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Swing on Snow. Das Festival auf der Seiser Alm, in diesem Jahr vom 22. bis 27. Januar, wird nicht nur an den Pisten gefeiert, sondern auch in Hütten und Hotels.
© Ulrike Wiebrecht

Alpenrock auf den Gipfeln: Saxofon in Weiß

Immer mehr Skigebiete setzen auf anspruchsvolle Musikevents. Jazz vom Feinsten wird geboten und hochkarätige Klassik.

Mit Skistiefeln tanzen? Es gibt gewiss eleganteres Schuhwerk als die kiloschweren klobigen Treter. Aber wenn auf der Seiser Alm die „Jazzbanditen“ spielen, kann keiner ruhig stehen bleiben. Viele schnallen dann die Bretter ab und schwingen von einem Bein aufs andere. Der schräge Mix von Volks-, Pop-, Jazz- und Filmmusik fährt in die Glieder und heizt Wintersportlern ein. Spätestens am kommenden Dienstag, 22. Januar, wird es wieder so weit sein. Dann ist das urige Grazer Ensemble zu Gast auf dem Hochplateau am Schlern.

Bis zum 27. Januar heißt das Motto dieses Festivals: Swing on Snow. Als Bühnen dienen Skipisten, zünftige Hütten oder auch feine Hotels rund um die Seiser Alm. Bereits zum achten Mal finden die meist kostenlosen Konzerte der italienischen, deutschen, österreichischen oder Schweizer Bands vor der Kulisse von Platt- und Langkofel statt. Die Mischung aus Jazz, Klezmer, Soul und alpenländischer Folklore hat sich bewährt, so dass inzwischen viele Wintersportler eigens zu dem Termin nach Südtirol reisen (swingonsnow.com).

Doch nicht allein in den italienischen Alpen werden Musikliebende glücklich. Auch anderswo hat sich herumgesprochen, dass Pistenbeschallung mit einfallsloser Seppl-Musik und Schlagern wie „Jagertee im Pulverschnee“ nicht jedermanns Sache ist. Immer mehr Wintersportgebiete warten mit oft anspruchsvollen Alternativen auf. Ob Swing, Jazz, Klassik, Rock oder Blues – von Frankreich über die Schweiz bis Österreich werden Festivals oder hochkarätige Musikevents organisiert. Hier eine Auswahl der musikalischen Höhepunkte:

Schweiz

Den musikalischen Auftakt in der Schweiz macht vom 18. bis 20. Januar das „Out of the Blues Festival“ in Samedan – St. Moritz. Bereits zum achten Mal verwandelt sich der Nobelort im Oberengadin in das „New Orleans der Alpen“. Schauplätze sind die Engadiner Lehrwerkstatt für Schreiner, die Zimmerei Freund und die evangelische Dorfkirche Samedan. Traditionell wird hier zum Abschluss ein ökumenischer Blues-Gottesdienst gefeiert. Zuvor kürt eine Jury am Sonnabend die Gewinnerband (samedanblues.ch).

Klänge ganz anderer Art darf man von den „Sommets musicaux“ in Gstaad im Berner Oberland erwarten. In seiner kommenden Ausgabe vom 1. bis 9. Februar widmet sich das Festival klassischer Musik der Geige. Unter dem Motto „Roi Violoncelle“ spielen Solisten wie Benedict Klöckner, Kian Soltani oder Sandra Lied Haga in der Kapelle von Gstaad sowie in den schönen Kirchen von Saanen und Rougemont, wobei sie häufig zum Teil auch von der Camerata Europeana oder dem Philharmonischen Orchester Polens begleitet werden (sommets-music aux.info).

Vom 15. März bis 1. April holt dann das „Snow & Symphony Graubünden Festival“ von St. Moritz namhafte Orchester und Solisten in die grandiose Gebirgslandschaft und die eleganten Säle der Grandhotels. Zur Eröffnung wird ein Grand Recital des Gewandhaus-Quartetts mit Werken von Haydn, Mozart und Beethoven in Chur geboten, nach dem „Mountain Top Gala Mondschein“-Konzert am 28. März in Corvatsch, wo das Tangata-Quintett Werke von Astor Piazolla spielt, bestreiten die Flötisten James und Jeanne Galway sowie der Pianist Philipp Moll das Abschlusskonzert im legendären Hotel Palace von St. Moritz (graubuendenfestival.ch).

Im Übrigen gesellt sich zum Festival- und Konzertreigen neuerdings der „Mountain Jam“ in Engelberg, dem größten Skigebiet der Zentralschweiz. Dort steht Sonnabend, der 16. März, ganz im Zeichen von Musik, Rock und Pop. Nachmittags legt DJ Remedy im Titlis-Skigebiet auf. Am Abend geht es im Kursaal weiter mit der Berliner Band The Boss Hoss. Nationale Bands und DJs runden das Programm mit After Stage Partys in den Bars des Ortes ab (titlis.ch).

Wenn bereits die Frühlingssonne scheint, kommen Freunde von Jazz und klassischer Musik beim „Arosa Musik Festival“ vom 28. März bis 7. April auf ihre Kosten. Nachmittags gibt es etwa Kammermusik des casalQuartetts im Waldhotel oder Chorkonzerte in der evangelischen Dorfkirche, abends laufen unter anderem The Laidbacks aus Basel im Tschuggen Grand Hotel zur Nachtmusik unter dem Motto „Jazz vom Feinsten“ ein. Außerdem werden Ländlerformationen aus der Region in der Brüggerstube für Stimmung sorgen. Höhepunkt ist das Jazzkonzert einer Bündner Band unterm Sternenhimmel auf dem 2600 Meter hohen Weißhorngipfel (arosakultur.ch).

Traditionell ist längst das „SnowpenAir“ auf der Kleinen Scheidegg in Grindelwald, das zugleich eines der höchstgelegenen Musikevents der Schweiz ist. Auf 2061 Metern Höhe wird dort wieder vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau am 6. April die schwedische Popgruppe Roxette rocken. Neben dieser prominenten Formation werden zum SnowpenAir die amerikanische Pop- Rock-Band OneRepublic, der Mundartrocker Hanery Amman und der in Interlaken aufgewachsene Rapper MC Juli erwartet (snowpenair.ch).

Zum Ende der Saison heißt es vom 9. bis 13. April wieder „Zermatt Unplugged“, wenn internationale Popgrößen in das Schweizer Dorf am Fuß des Matterhorn einziehen. Neben Umberto Tozzi und den Fantanstischen Vier wird am 11. April Bryan Ferry in der Zeltbühne erwartet (zermatt-unplugged.ch).

Österreich

Pünktlich zu Beginn der Sonnenskilauf-Saison lockt Österreich mit einem Ereignis der Superlative: Am 1. März gibt im Skigebiet von Obertauern Herbert Grönemeyer mit Band ein Winterkonzert. Dabei werden neben Songs aus dem aktuellen Album „Schiffsverkehr“ garantiert auch seine größten Hits aus den vergangenen 30 Jahren nicht fehlen. Wer hinwill, sollte sich beeilen. Der Vorverkauf für die 69 Euro teuren Tickets hat bereits begonnen (obertauern.com).

Wie gut sich Schnee und Jazz vertragen, zeigt indessen das Gasteinertal, wo vom 15. bis 24. März bereits zum 12. Mal das „Festival Snow Jazz Gastein“ stattfindet. Dieses Mal gibt Bella Italia das Motto vor – mit Gästen wie Gianluigi Trovesi & Gianni Coscia, einer Performance von Musica Nuda, dem Piano-Star Danilo Rea und dem Trompeter Flavio Boltro. Außerdem werden der Altsaxofonist Rosario Giulinai, der Drummer Roberto Gatto mit ihren Quartetts, der Pianist Antonio Farao und die Municipale Balcanica auf Skihütten, in Hotels und im Jazzclub im Sägewerk erwartet. Dazu passend werden „Snow Jazz Weekend“-Pauschalen angeboten (jazz-im-saegewerk.org).

Den Saisonabschluss bildet dann wieder das „Top of the Mountain Concert“ in Ischgl am 30. April. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Tina Turner, Elton John und Alicia Keys die Arena auf 2300 Metern Höhe zum Beben brachten, darf man auf auf den diesjährigen Überraschungsgast gespannt sein (ischgl.com).

Frankreich

In den französischen Alpen startet Val d’Isère am 22. Januar mit einer ersten Ausgabe seines „Klassik-Festivals Classicaval“. Ein Wochenende lang werden internationale Musikgrößen die Barockkirche St. Bernard de Menthon unter anderem mit Musik von Beethoven und Schumann bespielen. Wer sie verpasst, kommt zur zweiten Ausgabe vom 19. bis zum 21. März (festival-classicaval.com).

Ansonsten wollen die französischen Musikevents offensichtlich den Geschmack eines vorwiegend jungen Publikums bedienen. So in La Plagne, wo vom 28. Januar bis 1. Februar zum zweiten Mal ein internationales DJ-Treffen stattfindet. Vom Feriendorf La Lauzière in Plagne- Montalbert organisiert, werden zum größten winterlichen DJ-Event auf 1500 Meter Höhe namhafte Musiker wie Samantha Mayer, Mathieu Bouthier, Greg Cerrone, Tristan Garner, Maeva Varter oder Joe Mendes erwartet. Zur Lunchzeit legen sie direkt an den Pisten auf, abends in den einschlägigen Bars von Montalbert. Den Abschluss bildet ein Mega-Dancefloor am 1. Februar (la-plagne.com).

In Tigne wird indessen im Februar – der genaue Termin steht noch nicht fest – die „Party im Stillen“ gefeiert. Unter dem Motto „Silence on danse Tour“ können sich Clubber per Kopfhörer beschallen lassen und dazu im eigenen Rhythmus tanzen (tignes.net).

„Rock the Pistes“ heißt es schließlich im März im Skigebiet Portes du Soleil, wo sich inzwischen die „Concerts Sauvages“, die wilden Konzerte, etablieren. Rund um die idyllischen Bergdörfer Chatel, Les Gets und Morgins finden vom 20. bis 24. März zwanzig Konzerte an zwölf verschiedenen Orten statt. Die improvisierten Bühnen liegen inmitten der weiten Natur Savoyens südlich von Genf. Das Festival will die Besten der französischen und internationalen Pop-RockSzene in den Schnee holen. Als Eintrittskarte genügt der Skipass. Wobei die Festivalbesucher erst kurz vor Beginn des Konzerts per SMS informiert werden, damit sie dann spontan mit ihren Skiern zur kurzfristig aufgebauten Bühne gleiten können (portesdusoleil.com).

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