
© dpa/Tobias Hase
„Sie fallen nicht tot um, wenn Sie vor die Tür treten“: Meteorologen-Streit über das Ausmaß von Sturmtief „Elli“
Wie gefährlich wird der aktuelle Wintereinbruch in Deutschland? Die Experten zeigen sich uneins. Kachelmann kritisiert Kollegen und Medien für Dramatisierung. Es sei eine „beherrschbare Wetterlage“.
Stand:
Warnungen vor Schneeverwehungen, Eisregen und Sturmböen führen unter anderem zu Schulschließungen, abgesagten Veranstaltungen sowie Zugstreichungen und -ausfällen bei der Deutschen Bahn. Die Mahnungen vor dem Sturmtief „Elli“ waren drastisch. Meteorologe Karsten Brandt vom Portal „Donnerwetter.de“ warnte bereits am Dienstag eindringlich: „Planen Sie um, bleiben Sie zu Hause! Auf den Straßen besteht am Freitag Lebensgefahr.“
Sein Kollege Jörg Kachemann nahm am Donnerstagabend in der „Bild“ darauf Bezug. „Kein Modell rechnet mit 40 Zentimetern Neuschnee am Freitag. Das Ereignis hat nichts mit dem zu tun, was zum Jahreswechsel ‘78/79 zu sehen war, woraus auch keine unmittelbare Lebensgefahr resultiert.“ Und weiter: „All die täglichen Lügengeschichten und Weltuntergangsmärchen führen unweigerlich dazu, dass es niemand mehr dann ernst nimmt, wenn was wirklich Schlimmes kommt.“
Brandt drückte dem Bericht zufolge sein Unverständnis aus: „Die aktuelle Gefahr ist genau jetzt da. Diese Wetterlage ist sehr komplex und gefährlich. Also, wieso nicht warnen? Da verstehe ich manchen Meteorologen nicht.“
Es ist ein winterlicher Sturm und – wenn man das große Ganze betrachtet – nichts sonderlich Außergewöhnliches.
David Menzel, DWD-Meteorologe
Er erhielt Unterstützung von Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Portal „wetter.net“: „Wenn vor Unwetter gewarnt wird, kann es auch immer zu lebensgefährlichen Bedingungen kommen.“ Die Warnung sei wichtig, so Jung. Lebensgefährliche Verhältnisse seien „auch nicht übertrieben“.
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte eine amtliche Unwetterwarnung ausgegeben. DWD-Meteorologe David Menzel sagte der Agentur dpa zufolge aber am Freitagmorgen über die Auswirkungen des Sturmtiefs in Norddeutschland: „Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall. Es ist ein winterlicher Sturm und – wenn man das große Ganze betrachtet – nichts sonderlich Außergewöhnliches.“
Kachelmann legte dann am Freitagmorgen im Portal X nach. Dort postete er: „Es ist eine beherrschbare Wetterlage, wenn Sie informiert sind. Und Sie fallen nicht tot um, wenn Sie vor die Tür treten.“
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In einem weiteren Post kritisierte er auch die Berichterstattung. Es rolle kein Schneesturm auf Deutschland zu, schrieb der Meteorologe.
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Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte die Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag zu großer Vorsicht aufgerufen. Schnieder bat darum, bei den zu erwartenden „enormen Schneemengen“ und drohendem Glatteis „auf alles zu verzichten, was nicht unbedingt nötig ist“. Grund zur Panik gebe es allerdings auch nicht.
„Sicherheit geht immer vor und nicht alles ist vorhersehbar, gerade nicht im Bereich des Wetters“, sagte er dem Sender Welt TV. „Man sollte es auf der anderen Seite nicht übertreiben, aber ich glaube, die Anzeichen sind schon so, dass es in Bereichen wirklich sehr gefährlich sein kann.“ Das sollte man wissen und es deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen.
„Aber man sollte eben auch nicht übertrieben reagieren. Hier kommt was auf uns zu, wir tun unser Bestes. Alle die, die nicht unbedingt unterwegs sein müssen, sollten zu Hause bleiben.“
Entwarnung gab der DWD am Morgen für Berlin und Brandenburg: Der angekündigte Schneefall bleibt demnach in weiten Teilen Brandenburgs und Berlins aus. Es werde in der Nordhälfte Brandenburgs und in Berlin deutlich weniger Schnee herunterkommen als vorhergesagt, sagte ein DWD-Sprecher der dpa zufolge.
Die Unwetterwarnung vor starken Schneeverwehungen sei für Berlin und Brandenburg aufgehoben. Nur für den Landkreis Prignitz im äußersten Nordwesten bestehe die Warnung noch. „Wir sehen keine Gefahr von Leib und Leben“, betonte der Sprecher.
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