Kliemann soll mit seiner Maskenproduktion die Öffentlichkeit getäuscht haben. Er sagt, er „habe den Prozess nicht mehr überblickt.“

Von Livia Sarai Lergenmüller

Der Influencer und Musiker Fynn Kliemann hat auf einen kritischen Beitrag des Satirikers Jan Böhmermann zu seinem Geschäft mit Corona-Schutzmasken reagiert. Böhmermanns am Freitag veröffentlichter Video-Beitrag der Show „ZDF Magazin Royale“ legte den Verdacht nahe, dass der Produktionsort von Masken - Asien statt Europa - bewusst nicht transparent gemacht worden sein könnte; Kliemann wurde dabei mit einer entsprechenden Firma in Beziehung gesetzt.

Kliemann veröffentlichte ein langes Statement, in dem er sein Handeln kritisch reflektierte. Er bat zugleich aber auch um einen differenzierten Blick. Manches stimme nicht.

Auf dpa-Anfrage hieß es: „Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte. Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung.“ Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht.

Wer Satiriker Böhmermann in Sozialen Netzwerken folgt oder ihm aufmerksam bei Podcasts zuhört, konnte die Spur sehen, die er schon länger gelegt hatte. Das sah erstmal vielleicht lustig aus, wie er den Influencer und Musiker Kliemann auf einem öden Parkplatz parodierte und vermeintliche Mitarbeiter gängelte.

Fynn Kliemann war 2015 mit Handwerker-Videos auf Youtube bekannt geworden. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zu einem erfolgreichen Youtuber mit Millionenpublikum und zahlreichen DIY-Geschäftsmodellen.

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Im April 2020, mit Beginn der Pandemie, hatte er bekannt gegeben, seine Textilproduktion, die bis dato Merch-Kleidung hergestellt hatte, auf Masken umzustellen. Dies geschah gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Tom Illbruck, Leiter des Textil-Herstellers „Global Tactics,“ der für die Produktion verantwortlich war. Eine Woche später waren die beiden nach eigenen Angaben bereits einer der erfolgreichste Maskenproduzenten Europas.

Dabei inszenierte Kliemann die Produktion als nicht profitorientiert, gab zudem an, die Masken würden „fair“ in Europa produziert.

„Faire Masken aus Europa“ sollen in Wahrheit aus Bangladesch und Vietnam kommen

Das ZDF Magazin hat nun nach eigenen Angaben über Wochen „interne Chats, Sprachnachrichten, E-Mails, Lieferscheine, Auftragsbestätigungen, Fotos, Videoaufnahmen und Anruflisten“ ausgewertet und berichtet, dass Fynn Kliemann über seinen geplanten Profit gelogen und zudem seine Kunden und die Öffentlichkeit getäuscht und wichtige Informationen verschwiegen habe.

In einem Instagram-Post hatte Kliemann 2020 angegeben, „fair produzierte, wiederverwendbare Mundbedeckungen aus Europa“ zu verkaufen, mit denen er ganz nebenbei „Arbeitsplätze bei unserem Produzenten in Europa“ retten würde. Kurz darauf verkauften sie ihr Produkt unter anderem über den Onlineshop About You. Für dieses Geschäftsmodell wurde er 2020 für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Tatsächlich sei ein großer Teil der Masken Recherchen zufolge jedoch in Bangladesch und Vietnam, unter nicht fairen Bedingungen produziert worden. Chatverläufe, die dem Team des ZDF Magazin Royale“ vorliegen, sollen belegen, dass Kliemann in die Entscheidungsprozesse eingebunden war und den Produktionsort, auch gegenüber seinem Abnehmer, bewusst verschleiert habe. 2,3 Millionen Masken haben Fynn Kliemann und sein Partner Tom Illbruck laut Böhmermann in Asien bestellt.

Nicht funktionsfähige Masken an griechische Geflüchtetenunterkünfte gespendet

Die erste Lieferung von 100.000 Masken, die aus Bangladesch kam, sei jedoch qualitativ minderwertig gewesen und hätte einen nicht ausreichenden Infektionsschutz aufgewiesen. Folglich habe die Produktion „Global Tactics“ die Kosten erlassen.

Nach Recherchen des ZDF Magazins sollen dies die Masken gewesen sein, die Kliemann im März öffentlichkeitswirksam an Geflüchtetencamps auf Lesbos gespendet hatte. Dass es sich dabei um minderwertige Masken handelte, sei bei der Übergabe unerwähnt geblieben.

Vorab hatte das Team des ZDF Magazins Kliemann um schriftliche Stellungnahme zu verschiedenen Aspekten ihrer Recherche gebeten. Dieser hatte sich daraufhin am Donnerstagabend in einem auf Instagram veröffentlichten Video dazu geäußert.

Firmengründer Tom Illbruck sagte der Deutschen Presse-Agentur zu dem Masken-Produktionsort-Vorwurf: Masken seien in dem betreffenden Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert worden, nicht nur in Europa. Wer zum Beispiel als Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, „dort haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen“.

Online-Händler About You nimmt Masken offline

Nachgefragt zu About You sagte Illbruck: „Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden.“

Die gesamte Recherche des ZDF Magazins lässt sich auf einer eigens dafür eingerichteten Website nachlesen, auch die erwähnten Chatverläufe.

Der ZDF-Beitrag führte bereits zu ersten Konsequenzen. Der Online-Händler About You, der zum Otto-Konzern gehört, teilte mit: „Das ZDF Magazin Royal Video hat uns erreicht und ist uns bekannt. Aktuell prüfen wir den Fall intern, um uns ein genaues Bild von dem Sachverhalt zu verschaffen.“

In einem ersten Schritt habe man Masken der Marke „Oderso“ offline genommen. Kliemann ist laut Impressum des Shops Geschäftsführer. Zudem teilte die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis mit, dass sie eine Auszeichnung aberkenne, die Kliemann 2020 erhalten habe.

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