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Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska.

© AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Update

Für einen Friedens-Deal mit Trump: Russland soll Bruch mit China erwogen haben

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass der Urheber des 28-Punkte-Konzepts für einen Frieden in der Ukraine aus Russland kommt. Moskau war wohl sogar bereit, sein Bündnis mit Peking aufzuweichen.

Stand:

Die genaue Entstehung des 28‑Punkte‑Friedensplans für die Ukraine ist weiter ungeklärt. Die Regierung von Präsident Donald Trump beharrt darauf, dass dieser von US-Unterhändlern ausgearbeitet worden sei und lediglich „Beiträge“ von Kirill Dmitrijew, dem Leiter des russischen Staatsfonds und Vertrauten des russischen Machthabers Wladimir Putin, eingeflossen seien.

Medienberichte legen jedoch nahe, dass die Grundlage des 28-Punkte-Plans ein russisches Dokument ist. So schrieb der „Guardian“ vor einigen Tagen, eine Sprachanalyse habe ergeben, dass Teile des Originaltexts offenbar auf Russisch verfasst wurden. Auch der bulgarische Investigativjournalist Christo Grozev hat auffällige Parallelen zu einem Konzept entdeckt, das ihm vor Monaten von einer russischen Quelle vorgestellt worden sei, wie er am Mittwoch in einem Beitrag für den „Spiegel“ schrieb.

Auf dem Investigativ-Portal „The Insider“ berichtet Grozev zusammen mit dem Journalisten Michael Weiss nun ausführlicher über das russische Papier, das wohl als Grundlage diente. Darin soll auch die China-Frage eine bedeutende Rolle gespielt haben. Dieser Punkt fehlt allerdings in dem geleakten 28-Punkte-Plan.

Wir wären bereit, China gegen die USA einzutauschen.

Russische Quelle im Portal „The Insider“

Dem Bericht von Grozev zufolge enthielt der erste Entwurf auch zwei Punkte, die der Trump-Regierung den Plan schmackhaft machen sollten.

April 3, 2025, Washington, District of Columbia, USA: Senior Russian negotiator KIRILL DMITRIEV answers questions from the press in Lafayette Square Park, across from the White House, after the meeting with the U.S. President Trump s envoy Steve Witkoff. Washington USA - ZUMA 20250403_mda_e119_268 Copyright: xMehmetxEserx
Kirill Dmitrijew spricht zu Journalisten.

© Imago/Zuma Press Wire/Mehmet Eser

Der erste war demnach, dass die USA nach Ende des Kriegs in der Ukraine die russische Wirtschaft unterstützen würden, da diese nach der vollständigen Umstellung auf Militärproduktion und durch die Belastungen der Invasion voraussichtlich „finanziell angeschlagen und dringend auf Investitionen angewiesen“ sein würde. Dies würde, so erklärte die Quelle, eine „neue Ära für US-amerikanische und russische Inlandsinvestitionen einläuten, ähnlich wie in den 90er Jahren“.

Der zweite Punkt, der fehlte, betraf die Partnerschaft zwischen Russland und China. „Wir wären bereit, China gegen die USA einzutauschen“, hieß es in dem russischen Originalkonzept. Grozevs Quelle erklärte dazu, dass die russischen Eliten „verärgert über Chinas wachsende Rolle in der zivilen Wirtschaft“ seien, die die Lücken nutze, die durch den Exodus westlicher Investoren entstanden seien.

Angesichts des Konflikts von Trump mit Peking sei das Angebot quasi eine Allianz gegen die aufstrebende asiatische Supermacht gewesen, die von dem Informanten als „eine Art neue christliche Koalition“ beschrieben wurde. Das Portal vermutet, dass die Passage aus dem Entwurf gestrichen wurde, weil Putin nicht riskieren wollte, mit seinem wichtigsten strategischen Verbündeten zu brechen.

Grozevs Kernthese, dass das russische Dokument in weiten Teilen als Vorlage für den 28-Punkte-Plan diente, wird von mehreren durchgesickerten Telefonmitschnitten gestützt. Laut einem von „Bloomberg“ transkribierten Telefonat soll Dmitrijew den Putin-Berater Jurij Uschakow überzeugt haben, den russischen Entwurf an Trumps Sondergesandten Steve Witkoff weiterzureichen – mit der Erwartung, dass die Amerikaner das Dokument „als ihr eigenes präsentieren“ würden.

Klassischer Fall „reflexiver Kontrolle“

In einem anderen Telefonat soll Witkoff selbst vorgeschlagen haben, russische Positionen direkt in einen US‑Plan zu übernehmen – angelehnt an frühere „Trump‑Friedensrahmen“. Auch gab Witkoff Uschakow Tipps, wie er Trump am besten überzeugen könnte. „Ich würde den Anruf tätigen und einfach noch einmal wiederholen, dass ihr dem Präsidenten zu dieser Leistung gratuliert, dass ihr sie unterstützt habt, dass ihr ihn unterstützt, dass ihr ihn als Mann des Friedens respektiert.“

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Grozev interpretiert die Vorgänge als klassischen Fall „reflexiver Kontrolle“ – einer sowjetisch-russischen Doktrin, bei der der Gegner so beeinflusst wird, dass er Entscheidungen trifft, die eigentlich im Interesse Moskaus liegen. Russland versucht demnach, seine geopolitischen Zielsetzungen über persönliche Kanäle und politische wie wirtschaftliche Anreize in Washington zu verankern, was besonders in der Trump-Regierung auf fruchtbaren Boden stößt.

Kritiker werfen speziell Witkoff eine langjährige Verbindung zu russischen Geldflüssen und Akteuren aus dem Umfeld der russischen organisierten Kriminalität vor.

Der New Yorker Immobilienunternehmer schrieb schon 2010 ein Empfehlungsschreiben für seinen „Freund“ Anatoly Golubchik, der 2013 wegen Geldwäsche, Erpressung und diverser weiterer krimineller Aktivitäten in den USA zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Unter anderem betrieb er auch aus dem Trump Tower einen illegalen Glücksspielring.

Der republikanische Abgeordnete Don Bacon kritisierte am Mittwoch den US-Sondergesandten scharf. Es sei „offensichtlich, dass Witkoff in jeder Hinsicht auf der Seite der Russen stehe“, schrieb er. „Man kann ihm nicht zutrauen, diese Verhandlungen zu führen. Würde ein von Russland bezahlter Agent weniger tun als er? Er sollte entlassen werden.“

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