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Junge Demonstranten (Symbolbild).
© Bearbeitung: Tagesspiegel, Carlo - stock.adobe.com

So tickt die Jugend: Wie blickt Generation Z in die Zukunft?

Klimakrise, Krieg, Pandemie – die junge Generation hat allen Grund, pessimistisch zu sein. Aber wie geht sie wirklich mit den Herausforderungen um? Drei Experten geben Antworten.

Franziska Brandmann, geboren 1994, ist Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP.

Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation – ich kann es keinem verübeln, in dieser Lage dem Pessimism​​us zum Opfer zu fallen. Umso mehr bewegt es mich, täglich mit dem Gegenteil konfrontiert zu werden. Unser Verband ist so groß wie nie zuvor, insbesondere durch viele Neumitglieder der Gen Z.

Diese Generation stellt sich dem Zynismus, mit dem viele heute der Politik begegnen, bewusst entgegen. Sie weiß, wie einfach es ist, mit dem Finger auf eine scheinbar aussichtslose Lage zu zeigen oder hämisch über eine Fehlentscheidung zu lachen. Das Problem ist nur: Ihre Zukunft hängt davon ab, dass wir Lösungen finden.

Die Gen Z möchte im Kern genau was, was andere Generation als selbstverständlich empfunden haben: Frieden, ein funktionierendes Aufstiegsversprechen, eine lebenswerte Welt. In den letzten Monaten teilt die Gen Z deshalb Videos von der Revolution im Iran, um die Demonstranten zu unterstützen. Sie teilt Memes zur Aktienrente, um darauf aufmerksam zu machen, dass unser Rentensystem dem demografischen Wandel nicht gewachsen ist.

Kürzlich entwickelte ein 17-jähriges Mitglied der JuLis ein Verfahren, mit dem OP-Masken so recycelt werden, dass sie in 3D-Druckern genutzt werden können. Warum macht diese Generation all das? Weil sie weiß: Sie kann sich Pessimismus nicht leisten.

Antonio Rosenberger, geboren 2005, ist Sprecher des Landesschülerausschusses von Berlin.

Klimakrise, Corona-Pandemie, russischer Krieg in der Ukraine: In Anbetracht all dieser herausfordernden Umstände liegt es nahe, meine Generation Z als pessimistisch abzutun. Doch im Grunde entspricht dies keinesfalls der Realität. Wir wissen um den Ernst der Umstände und haben in den letzten Jahren auch gelernt, was Einschränkungen und die damit einhergehende Ungewissheit – wie in der Corona-Pandemie – für einen Einschnitt im Leben darstellen können.

Mit jeder einzelnen Krise haben wir uns abgefunden und stets realistisch nach vorne geblickt. Das bedeutet jedoch auch zu wissen, dass unsere Stimme gesellschaftlich viel weniger gehört wird und die Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Jugend immer noch unzureichend sind. Wenig ist frustrierender, als eine Meinung zu haben und diese nicht vertreten zu können, denn wir haben den Anspruch und den Willen, mitzubestimmen und auch Veränderung mitzugestalten.

Wie alle Generationen vor ihnen wird auch die Generation Z lernen, mit den Problemen ihrer Zeit umzugehen. […] Die jungen Leute werden das schaffen, eben auf ihre Art.

Schreibt Community-Mitglied Ilaria

Die Zukunft wird uns am längsten betreffen, während es sich so anfühlt, als wären die älteren Generationen lediglich bewahrend, in den vermeintlich guten Zuständen verharrend und im Denken kaum zukunftsfähig.

Wir wollen nach vorne blicken und entsprechend auch die Weichen für unsere Zukunft stellen. Dieser Wunsch hat uns schon seit jeher begleitet und wird nun immer stärker – zu warten, ist keine Alternative.

 Klaus Hurrelmann, Jahrgang 1944, ist Sozialwissenschaftler. Aktuell hat er eine Professur für Public Health and Education an der Hertie School in Berlin.

Pessimismus kann man das nicht nennen, was die jungen Leute gerade umtreibt. Es ist vielmehr ein realistischer und nüchterner Skeptizismus. Der hat handfeste Gründe: Fast drei Jahre Einschränkungen des Lebens durch die Corona-Pandemie sitzen den jungen Leuten ebenso auf der Seele wie die anhaltende Klimakrise, der Krieg in der Ukraine und die damit ausgelösten Preissteigerungen.

Dennoch schauen, so die aktuelle Trendstudie „Jugend in Deutschland“, die 14- bis 29-Jährigen überwiegend zufrieden in die Zukunft. Sie finden gute Bedingungen am Arbeitsmarkt vor und glauben deshalb, sich mit jugendlicher Frische und Chuzpe schon irgendwie durchsetzen zu können. Beim Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung allerdings fallen die skeptischen Töne auf.

Die Sorgen vor der sozialen Spaltung der Gesellschaft sind sehr groß, die finanzielle Absicherung halten sie für ungewiss. Viele junge Menschen fürchten, dass die Wohlstandsjahre der Bundesrepublik Deutschland vorbei sind und sie nicht mehr das wirtschaftliche Niveau halten können, das ihre Eltern noch geschafft haben.

Besonders empfindlich reagieren hier die etwa 20 Prozent der jungen Generation, die sozial nicht gut positioniert sind und aus Elternhäusern kommen, in denen wirtschaftliche Engpässe vorherrschen. In dieser Gruppe finden sich auch viele, die sich psychisch unter großem Druck fühlen und Zweifel am Funktionieren des demokratischen politischen Systems haben.

Das Leben ist niemals einfach und wir sind sicher auch für einiges verantwortlich, worüber sich die Generation Z sorgen muss […]. Wir sollten so fair sein und Verantwortung übernehmen, schließlich fußt unserer Wohlstand auf Kosten nachfolgender Generationen.

Schreibt Community-Mitglied MeineMeinung

Alles in allem haben wir es aber heute mit einer jungen Generation zu tun, die zwar im „Dauerkrisenmodus“ steht, bei der die große Mehrheit aber erstaunlich widerstandsfähig ist.

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