Süß und saftig trotz Hitze : „HOT84A1“ - ein Apfel für den Klimawandel

In Neuseeland wird erstmals ein Apfel angeboten, der dem Klimawandel trotzen soll. Die Obstsorte kann extrem hohe Temperaturen tolerieren.

Hitze kann ihm nicht so viel anhaben.
Hitze kann ihm nicht so viel anhaben.Foto: Promo

Bei dem Namen „HOT84A1“ denkt man zunächst vielleicht an ein dubioses Online-Profil auf einer Datingplattform. Doch damit hat der Name gar nichts zu tun.

„HOT84A1“ ist vielmehr ein knackiger, roter Apfel mit ganz besonderen Eigenschaften. Er kann Extremhitze verkraften und bleibt dabei trotzdem süß und saftig. Vertrieben wird der neue „Wunderapfel“, wie er schon genannt wird, über eine neuseeländische Tochter des deutschen Agrarkonzerns Baywa.

T&G Global ist ein Vordenker im neuseeländischen Obstgeschäft und zeichnet damit verantwortlich für die erste Apfelsorte, die dem Klimawandel trotzen soll. „Klimawandel-resistent“ nennen die Experten das und meinen damit eine Obstsorte, die auch bei extrem hohen Temperaturen und langer Trockenheit ihre Textur und ihren Geschmack behält.

Erste Apfelbäume der neuen Sorte wurden bereits in Spanien angepflanzt, wo die Temperaturen häufig über 40 Grad klettern. „HOT84A1“ erwies sich dabei als besonders widerstandsfähig gegenüber Sonnenbrand.

Die Apfelbäume, die extra für heiße Klimazonen gezüchtet werden, kommen zudem mit weniger Dünger und weniger Wasser aus.

Die Schale verbrannte, die Früchte wurden weich

Die neue Obstsorte ist ein Produkt aus dem sogenannten „Hot Climate“-Programm, einer Initiative, die 2002 ins Leben gerufen wurde.

Damals berichteten Landwirte, dass der Anstieg der Temperaturen und immer häufigere Hitzewellen den traditionellen Apfelsorten Probleme bereiteten. Ihre Schale verbannte, sie verfärbten sich nicht ausreichend rot und hatten zudem ein zu weiches Fruchtfleisch. Mit dem berühmten knackigen Apfel war bei zu viel Hitze Schluss. Außerdem ließen sich die vom Klimawandel geschädigten Äpfel nach der Ernte nicht mehr ebenso gut lagern wie noch in den Jahren zuvor.

„Wir wissen, dass sich das Weltklima ändert“, sagte Peter Landon-Lane, der sich bei T&G Global um Innovationsprojekte kümmert.

Die Verbraucher würden aber natürlich weiterhin nach leckeren und gesunden Lebensmitteln verlangen, die nachhaltig hergestellt werden. Deshalb sei es wichtig, neue Obstsorten zu entwickeln, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen mithalten könnten.

Anbau auch in Australien und Südafrika

Neben Spanien und Neuseeland soll der klimaresistente Apfel beispielsweise auch in Australien oder Südafrika angebaut werden. Die Entwicklung solcher neuen, innovativen Sorten könnte aber auch den Anbau in Regionen ermöglichen, „die bisher nicht für die Produktion geeignet waren“, sagt der neuseeländische Experte.
Pflanzen zu erforschen, die klimatisch harsche Bedingungen tolerieren können, spielt inzwischen weltweit eine zunehmend wichtige Rolle. Denn der Klimawandel – in Kombination mit einer kontinuierlich anwachsenden Weltbevölkerung – gefährdet vor allem in ariden Regionen - also sehr trockene Klimate - die Nahrungssicherheit der Menschheit.

„Als Faustregel gilt, dass es auf der Welt keine landwirtschaftlichen Erträge gibt, die nicht vom Klimawandel betroffen sein werden“, sagte Rakesh Kumar Singh vom International Center for Biosaline Agriculture in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Aus diesem Grund würde man Sorten als „klimaresistent" bezeichnen und nicht als "klimasicher“. Zwei Pflanzen, die sehr widerstandsfähig sind, sind nach Angaben des Experten Quinoa und Saflor, das auch als Färberdiestel bekannt ist.

Quinoa ist in Astronautennahrung verwendet worden

„Vor allem Quinoa ist eine ganz wunderbare Pflanze, die selbst in salzhaltiger und trockener Umgebung gedeiht“, sagte Singh. Zudem sei der „Inkaweizen“, wie die aus Südamerika stammende Pflanze auch gerne genannt wird, unglaublich nährstoffreich.

Sie enthält viel Protein, verschiedene Vitamine und Mineralien wie Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Phosphor.

„Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Nährstoffqualitäten wurde sie von der Nasa sogar in die Ernährung der Astronauten für lange Weltraummissionen aufgenommen“, berichtete Singh. Nicht umsonst wird Quinoa gerne auch als „Superfood“ bezeichnet.

Saflor dagegen ist eine Diestelart, aus deren Samen Öl gepresst wird. Zudem können die Sorten ohne Stacheln als Futterpflanzen für Vieh verwendet werden.

Die Blütenblätter haben dagegen fast die gleiche Farbe und den gleichen Geschmack wie Safran, sie können Stoffe einfärben und sollen sogar medizinische Eigenschaften haben.

Saflor ist wie Quinoa eine Pflanze, die sich nicht so leicht von klimatischen Extremen unterkriegen lässt. Denn Saflor hat ein weit ausgedehntes, starkes Wurzelwerk, das bis zu vier Meter tief in die Erde reicht.

So überdauert die Pflanze sogar lange Dürreperioden und eignet sich deswegen gut für aride oder semi-aride Regionen.