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Die Krankheit Affenpocken kann auch bei Menschen auftreten.
© Torben Weber/Zoo Basel/dpa
Update

Affenpocken breiten sich in Großbritannien aus: Wie gefährlich ist die seltene Virus-Krankheit?

In England sind im Mai bisher sieben Fälle von Affenpocken registriert worden. Das RKI ruft Ärzt:innen in Deutschland zur besonderen Achtsamkeit auf.

Fünf Männer und zwei andere Personen, die beide im selben Haushalt leben, haben sich mit der Infektionskrankheit Affenpocken angesteckt. Verbindungen zwischen Betroffenen sind nur teilweise bekannt. Teils sei unklar, wo sich Betroffene angesteckt haben. Die bekannten Orte der Infektionen sind London und der Nordosten von England, wie die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) mitteilte.

Die Behörde erläuterte, dass es sich in allen vier neueren Fällen um Männer handle, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten. Reisen in Länder, wo die Krankheit endemisch sei, habe es in diesen Fällen keine gegeben.

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Das RKI sensibilisiert Ärzte

Nach den Fällen von Affenpocken bei Menschen sensibilisiert das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland Ärzte für die Virusinfektion. In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, dass bei einem verdächtigen klinischen Bild insbesondere bei Reiserückkehrenden aus (West-) Afrika eine Affenpockeninfektion in Betracht gezogen werden sollte.

Doch angesichts der Fälle im Vereinigten Königreich sollten Affenpocken auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen „unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen“.

Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Wie das RKI erläutert, haben weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile allerdings keinen Impfschutz mehr. In Nigeria würden nun seit 2017 vermehrt Affenpockeninfektionen beim Menschen diagnostiziert - und Fälle in Verbindung mit Reisen dorthin vor allem im Vereinigten Königreich.

Affenpocken: Eine seltene Krankheit, die sich nur schwer verbreite

Der britischen Behörde nach sind Affenpocken eine seltene Virusinfektion, die sich nicht so einfach zwischen Menschen verbreite, sondern vor allem beim engen körperlichen Kontakt. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung schätzt die Behörde als gering ein.

Fachleute vermuten, dass der Erreger der Affenpocken in Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. „Infektionen können durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden“, heißt es im RKI-Bericht. Das RKI stuft die Affenpocken als seltene Viruserkrankung ein, die vermutlich durch engen Kontakt oder Fleischkonsum von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird. Übertragungen von Mensch zu Mensch durch Kontakte mit Körperflüssigkeiten oder Krusten seien mit Infektionsketten von bis zu sechs Menschen beschrieben. „Auch die sexuelle Übertragung von Pockenviren ist möglich“, hieß es.

Meist milde Verläufe

Zwar seien schwere Verläufe nicht ausgeschlossen, meist sei die Krankheit aber als mild einzustufen. Patienten seien nach ein paar Wochen wieder gesund. Dem Robert Koch-Institut zufolge wurden tödliche Verläufe nur bei Kindern unter acht Jahren beobachtet. Sie traten zuletzt bei zwei Prozent der infizierten Kinder und innerhalb von drei Wochen ein.

[Lesen Sie auch:Vor 200 Jahren wurde die moderne Pockenimpfung erfunden (T+)]

In einem Fachartikel von 2019 hielten drei RKI-Mitarbeiter fest, dass die Affenpocken außerhalb von Afrika bei Menschen lediglich in drei Ländern identifiziert worden seien: im Jahr 2003 in den USA und im Jahr 2018 im Vereinigten Königreich und Israel. Die meisten Menschen - mehr als 30 Fälle wurden erfasst - steckten sich demnach in mehreren US-Bundesstaaten an. In die USA sei das Virus mit dem Transport 800 kleiner Säugetiere aus Ghana eingeschleppt worden.

Die Betroffenen sollen sich nicht direkt bei diesen Tieren angesteckt haben, sondern durch Kontakt zu Präriehunden, die vor ihrem Weiterverkauf in der Nähe der ghanaischen Tiere gehalten worden waren.

Bei den jüngst vermeldeten, vier infizierten Männern sei die westafrikanische Variante des Virus festgestellt worden, sie verlaufe milder als die zentralafrikanische. Keiner der Männer sei in ein Land gereist, wo die Krankheit gehäuft auftrete.

Die Symptome von Affenpocken

Wie der Name schon sagt, sind die Affenpocken eine auch bei Primaten bekannte Infektionskrankheit. Die Krankheit käme für gewöhnlich nur in West- und Zentralafrika vor und die Symptome seien mit Menschenpocken vergleichbar (Fieber, Ausschlag im Rachen, geschwollene Lymphknoten, Pocken-ähnlicher Hautausschlag). In Deutschland ist derzeit keine Impfung gegen Affenpocken zugelassen.

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Aufforderung an homo- und bisexuelle Männer

In der Mitteilung der britischen Infektionsbehörde heißt es, man arbeite eng mit dem Gesundheitsdienst NHS und internationalen Partnern zusammen, um mögliche weitere Fälle zu identifizieren. Insbesondere homo- und bisexuelle Männer wurden durch die britische Behörde aufgefordert, auf ungewöhnliche Ausschläge oder Verletzungen an ihrem Körper, insbesondere im Genitalbereich zu achten. Wer eine dieser Auffälligkeiten bei sich feststellt, solle sofort einen sexuellen Gesundheitsdienst kontaktieren.

Anfang Mai 2022 war der erste neue Fall der Affenpocken festgestellt worden. Damals hieß es, die erkrankte Person habe sich wohl in Nigeria angesteckt und sei dann nach Großbritannien gereist. (mit dpa)

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