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Ajatollah Khamenei hat Plan für Notfallflucht: Heftige Proteste im Iran nach erneutem Währungsabsturz
Irans Währung verliert immer weiter an Wert, das Mullah-Regime reagiert mit Repression auf erneute Proteste und droht Israel. Ayatollah Khamenei plant unterdessen schon seine Flucht nach Moskau.
Stand:
Am Großen Basar in der iranischen Hauptstadt Teheran sind heftige spontane Proteste ausgebrochen. Augenzeugen, Aktivisten und auch iranische Medien berichteten von plötzlichen Ausschreitungen an dem historischen Ort in der Millionenmetropole, wo Demonstranten und Sicherheitskräfte aneinander gerieten. Dabei wurde auch Tränengas eingesetzt. Auslöser war erneute Unruhe am iranischen Devisenmarkt.
Am Morgen war die Währung weiter abgestürzt. Ein Euro kostete auf dem freien Devisenmarkt erstmals mehr als 1,7 Millionen Rial, wie iranische Finanzportale berichteten. Die Währung hat damit seit Ausbruch der Demonstrationen vor mehr als einer Woche noch einmal mehr an Wert verloren. Ein Schock am iranischen Devisenmarkt hatte zunächst in der Hauptstadt Teheran wütende Händler auf die Straße getrieben.
„Tod dem Diktator“
Auch im Westen Irans sind mit Einbruch der Dunkelheit erneut schwere Proteste ausgebrochen. In der mehrheitlich kurdischen Provinz Ilam kam es am Dienstag zu Ausschreitungen, wie Aktivisten in den sozialen Medien berichteten. Bei einem Begräbnis von getöteten Demonstranten riefen Trauernde in der Stadt Malekschahi Protestslogans gegen die autoritäre Führung der Islamischen Republik. „Tod dem Diktator“, war in Videos zu hören.
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Auch die regierungsnahe Nachrichtenagentur Fars berichtete auf Telegram über Unruhen der Stadt. Dem Bericht zufolge setzten Demonstranten drei Banken in Brand. Der Gouverneur der Stadt forderte unterdessen Verständnis für die Proteste. „Die Stimme der Menschen muss gehört werden“, zitierte ihn das Portal Chabaronline. Protest dürfe jedoch nicht zur Gewalt führen, sagte er.
In den Provinzen geht Irans Staatsmacht seit Beginn der Proteste vor mehr als einer Woche deutlich härter vor als in den Metropolen. Menschenrechtlern zufolge wurden bei den Unruhen bislang mindestens 29 Menschen getötet.
Das geistliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Khamenei, soll unterdessen bereits einen Notfallplan für eine Flucht vorbereitet haben. Dies schreibt die britische „Times“ unter Berufung auf einen westlichen Geheimdienstbericht. Darin wird der 86-jährige Khamenei als paranoid und hoch nervös beschrieben. Der kurzzeitige Krieg gegen Israel im Sommer 2025 habe ihn körperlich und mental geschwächt. Im Ernstfall wolle er mit etwa 20 Personen, darunter seinem Sohn und designierten Nachfolger Mojtaba, aus Teheran entkommen.
Khameneis Wunschziel soll demnach Moskau sein, nach Vorbild des ebenfalls gestürzten syrischen Diktators Bashar al-Assad. Der Ajatollah gilt als Bewunderer der russischen Kultur, der Iran und Russland arbeiten seit Jahren eng zusammen. So werden im Ukraine-Krieg von russischer Seite diverse iranische Shahed-Drohnen eingesetzt. Über ein weitverzweigtes System soll der Ajatollah weltweit etwa mit Immobilienbesitz im Ausland über Milliardenwerte verfügen.
Mitglieder des Mullah-Regimes haben laut Geheimdienstberichten bereits begonnen, Familienmitglieder ins Ausland zu schicken, etwa nach Dubai, die USA und Kanada.
Kriegsdrohungen gegen Israel
Die Regierung hat unterdessen erste Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Präsident Massud Peseschkian und sein Kabinett strichen unter anderem Subventionen für Importeure, die bislang von einem staatlich begünstigten Wechselkurs profitiert hatten. Am Montag warnte Irans Regierungssprecherin, dass dies zunächst zu einem Preisanstieg führen könnte. Kritiker werfen der Führung seit Langem vor, die Staatseinnahmen in Militär und Atomprogramm zu stecken, statt in die Bevölkerung zu investieren.
Zugleich deutete die iranische Staatsführung einen möglichen Präventivschlag gegen ihren Erzfeind Israel an. Jede Einmischung in innere Angelegenheiten oder jedes Vorgehen gegen die Stabilität Irans werde mit einer zielgerichteten Reaktion beantwortet, hieß es in einer Erklärung des vor wenigen Monaten neu gegründeten Verteidigungsrates. Man beschränke sich nicht auf eine Reaktion „erst nach einem erfolgten Handeln“, sondern betrachte „konkrete Anzeichen von Bedrohungen als Teil der Sicherheitsgleichung.“
Medienberichten zufolge hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem Iran über Russland mitteilen lassen, dass sein Land keine militärische Eskalation mit Iran anstrebt. Die beiden verfeindeten Länder unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und auch keine direkten Kommunikationskanäle. (dpa/AFP/jmi)
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