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Trump droht, seine bisher treuesten Unterstützer in der Wirtschaft zu verprellen

© Montage: Tagesspiegel/Schneider/Getty Images, imago images, freepik

Ölgipfel im Weißen Haus: Trump droht, seine bisher treuesten Unterstützer in der Wirtschaft zu verprellen

Der US-Präsident plant Milliarden-Investitionen in Venezuelas Ölsektor. Sein Ziel: niedrigere Benzinpreise für US-Wähler. Doch wichtige Unterstützer aus der heimischen Ölindustrie sind verärgert.

Stand:

Wenn es um die Ölreserven von Venezuela geht, wird Donald Trump gerne überschwänglich: Er wolle die größten Ölkonzerne dorthin bringen, es gebe „gewaltige Möglichkeiten“. Davon will der US-Präsident in Washington am Freitag die Chefs ölfördernder Firmen, darunter Chevron und Exxon, bei einem Treffen überzeugen.

Geht es nach ihm, sollen sie Milliarden in den Wiederaufbau der maroden venezolanischen Produktion investieren – die Summen würden später durch die USA oder aus den Öleinnahmen selbst erstattet werden, verspricht er.

Und offenbar ist er sich seiner Sache schon sicher: „Mindestens 100 Milliarden Dollar (86 Milliarden Euro) werden von den großen Ölkonzernen investiert, die ich alle heute im Weißen Haus treffen werde“, erklärte er am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social.

Offizielle Zusagen der Konzernbosse gibt es dazu bisher aber nicht. Nur so viel steht fest: Mit dieser Summe könnte Venezuelas marode Ölindustrie zumindest modernisiert und die Produktion vielleicht sogar leicht gesteigert werden.

Bisher fördert Venezuela rund zwei Prozent des weltweiten Öls. Sollte die Förderung stark ausgebaut werden, wären bis zu 180 Milliarden Dollar nötig, schätzen Experten.

FILE PHOTO: A flame burning natural gas is seen at an heavy-crude treatment plant operated by Venezuela's state oil company PDVSA, in the oil rich Orinoco belt, near Cabrutica at the state of Anzoategui April 16, 2015. Picture taken on April 16, 2015. REUTERS/Carlos Garcia Rawlins/File Photo
Eine Gasflamme lodert aus einer Schweröl‑Verarbeitungsanlage der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA im ölreichen Orinoco‑Gürtel nahe Cabrutica im venezolanischen Bundesstaat Anzoátegui.

© REUTERS/CARLOS GARCIA RAWLINS

Langfristig will die Trump-Regierung die Ölproduktion in dem Land kontrollieren, dazu außerdem den Staatskonzern „Petróleos de Venezuela“, schreibt das „Wall Street Journal“. Es soll ihm helfen, den Rohölpreis auf 50 Dollar zu drücken. Dieses Ziel verkündete Trumps Energieminister Chris Wright bereits im März 2025, also lange vor der militärischen Übernahme Venezuelas.

Überhaupt plant die Trump-Regierung der US-Zeitung zufolge ihre „Drill, baby, drill“-Strategie weit über das US‑Staatsgebiet hinaus auszuweiten. Trump sehe höhere Ölproduktion und sinkende Preise als wichtigen Motor für die Wirtschaft. 

Billiges Benzin für Wählerstimmen

Dabei hat er auch die anstehenden Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, im März 2026 im Blick: Er will die Verbraucherpreise in den USA senken – Diesel, Benzin sowie die Preise für Kunststoff sollen billiger werden. Innenpolitisch erhofft er sich daher vorrangig die finanzielle Entlastung an der Zapfsäule und damit Rückenwind bei den Wählern.

Denn für Trump und seine Republikaner sieht es derzeit nicht gut aus: Die Amerikaner sind mit der Wirtschaftslage unzufrieden. In einer Umfrage der „Washington Post“ vom Dezember schätzten sie diese schlechter ein als zu Beginn der Amtszeit von Joe Biden. Überhaupt bewerten 62 Prozent Trumps bisherige Wirtschaftsbilanz als schlecht, nur 37 Prozent sind damit zufrieden.

Die jüngste Erhebung, die am Dienstag vom britischen Magazin „The Economist“ und dem Umfrageinstitut „YouGov“ veröffentlicht wurde, zeichnet ebenfalls ein düsteres Bild: Die Zustimmungswerte von Trump in der republikanischen Wählerschaft sind auf den niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit gefallen.

Frust und Wut bei den Chefs der Schieferölindustrie

Aber nicht nur in der Wählerschaft wächst der Unmut, sondern auch in der Industrie. Denn mit seinem aggressiven Preisziel beim Öl könnte er ausgerechnet jene gegen sich aufbringen, die ihn politisch und finanziell unterstützt haben: Die heimischen Schieferölproduzenten. Bei ihnen kommen Trumps Pläne, Venezuelas Ölsektor zu öffnen und billiges Rohöl in die USA zu holen, gar nicht gut an.

Für kleinere US-Betreiber würde eine wiederbelebte venezolanische Ölindustrie die Verschärfung des Marktüberangebots bedeuten. Schieferölbohrer benötigen einen Preis von mehr als 60 Dollar pro Barrel West Texas Intermediate, der US-Referenzsorte, um profitabel zu sein, schreibt die „Financial Times“. Der Preis fiel diese Woche bereits unter 56 Dollar pro Barrel.

Länger anhaltende Niedrigpreise würden die US‑Schieferölindustrie vor große Probleme stellen.

Zwar behauptet Trumps Energieminister, der selbst Frackingunternehmer war, die Branche könne auch mit 50 Dollar pro Barrel Gewinne erzielen. Fachleute wie der renommierte Energiehistoriker Daniel Yergin widersprechen jedoch: Bei diesem Preis sei Schieferöl nicht wirtschaftlich, sagte er der „Financial Times“. Wenn sich die Förderung nicht rechne, könnten Firmen ihre Produktion drosseln.

LATROBE, PENNSYLVANIA - OCTOBER 19: Republican presidential nominee, former U.S. President Donald Trump, wears a hard hat given to him by steelworkers during a campaign rally on October 19, 2024, in Latrobe, Pennsylvania. There are 17 days remaining until the U.S. presidential election, which will take place on Tuesday, November 5, 2024. (Photo by Win McNamee/Getty Images)
Trump bei einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania: Fracking ist dort ein wichtiger Industriezweig.

© Getty Images/WIN MCNAMEE

Dementsprechend groß ist der Ärger: „Wir reden hier davon, dass diese Regierung uns schon wieder in den Rücken fällt“, sagte ein Topmanager der Financial Times vor dem aktuellen Öl-Gipfel in Washington. Seiner Ansicht nach richte sich das Vorhaben der US-Regierung „gegen amerikanische Produzenten“.  

Ein anderer Unternehmer berichtet von „absoluter Frustration“ über den Präsidenten in der Branche. Er würde zudem sein „America First“-Mantra vernachlässigen, heißt es.

Kirk Edwards, Chef des texanischen Ölunternehmens Latigo Petroleum, der eine Wiederwahlkampagne für Trump finanzierte, kritisierte laut „Financial Times“, die Regierung bevorzuge die finanzielle Unterstützung eines venezolanischen Staatsölkonzerns, statt unabhängige US‑Produzenten zu stärken.

In Venezuela investieren? Es spricht einiges dagegen

Über die Reaktionen der Konzerne, die auf Trumps Einladungsliste nach Washington stehen, darunter Chevron und Exxon, ist bisher wenig bekannt. Chevron, der einzige große US-Ölkonzern, der wegen einer Sonderregelung noch in Venezuela tätig ist, arbeitet dort mit dem Staatskonzern „Petróleos de Venezuela“ über Joint Ventures zusammen.

Chevron hätte laut Analysten eine vorteilhafte Position, künftige Förderungen auszuweiten, und eine mögliche erweiterte Lizenz durch die US-Regierung würde es dem Konzern ermöglichen, zu den früheren Exportmengen zurückzukehren.

Washington hatte im Juli die Sanktionen gegen die Maduro-Regierung verschärft. Dadurch musste Chevron seine Ölexporte in die USA von zuvor etwa 250.000 Barrel pro Tag auf rund 100.000 reduzieren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, verhandelt Chevron mit Washington über eine deutliche Ausweitung seiner Geschäftstätigkeit.

Exxon und ConocoPhillips, die ebenfalls an den Gesprächen beteiligt sein sollen, haben mit Venezuela dagegen keine guten Erfahrungen gemacht. 2007 wurden sie teilweise enteignet und verließen das Land. Seither fordern sie Milliardenentschädigungen, davon kam bisher aber kaum etwas zurück.

Euphorie dürfte all das bei den US-Ölfirmen nicht auslösen.

Für den US-Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman ist klar: Es gibt keinen großen Öl-Reichtum, den die USA in Venezuela „gewinnen“ könnten. Das meiste Öl, das dort ausgewiesen wird, sei extra schwer und teuer in der Förderung, sodass es für Firmen kaum profitabel sei, schrieb er auf seinem Substack-Blog.

Zudem ist Venezuelas Ölindustrie heruntergewirtschaftet und würde immense Investitionen benötigen. Selbst der Staatskonzern „Petróleos de Venezuela“ gab laut „Zeit“ zu, seine Pipelines seit 50 Jahren nicht modernisiert zu haben. Für eine grundlegende Sanierung bräuchte man mindestens 60 Milliarden US-Dollar, heißt es. 

Gleichzeitig fehlt es auch an Fachkräften: Viele gut ausgebildete Beschäftigte hätten das Land schon vor Jahren verlassen oder wurden aus politischen Gründen ersetzt – allerdings durch wenig qualifizierte Kräfte.

Politische Unsicherheit als Geschäftsrisiko

Fraglich ist auch die politische Zukunft des Landes: Die USA lassen die Maduro-Nachfolgerin Delcy Rodríguez als Interimspräsidentin gewähren – die Ansagen kommen aber aus Washington. „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro“, drohte Trump.

Kurz darauf stellte er in einem Interview klar, dass er das Sagen in Venezuela habe. Neuwahlen schloss er vorerst aus. Wie lange sich das Maduros Anhänger wie Gegner aus der Opposition gefallen lassen?

Mögliche Proteste und politische Instabilität sind keine guten Voraussetzungen für langfristige wirtschaftliche Engagements. Auf der anderen Seite stehen die Konzerne auch unter Druck, weil sie einen Konflikt mit Trump vermeiden wollten, schreibt die „Zeit“. Der US-Präsident habe der Branche bereits geholfen, indem er unliebsame Regulierungen abgebaut und neue umstrittene Fördergebiete – etwa in Alaska – geöffnet habe.

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