Schliemann-Museum in Ankershagen : Ein Pferd auf der Flur: Ausflug in Homers Mythenwelt

Troja liegt in Ankershagen nahe der Müritz. So kommt es jedenfalls Wanderern vor, wenn sie Heinrich Schliemanns Heimat entdecken.

Im beschaulichen Ankershagen erinnert ein Nachbau des mythischen Pferdes an den berühmtesten Sohn des Dorfes.
Im beschaulichen Ankershagen erinnert ein Nachbau des mythischen Pferdes an den berühmtesten Sohn des Dorfes.Foto: Bernt Hoffmann

Was ihren Schmuck angeht, ist Sybille Galka ein wenig speziell. Die Ringe an der linken Hand zum Beispiel, ganz ähnliche flochten sich einst Trojas Frauen in die Haare. Also bat sie einen Goldschmied, ihr auch solche zu machen. Und während man noch auf die spiralförmigen Ornamente starrt, zieht sie einen Anhänger aus dem Ausschnitt: „Die Maske des Agamemnon, Sie wissen doch, der König von Mykene.“ Sybille Galka trägt nur Schmuck nach altgriechischen Vorlagen.

Das klingt nach einem echten Spleen.

Vielleicht ist ihre Leidenschaft aber auch vollkommen normal, wenn man wie sie vor 66 Jahren in Ankershagen geboren wurde und heute jeden Tag an einem Trojanischen Pferd vorbeikommt – fünf Meter hoch, aus Holz gezimmert.

Der kleine Heinrich glaubte an die Troja-Geschichte

Im antiken Vorbild schmuggelten sich vor 3300 Jahren griechische Krieger in die Stadt der Trojaner. Eine sagenhafte List, um die Entführung der schönen Helena zu rächen. Immer noch graben die Archäologen im türkischen Hissarlik nahe der Dardanellen nach Zeugnissen des mythischen Epos. In diesem Sommer eröffnen sie dort mit großem Tamtam ein neues Museum. Doch Hissarlik ist weit, Ankershagen liegt am Rand des Müritz-Nationalparks nur 120 Kilometer nördlich von Berlin, und dieses Holzpferd steht gleich neben dem alten Pfarrhaus.

Hier wuchs er vor beinahe 200 Jahren auf: Heinrich Schliemann, Pfarrerssohn, später reicher Kaufmann und Selfmade-Archäologe. In diesem roten Backsteinbau mit dem freigelegten Fachwerk hat der kleine Heinrich zum ersten Mal von Achill gehört, von Paris und Hektor und wie die Helden alle hießen. Und während die meisten das für eine Erfindung Homers hielten, war er überzeugt, da ist etwas dran, die Geschichte würde ihn zu den Schätzen Trojas und Mykenes führen .

„Das ist ein Erbe, das müssen wir pflegen“, sagt Sybille Galka. Mag sein, doch Schliemann, 1822 geboren, war acht, als er das mecklenburgische Dorf verließ und beinahe 50, als er Troja entdeckte.

Das Diadem ist nur eine Kopie

Frau Galka führt ins Pfarrhaus, wo sie selbst einst auf den Konfirmandenunterricht vorbereitet wurde. Die Schulbänke sind längst verschwunden, das Gebäude ist seit 1980 Museum. In der Raummitte steht eine gläserne Vitrine, darin schimmert ein Diadem. Der Schatz des Priamos, König von Troja!

Ein legendäres Stück. Bis zum Zweiten Weltkrieg lag das Geschmeide und mit ihm der gesamte Schatz im alten Berliner Völkerkundemuseum. Um die Kostbarkeiten vor den Bomben zu schützen, brachte man sie in den Zoobunker. Dort verlor sich 1945 ihre Spur. Bis der Schatz in Moskau auftauchte, inzwischen wird er im Puschkin-Museum ausgestellt. Die Russen betrachten die Beute als Teil der legitimen Entschädigung für die im Weltkrieg erlittenen Opfer.

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Und deshalb ist dieses Diadem hier nur eine Kopie. Allerdings eine sehr schöne, vielleicht sogar ein bisschen schöner als jenes Duplikat, das im Berliner Neuen Museum gezeigt wird, wie Frau Galka ein wenig trotzig hinzufügt. Natürlich kennt sie das Moskauer Original.

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