Weckruf eines Hamburger Arztes : „Es wird schlimm kommen, wir bereiten uns auf schwere Zeiten vor“

Noch immer gibt es viele, die das Coronavirus nicht ernst nehmen. Ein Hamburger Arzt warnt vor den dramatischen Folgen und schickt einen Appell.

Krankenschwestern in einer Klinik in Mailand sprechen sich Mut zu.
Krankenschwestern in einer Klinik in Mailand sprechen sich Mut zu.Foto: Paolo MIRANDA / AFP

Ein alter Schulfreund von mir kam vergangene Woche mit seiner Frau und ihren zwei kleinen Kindern aus dem Spanien-Urlaub – genauer gesagt Sevilla – zurück. Puh, hat er Glück gehabt, gerade noch mal geschafft, bevor das Chaos an den Grenzen einsetzte, dachte ich mir.

Eigentlich keine große Geschichte, wäre besagter Skelcim Rusani nicht Oberarzt in einer kardiologischen Abteilung in einem Hamburger Krankenhaus. Und hätte er nicht meinen alten Schulfreunden und mir kurz nach seiner Rückkehr folgende Nachricht in unsere Abi-Chat-Gruppe geschrieben:

Der Hamburger Kardiologe Skelcim Rusani
Der Hamburger Kardiologe Skelcim RusaniFoto: Bethesda Krankenhaus Bergedorf

„Hallo Freunde,
Am Sonntag habe ich es mit meiner Familie gerade noch so raus aus Spanien geschafft. Ich kann euch sagen, das war schon bedrückend. Das öffentliche Leben ist innerhalb von wenigen Stunden runtergefahren worden. Und das war noch vor der Ausgangssperre!
Nun mal als (Krankenhaus-)Arzt: Italien lehrt uns, dass es heftig und schlimm kommen wird. Davon bin ich überzeugt. Im Krankenhaus bereiten wir uns gerade auf schwere Zeiten vor!
Ihr seid ja alle schlau und kennt die Regeln: Es ist aber extrem wichtig, diese auch einzuhalten. Je mehr wir im Krankenhaus gleichzeitig behandeln müssen, desto mehr werden sterben. „Flatten the Curve“ usw. Wir werden alle Kapazitäten zusätzlich zu den anderen Notfällen brauchen. Wenn wir Pech haben, dann kann es wie in einigen Teilen Italiens kommen. Da arbeiten dann Krankenhausmitarbeiter unter „katastrophenähnlichen“ Umständen.
Leute, die dies alles für übertrieben halten, nerven mich. Die stehen in aller Regel auch nicht Tag und Nacht im Isolierzimmer, wie meine Intensivstation-Kollegen jetzt schon. Zudem sind in Italien viele der Krankenhausmitarbeiter selbst infiziert.
Also, es ist ernst!
Gebt es weiter.
Im Übrigen: Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes sind – außer dem Alter – auch Risikofaktoren. Einige wissen das nicht.
Bleibt gesund!“

Stille im Chat.
Kurz darauf die Antwort eines anderen Freundes (Unternehmensberater): „Mann, und wir kriegen von der Firma ein Motivationsschreiben: mutig sein, solidarisch und ins Büro kommen. Wahnsinn!“
Der Arzt: „Schwachsinn!“

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