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Künstlerin Oh schildert ihre Erlebnisse mit Epstein: „Ich möchte der Welt zeigen, dass er extrem unsicher war“
Die Künstlerin Rina Oh berichtet von ihren Begegnungen mit Jeffrey Epstein. Sie beschreibt ein Geflecht aus Kontrolle, sexueller Ausbeutung – und einen Mann, der ihrer Ansicht nach von Unsicherheit getrieben war.
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Die New Yorker Künstlerin Rina Oh hat erstmals ausführlich ihre Erlebnisse mit Jeffrey Epstein geschildert. Im Gespräch mit der „Bild“ beschreibt sie, wie sie rasch in sein System aus Kontrolle und sexueller Ausbeutung geriet.
Epstein habe sie „dazu gebracht, Dinge zu tun, die sie nicht wollte“, sagt sie. Sie lernte den Multimillionär laut eigener Aussage im Jahr 2000 kennen, als sie 21 Jahre alt war.
Besonders präsent sei ihr die Erinnerung an Epsteins Körper: Sein „deformierter Penis“ sei wie „eine Zitrone“ geformt gewesen, berichtet Oh. Die daraus resultierende Unsicherheit habe sich in seinem Verhalten gegenüber Frauen gespiegelt.
„Seine Unsicherheit spiegelte sich in der Art wider, wie er Frauen behandelte, und es erklärt auf schreckliche und groteske Weise, warum er sich so verhielt, wie er sich verhielt“, sagt sie.
Ihrer Einschätzung nach hätte Epstein „niemals eine normale Beziehung mit einer erwachsenen Frau führen können“. Stattdessen sei er auf Helfer angewiesen gewesen, „die ihm Mädchen brachten – junge, naive Mädchen“.

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Oh beschreibt, dass Epsteins langjährige Vertraute Ghislaine Maxwell für ihn junge Frauen rekrutiert habe, darunter auch Minderjährige oder Frauen aus schwierigen Verhältnissen. Epstein selbst habe laut Oh „kaum Geschlechtsverkehr“ gehabt, sondern bevorzugt zugeschaut oder alternative Praktiken ausgeübt.
„Sexueller Missbrauch wird nie allein durch körperliche Eigenschaften verursacht“
Nach Ansicht von Experten weist sein Verhalten deutliche narzisstische und manipulative Muster auf. Diplompsychologe Michael Thiel erklärt gegenüber „Bild“: „Körperliche Unsicherheit kann Macht- und Kontrollbedürfnisse verstärken. Doch sexueller Missbrauch wird nie allein durch körperliche Eigenschaften verursacht.“
Demnach ist das Verhalten von Sexualstraftätern eher Ausdruck „massiver antisozialer und narzisstischer Muster“, die mit Empathiemangel, Machtposition und moralischer Enthemmung zusammenwirkten.
Für Oh passt auch Epsteins Umgang mit einflussreichen Personen in dieses Muster. Er habe gezielt Kontakt zu Politikern und bekannten Persönlichkeiten gesucht. Laut Ermittlungsunterlagen führte er junge Frauen in elitäre Kreise ein, um kompromittierende Situationen zu schaffen und andere kontrollieren zu können.
Warum Rina Oh heute – 25 Jahre nach den Vorfällen – über ihre Erlebnisse spricht, begründet sie in dem Gespräch offen: „Mein Therapeut sagt mir, dass dies ein guter Moment für mich ist, wütend zu sein und meinen Peiniger zu demütigen, weil das meiner Heilung hilft.“ Sie wolle außerdem „der Welt zeigen, dass er extrem unsicher und schrecklich ausgestattet war“. (Tsp)
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