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„Russland wird sie sofort testen“: Ex-US-General warnt vor russischen Attacken auf europäische Schutztruppen
Während London und Paris ihre Pläne für eine Stabilisierungstruppe vorantreiben, warnt Ex‑US-General Ben Hodges: Die Mission sei ohne robuste Kräfte kaum belastbar – und Moskau würde sie sofort testen.
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Der frühere US-Europakommandeur Ben Hodges sagte im Gespräch mit dem britischen „Guardian“, dass eine mögliche Stabilisierungstruppe für die Ukraine nur glaubwürdig wäre, wenn sie groß und handlungsfähig genug sei, um auf russische Provokationen sofort zu reagieren.
Die Koalition brauche „echte Streitkräfte und Einsatzregeln“, die unmittelbare Entscheidungen erlauben. „Kapitäne können nicht erst in Paris oder London anrufen müssen, um zu erfahren, wie sie mit einer russischen Drohne umgehen sollen“, warnte er. Wer glaube, Moskau werde sich an Vereinbarungen halten, sei „nicht realistisch“.
Hodges hält es zudem für unvermeidlich, dass Russland „sofort ihre Reaktionsfähigkeit testen wird“. Deshalb müssten britische und französische Einheiten sich effektiv gegen Drohnen und andere Angriffe verteidigen können. Russland müsse erkennen, „dass diese Leute es ernst meinen und nicht irgendwo in einer Kaserne in der Nähe von Lemberg stationiert sind“.

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Parallel dazu berichten britische und französische Regierungsvertreter laut „Times“, dass beide Länder im Falle eines Friedensabkommens bis zu 15.000 Soldaten entsenden wollen – deutlich weniger als ursprünglich erwogen.
Großbritannien würde „weniger als 7.500“ Soldaten in die Ukraine entsenden
In Großbritannien hatten Militärplaner zunächst 10.000 Soldaten allein aus britischen Kräften vorgeschlagen, als Teil einer 64.000 Mann starken „Koalition der Willigen“. Angesichts der geschrumpften britischen Armee gilt das jedoch als nicht realistisch. Aus Militärkreisen heißt es nun, dass wahrscheinlich weniger als 7.500 britische Soldaten bereitgestellt würden.
Hinzu kommen operative Sorgen. Für zusätzliche Luftunterstützung müssten weitere Truppen bereitgestellt werden, und Experten wie der ehemalige Militärattaché John Foreman warnen, dass ein längerer Einsatz in der Ukraine die Umstrukturierung der britischen Armee hin zu moderner Kriegsführung behindern könnte.
Zudem stelle sich die Frage, ob Großbritannien sowohl NATO‑Verpflichtungen als auch ständige Rotationen in die Ukraine gleichzeitig erfüllen könne. Innerhalb des Verteidigungsministeriums heißt es schließlich, dass bislang keine endgültigen Zahlen feststehen, weil der Umfang des möglichen Einsatzes von vielen Bedingungen eines künftigen Waffenstillstands abhängt.
Frankreich wäre der wichtigste weitere Truppensteller, wobei der Einsatz vorwiegend im relativ sicheren Westen der Ukraine stattfinden soll. Zugleich steht in Frankreich im kommenden Jahr eine Präsidenschaftswahl an, die Amtszeit von Emmanuel Macron endet. Der rechtspopulistische Kandidat Jordan Bardella, der deutlich russlandfreundlicher ist als Macron, sieht die französischen Verpflichtungen kritisch.
Nach Angaben der „Times“ scheiterten frühere Pläne für eine deutlich größere europäische Truppe daran, dass die meisten europäischen Staaten solche Kontingente nicht aufbringen konnten oder wollten. Verteidigungsminister beschrieben selbst 25.000 Soldaten als „große Herausforderung“.
Auch osteuropäische Nato-Länder sind zögerlich: Eine Entsendung in die Ukraine würde ihre eigene Grenzverteidigung schwächen, und zugleich sei unklar, wie die Koalition reagieren solle, falls Russland oder auch die Ukraine einen Waffenstillstand brechen würden.
Russland warnt: Ausländische Soldaten in der Ukraine wären „legitime Ziele“
Russland macht indessen erneut deutlich, was es von der Stationierung ausländischer Soldaten in der Ukraine hält: Sollte es zu einer solchen Entsendung kommen, würden die betreffenden Truppen und ihre Ausrüstung als „legitime militärische Ziele“ betrachtet, erklärte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Donnerstag in Moskau. Diese Warnung sei mehrfach auf höchster Ebene ausgesprochen worden und bleibe weiterhin gültig.
Sacharowa warf der Ukraine und ihren europäischen Unterstützern vor, den Konflikt zu eskalieren. Die jüngsten militärpolitischen Äußerungen der „Koalition der Willigen“ und der ukrainischen Führung bezeichnete sie als Ausdruck einer „echten Kriegsachse“. Die Pläne dieser Staaten seien „gefährlich“ und „zerstörerisch“, so die russische Sprecherin. (Tsp/lum/AFP)
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