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Feste Beziehung. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida gibt Donald Trump seiner Frau Melania ein Küsschen.

© Brendan Smialowski/AFP

Tagesspiegel Plus

Wenn Partnersuche politisch wird: Make America date again

In den USA ist es für die meisten Wähler der Demokraten unvorstellbar, sich in Trump-Anhänger zu verlieben. Diese bleiben auch lieber unter sich – mit Apps wie „Donald Daters“.

Liebe überwindet alles, lautet ein Spruch, der vermutlich nie gestimmt hat, heute aber noch viel weniger. Gerade in den USA, gerade jetzt. „Könnten Sie sich eine Beziehung mit einem Trump-Wähler vorstellen?“, wollte das anerkannte Pew Research Center in einer Umfrage wissen. Wer für die Demokraten stimmt oder dazu tendiert, antwortete zu 71 Prozent: „wahrscheinlich nicht“ oder „definitiv nicht“. Andersherum konnten sich Republikaner und ihre Befürworter eher vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der bei der letzten Wahl für Hillary Clinton gestimmt hat. 51 Prozent gaben an, dass das für sie „wahrscheinlich“ oder „definitiv“ eine Option sei, vier Prozent waren demnach sogar mal in einer Beziehung mit Clinton-Wählern. Andersherum waren nur 28 Prozent der Demokraten dafür offen.

Für Kriegsveteranen ist die App kostenfrei

Die Studie wurde im Frühling veröffentlicht – vermutlich ist die gegenseitige Ablehnung nicht weniger geworden in diesem erhitzten Wahlkampf, der einem riesigen gesellschaftlichen Ehekrach gleicht. Wenn die Welt da draußen zerrissen ist, soll sie es bitte nicht auch zu Hause sein. „Das Private ist politisch“, noch so ein Spruch, diesmal aus der Sponti-Ecke und von immer größerer Gültigkeit. Gerade in den USA, gerade jetzt.

Die App „DonaldDaters“ warnt ihre User, viele Linke würden „jedes Date abbrechen, wenn ihr Gegenüber ein Unterstützer unseres Präsidenten ist“.

© Donald Daters

Da es vor allem für Demokraten unvorstellbar ist, Trump-Wählern näher zu kommen, müssen Letztere sich offenbar irgendwie behelfen: Tatsächlich gibt es einige zielgruppenorientierte Angebote, etwa „Republican Singles“, eine Dating-App, bei der man das eigene Jahreseinkommen im Profil angeben kann – zum Glück für Donald Trump wird aber nicht nach der gezahlten Einkommenssteuer gefragt. Die App „Righter Dating“ will ausdrücklich Männer und Frauen zusammenbringen, die keine Zweifel an traditionellen Geschlechterrollen haben; die „Luxe-Version“ mit unendlich vielen Matches ist für Kriegsveteranen übrigens kostenfrei. Nach rechts wischen bekommt hier eine ganz andere Bedeutung.

Und dann ist da noch die schick designte App „DonaldDaters“, die mit dem Slogan „Make America Date Again“ wirbt und ihre User warnt: Viele Linke würden „jedes Date abbrechen, wenn ihr Gegenüber ein Unterstützer unseres Präsidenten ist“. Die Platzhirsche auf dem Dating-App-Markt wissen das längst, bei OkCupid etwa kann man seine politische Haltung detailliert angeben und Andersdenkende per Einstellungen gleich vom Radar nehmen. Und ein Sprecher der App Bumble gab gegenüber der „New York Times“ an, dass 40 Prozent der Nutzer ein neues Feature anwenden, mit denen sie potenziellen Dates ihr Wahlverhalten offenlegen.

„MerkelMatchmaker“ und „OLoveScholz“? Sowas fänden nicht mal Junge Union und Jusos gut

Auch in Deutschland können Dating-App-Nutzer politische Einstellungen in ihr Profil einfließen lassen. Die Vorstellung, dass sich Anhänger einer Kanzlerkandidatin oder eines Kandidaten über eigene Plattformen kennen lernen, ist hier aber einfach nur skurril. „MerkelMatchmaker“ und „OLoveScholz“, das würden nicht mal Junge Union und Jusos gut finden. Und selbst für AfD-Wähler, die bei vielen so abblitzen dürften wie Trump-Wähler bei Demokraten, ist ein eigenes Datingportal nur schwer vorstellbar. So ist Deutschland nicht – das Politische ist vielleicht privat, aber selten intim.

Im wöchentlichen „Politischen Fragebogen“ der „Zeit“ wird immer auch gefragt: „Könnten Sie jemanden küssen, der aus Ihrer Sicht falsch wählt?“ Zumindest in den jüngst erschienenen Bögen wurde meist recht diplomatisch geantwortet. „Kommt drauf an, wie falsch“, sagte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Die libanesische Regisseurin Nadine Labaki schlug ein wenig aus der Reihe: „Ja, es ist der beste Weg, seine Weltsicht zu ändern.“ Und eine Streitgarantie? Vielleicht. Oder eine Übung in Demokratie.

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