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„Absolut fassungslos“ : Taz-Veranstaltung als transfeindlich kritisiert

In einer Ankündigung für die „Queer Lecture“ im Taz-Gebäude ist von Transgeschlechtlichkeit als einem „Irrweg“ die Rede. Auch Klaus Lederer kritisiert den Text.

Eine Regenbogenfahne.
Eine Regenbogenfahne.Foto: picture alliance / dpa/Nicolas Armer

„Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé?“. Das ist der Titel der „Queer Lecture“ mit der Aktivistin Gunda Schumann, die am 17. März im Gebäude der Taz stattfinden soll. Im einem Ankündigungstext, der am Montag veröffentlich wurde, war die Rede von Transgeschlechtlichkeit als „vom biologischen Körper abstrahierender Irrweg“.

Die „Konsequenzen“ davon seien „Rückfall in Geschlechterstereotype, Negation des homosexuellen Begehrens, Sterilisierung und Verstümmelung der Körper junger Mädchen, Auslöschung der Kategorie 'Frau'(...)“.

Aktivisten und Aktivistinnen reagierten auf Twitter mit Empörung auf die Veranstaltung. „Mir fehlen die Worte - ich bin absolut fassungslos darüber, dass so eine Art Veranstaltung im Haus der @tazgezwitscher stattfinden wird“, schrieb der trans Mann Linus Giese auf Twitter.

Der Aktivist und Drag King Ruco LaPesto schrieb auf Twitter: „Das ist plumpe Transfeindlichkeit, sehr schlecht als Feminismus verkleidet.“ Es sei „eine Schande“, dass eine solche Veranstaltung in der Taz stattfinden kann.

In der Kritik steht auch der Taz-Redakteur Jan Feddersen, der die Veranstaltung moderiert. Die „Queer Lecture“ ist eine Veranstaltung der Initiative Queer Nations, die sich unter anderem für das neue queere Kulturhaus einsetzt. Jan Feddersen sitzt im Vorstand der Initiative Queer Nations und ist Initiator des queeren Kulturhauses, das vom Berliner Senat unterstützt wird.

Lederer kritisiert den Einladungstext

Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) bezeichnete den Einladungstext in einem Statement an den Tagesspiegel als „schwer irritierend und denunziatorisch“. Die Initiative Queer Nations müsse sich mit der Kritik aus der Community ernsthaft auseinandersetzen.

„Diffamierungen und Herabsetzungen, unter denen LSBTIQ* – und insbesondere trans*Menschen – schon genug zu leiden haben, sind inakzeptabel. Sie machen einen respektvollen und produktiven, aber dringend nötigen Umgang mit Differenzen, unmöglich“, so Lederer weiter. Die Initiative Queer Nations würde von der Verwaltung aber nicht gefördert und er nehme den Verein des queeren Kulturhauses nicht in Haftung für die Aktivitäten der Initiative.

Die Taz hat inzwischen reagiert

Er habe das queere Kulturhaus E2H immer als ein Projekt wahrgenommen, das „innerhalb der queeren Communities verbinden und nicht spalten will“, so Lederer.

Die Taz hat inzwischen den Ankündigungstext von der Webseite genommen und „insbesondere trans* und nicht-binäre Personen“ um Entschuldigung für die Wortwahl gebeten. Es werde derzeit diskutiert, ob die Veranstaltung stattfindet oder nicht.

Jan Feddersen: „Ich bedaure das stark“

Inzwischen hat auch Jan Feddersen sich geäußert. Er betonte gegenüber dem Tagesspiegel, dass es sich nicht um eine Veranstaltung der Taz-Redaktion handelt. Den Text habe eine Autorin aus dem Kreis von Queer Nations geschrieben. Er bezeichnete den Text als „unglücklich formuliert“ . „Ich bedaure das stark“, sagte Feddersen.

Dennoch müsse man über verschiedene Positionen innerhalb der queeren Community sprechen können. „Es muss möglich sein, dass eine Stimme wie die der Juristin Gunda Schumann auch ein öffentliches Forum kriegen kann“, sagte Feddersen. Schumann sei schließlich kein Nazi, denen die Initiative niemals eine Plattform geben würde.

Positionen der sogenannten TERFs

Die Initiative Queer Nations habe schon immer eine Fülle von unterschiedlichen Positionen innerhalb der Community vertreten. „Den Streit muss man führen“, sagte Feddersen. Er bezieht sich auf eine Debatte, bei der insbesondere lesbische und feministische Frauen sich auf den biologischen Körper als alleinige Grundlage für die Geschlechtsidentität beziehen.

Die sogenannten TERFs (Trans-Exclusionary Radical Feminism) sprechen so Transfrauen ab, „echte“ Frauen zu sein und sich in geschützten Räumen für Frauen aufzuhalten.

Statement des queeren Kulturhauses

Auch das queere Kulturhaus hat ein Statement abgegeben. „Wir bedauern die entstandenen Irritationen von Herzen“, heißt es dort. Es sei nicht die Absicht gewesen, „Transmenschen zu verletzten oder herabzuwürdigen“.
Die Initiative Queer Nations (IQN) halte aber weiterhin an der Veranstaltung fest. Titel und Ankündigungstext sollen überarbeitet werden.

„Wir wollen in unseren Lectures Fragen quer zum ideologischen und zum politischen Mainstream aufwerfen“, erklärte die IQN-Vorständin Christiane Härdel. Sowohl die IQN als auch das queere Kulturhaus wolle „weiterhin kontroversen Thesen und Meinungen Raum bieten.“

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