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Frauending. Gynosexuelle fühlen sich zu weiblichen Attributen hingezogen.

© imago/Westend61

Das große Triebwerk: Von bi-neugierig bis pansexuell: Wie wir lieben

Auf Datingportalen stehen immer mehr Identitäten und Vorlieben zur Auswahl. Eine sexuelle Orientierungshilfe.

Abrosexuell

Abrosexuelle erleben ihre sexuelle Anziehung als fluid, das heißt, ihr erotisches Interesse wandelt sich regelmäßig. Sie begehren beispielsweise phasenweise + homosexuell, dann wieder + hetero- oder + demisexuell. Festlegungen lehnen sie ab.

Androsexuell

Bezeichnung für ein Verlangen, das sich auf Männer und Personen richtet, die sich männlich präsentieren, wie beispielsweise Transmänner. Letztere identifizieren sich als Männer, auch wenn ihr Geschlecht bei der Geburt als „weiblich“ festgelegt worden ist. Frauen und Männer können ebenso androsexuell sein wie Transsexuelle oder Intersexuelle. Letztere weisen Merkmale beider Geschlechter auf.

Asexuell

Asexuelle empfinden überhaupt keine erotische Anziehung und verspüren kein Verlangen, mit jemandem ins Bett zu gehen. Geschlechtsverkehr erscheint ihnen wahlweise absurd, umständlich, anstrengend, überflüssig, langweilig oder schrecklich. Das Gefühl von Erregung kennen zwar die meisten, aber sie verbinden damit nicht den Wunsch nach einem Sexualpartner. In einem Internet-Forum beklagt ein Betroffener, wie häufig seine sexuelle Orientierung nicht ernst genommen werde: „Ach, das gibt’s doch gar nicht!“ Es gehe den Asexuellen wie den Veganern. Die müssten sich auch ständig dafür rechtfertigen, etwas nicht zu wollen. Wer davon genug hat, tippt „Gleichklang“ in den Browser: Das Dating-Portal vermittelt rein platonische Beziehungen.

Autosexuell

Im Gegensatz zur Mehrheit haben Autosexuelle lieber Sex mit sich selbst als mit einem Partner.

Bi-curious

Wer sich als „bi-curious“ oder „bi-neugierig“ bezeichnet, denkt über Bisexualität nach oder vermutet, bi zu sein, hat aber bisher keine derartigen Erfahrungen gemacht und identifiziert sich (noch) nicht als bisexuell. Betonung auf noch. Denn Bi-Neugierige fühlen sich zu Personen desjenigen Geschlechts erotisch hingezogen, mit dem sie bisher keine Liebesabenteuer hatten, und stellen sich entsprechende sexuelle Handlungen vor. Man ahnt es schon: Die meisten gehen ihrer Neugierde irgendwann nach.

Bisexuell

Bisexuelle stehen auf Frauen und Männer. Ein bisschen bi schadet nie? Betroffene kritisieren, dass ihre sexuelle Orientierung oft nicht ernst genommen werde. Sie würden entweder als verkappte + Homosexuelle gelten oder als Unentschlossene, die ihre erotische Präferenz schon noch entdecken würden. Zudem besteht das Vorurteil, Bisexuelle seien unersättlich, weil sie ja auf Frauen und Männer stehen – auf so gut wie alle also. In der populären Vorstellung neigen Bisexuelle zum flotten Dreier. Dass sich Prominente wie Lady Gaga, Kristen Stewart oder Angelina Jolie als bi geoutet haben, hat es nicht besser gemacht. Denn nun wird gemutmaßt, sich so zu definieren, liege gerade im Trend.

Demisexuell

Wer demisexuell ist, kann erst dann erotisches Begehren empfinden, wenn er eine tiefe emotionale Bindung zu einer anderen Person aufgebaut hat. Das passiert in den meisten Fällen in engen Beziehungen und kann Jahre dauern. Der Begriff bezieht sich nicht auf die bewusste Zurückhaltung oder Unterdrückung von lustvollen Gefühlen oder Handlungen, sondern beschreibt eine sexuelle Orientierung.

Gynosexuell

Gynosexuelle fühlen sich zu Frauen und weiblichen Attributen hingezogen. Damit fahren sie auf Frauen oder Personen mit femininen Eigenschaften ab, zum Beispiel Transfrauen (die sich als Frauen identifizieren, auch wenn ihr Geschlecht bei der Geburt als „männlich“ festgelegt wurde). Das Geschlecht der Person, die diese Anziehung empfindet, spielt hierbei keine Rolle, es können also Frauen, Männer, Trans- oder Intersexuelle gynosexuell sein.

Heteroflexibel

Als heteroflexibel wird jemand bezeichnet, der primär + heterosexuell, aber auch offen für + homosexuelle Kontakte ist.

Heterosexuell

Heteros stehen auf Angehörige eines anderen Geschlechts: Männer lieben Frauen und Frauen lieben Männer. Klingt nach Mainstream? Nun, Heterosexuelle haben es auch nicht leicht. Das weiß Gloria von Thurn und Taxis, 58: Heterosexuelle Männer hätten heute kein gesellschaftspolitisches Standing mehr, schrieb sie in einem Gastkommentar für die „Katholische Sonntagszeitung“. Während schwule Männer „durch den Zeitgeist geadelt“ worden seien und als „hip, fortschrittlich und modern“ gelten würden, sehe man „auf den normalen Mann herab, als sei er ein Relikt aus längst vergangener Zeit“. Die Fürstin forderte Frauen auf, sich angesichts der „MeToo“-Debatte schützend vor ihre Männer zu stellen.

Homoflexibel

Personen, die in erster Linie schwul oder lesbisch leben, aber auch offen für + heterosexuelle Erfahrungen sind, bezeichnen sich als „homoflexibel“.

Homosexuell

Auf den ersten Blick sind Lesben und Schwule die Etablierten unter den + Queeren, längst vertreten in allen gesellschaftlichen Positionen. Sogar Ernie und Bert, Sesamstraßen-Power-Couple, hatten vor ein paar Monaten ihr offizielles Coming-out. Also fast. Einen Tag später folgte das Dementi. So viel Libertinage im Kinderprogramm war den Verantwortlichen wohl doch nicht geheuer. In Deutschland dürfen inzwischen Paare mittlerweile heiraten und Kinder adoptieren. Doch Konversionstherapien zur „Umpolung“ von Schwulen und Lesben sind hier noch immer legal. Die Bundesregierung positioniert sich klar gegen diese Behandlungen, aber nur das Land Bremen setzt sich für ein Verbot ein. Angebote für die Therapien kommen meist aus der religiös-fundamentalistischen Ecke. Homosexualität gilt dort als eine Krankheit, die man heilen kann. Die Pseudo-Therapien führen allerdings nicht auf den Pfad heterosexuellen Begehrens, stattdessen können sie Depressionen und Suizidgedanken auslösen.

Sapiosexuelle fahren auf Intelligenz ab

Wo die Liebe hinfällt. Pansexuelle legen sich gar nicht fest und sind offen für alle Geschlechtsidentitäten.

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Monosexuell

Bedeutet, sich sexuell nur zu einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, also etwa + heterosexuell oder + homosexuell zu sein.

Ökosexuell

Ökosexuelle finden Befriedigung in der Vereinigung mit der Natur: Sie gehen nackt wandern, reiben sich an Baumstämmen, penetrieren Erdlöcher oder masturbieren unter Wasserfällen. Trotzdem fällt „Mutter Erde“ nicht in die Kategorie der MILF (Mother I’d Like to Fuck). Ökosexuelle sehen die Erde nämlich nicht als Mutter an, sondern als Geliebte. Was der Erde gelegen kommen dürfte, denn seine Mätresse versucht man bekanntlich bei Laune zu halten. Die Naturliebhaber fassen sie also mit Samthandschuhen an, zum Wohl der Allgemeinheit: Sie leben besonders umweltbewusst und verwenden nur nachhaltige Sexprodukte. Wer ficken will, muss freundlich sein – das war schon immer so.

Pansexuell

Pansexuelle sind gar nicht festgelegt. Die Vorsilbe „pan“ stammt aus dem (Alt-)Griechischen und bedeutet „alles, umfassend, ganz“. Das biologische Geschlecht oder die geschlechtliche Identität ihres Partners ist Pansexuellen völlig egal – ihr Begehren entzündet sich an anderen Eigenschaften. Sie entflammen für das Individuum, wie es vor ihnen steht, sei es männlich, weiblich, inter- oder transsexuell. In einem Stoßseufzer: „Wo die Liebe hinfällt!“ Nur eine Einschränkung gibt es – Pansexualität bezieht sich nur auf Menschen. 2016 hat sich beispielsweise US-Popstar Miley Cyrus als pansexuell geoutet. Auch in der Stars-Wars-Saga wird ganzheitlich begehrt. Nach Bekunden von Jonathan Kasdan, dem Drehbuchautor der jüngsten Star-Wars-Episode „Solo: A Star Wars Story“, ist die Figur des Lando Calrissian pansexuell.

Polysexuell

Polysexuelle begehren nicht nur Männer und Frauen (+ bisexuell), sondern auch Personen, die sich außerhalb dieser Kategorien bewegen, etwa Trans- oder Intersexuelle. Im Gegensatz zu + Pansexuellen fühlen sie sich aber nicht zu allen Geschlechtern hingezogen.

Pomosexuell

Steht als Abkürzung für „postmodern sexuell“. Die postmoderne Theorie stellt etablierte Kategorien infrage und dekonstruiert sie. Wer sich als pomosexuell identifiziert, möchte damit ausdrücken, dass er oder sie tradierte Konzepte wie männlich/weiblich, + homosexuell/+ bisexuell/+ heterosexuell für überholt hält. Dass er oder sie also grundsätzlich ablehnt, die komplexe menschliche Sexualität auf wenige klar umrissene Begriffe zu reduzieren. Um die üblichen Schubladen ad absurdum zu führen, bezeichnen sich in diesem Kontext manche Frauen als Girlfags (schwule Mädchen) und einige Männer als Guydykes (männliche Lesben).

Queer

Queer bedeutet so viel wie eigenartig, seltsam, suspekt und war im Englischen lange ein Schimpfwort, das insbesondere zur Herabsetzung von schwulen Männern benutzt wurde. Heute wird der Begriff meist positiv als Eigenzuschreibung gebraucht, vor allem von denjenigen, die ihre sexuelle Identität als „außerhalb der gesellschaftlichen Norm“ verstehen. Manche verwenden den Begriff queer, weil sie die Kategorisierung von Begehren grundsätzlich ablehnen. So identifizieren sich auch einige + Heteros als „straight queers“.

Questioning/Unentschieden

Wer sich als „questioning“ oder „unentschieden“ beschreibt, ist sich noch nicht klar über seine sexuelle Orientierung. Das kann etwa Jugendliche betreffen, die nicht genau wissen, was das alles bedeutet, wenn sie erste sexuelle Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Freunden machen.

Quoisexuell

Bezeichnung für Personen, die nicht zwischen verschiedenen Arten von Anziehung, zum Beispiel zwischen romantischer, sexueller und platonischer Attraktion, unterscheiden. Hierfür kursiert auch der Begriff „WTF (what the fuck)-sexuell“.

Sapiosexuell

Sapiosexuelle fahren auf Intelligenz ab, ein hoher IQ ist für sie ein erotisch anziehendes Merkmal. Die Wortschöpfung basiert auf dem lateinischen Verb sapere, wissen. Nicht muskulöse Oberarme oder volle Lippen törnen die Sapiosexuellen an, sondern profunde Kenntnisse über perfektoide Räume. Für alle derart Begehrenden gibt es sogar eine eigene Dating-App. „Sapio“ verspricht Matches mit intellektuell stimulierenden Partnern. Dort lädt man nicht nur sein Foto und seine Maße hoch, sondern auch kleine Essays zu Fragen wie: „Welche Gesetze würdest du erlassen, wenn du der oberste Gesetzgeber wärst?“ Dirty talk pur. Wenn’s da nicht funkt, vielleicht mal den Instagram-Account „Hot Dudes Reading“ checken.

Skoliosexuell

Man findet nur Personen erotisch anziehend, die keinen Geschlechtsnormen entsprechen und sich nicht klar in das Frau-Mann-Schema einordnen lassen, also etwa Trans- oder Intersexuelle.

Spectrasexuell

Spectrasexuelle begehren Personen aus einem bestimmten Spektrum, also etwa Frauen und Intersexuelle oder Männer und Transsexuelle.

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