
© Imago/Abaca/U.S. Air Force/Staff Sgt Jeremy M. Wilson
USA drohen dem Iran: „Trump hat mehrere Optionen, den Herrschern zu schaden“
Donald Trump will die Proteste im Iran möglicherweise mithilfe der US-Armee unterstützen. Wie könnte ein solcher Einsatz aussehen? Und welche anderen Optionen gibt es? Ein Militärexperte gibt Antworten.
Stand:
Herr Hinz, der US-Präsident droht Irans Führung wegen der Gewalt gegen Demonstranten immer deutlicher mit einem Militärschlag. Sollten die Mullahs Donald Trumps Worte ernst nehmen?
Das sollten sie! Trump hat gleich mehrere Optionen, die Proteste zu unterstützen und Irans Herrschern zu schaden.
Welche denn?
Zum Beispiel könnten den Demonstranten Internetzugänge zur Verfügung gestellt werden, die nur mit erheblichem Aufwand zu stören sind. Auch wäre es möglich, die Kommunikation der Vertreter des Regimes massiv einzuschränken, um so ein koordiniertes, repressives Vorgehen gegen die Aufständischen zu erschweren. Zum Beispiel mithilfe von gezielten Cyberattacken.
Und was wäre militärisch denkbar?
Ich kann mir gut vorstellen, dass die USA zunächst Kommandozentralen angreifen, die die Unterdrückung der Proteste koordinieren. Das heißt, der Sicherheitsapparat des Regimes würde ins Visier genommen werden.
Wie würde ein solcher Angriff ablaufen?
Womöglich kämen ebenso wie schon beim Zwölftagekrieg im Juni vergangenen Jahres Tarnkappenbomber vom Typ B-2 zum Einsatz.
Aber die Amerikaner verfügen auch ohne diese Langstreckenflugzeuge über ein breit gefächertes Waffenarsenal in der Region. Das reicht von Kampfjets bis zu seegestützten Tomahawk-Marschflugkörpern. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, Irans noch verbliebene Flugabwehrkapazitäten auszuschalten.
Die Amerikaner könnten ohne Weiteres eine Militärkampagne starten und müssten mit keinem nennenswerten Widerstand rechnen.
Fabian Hinz, Militärexperte, über ein Eingreifen der USA im Iran
Haben Irans Streitkräfte der Schlagkraft der USA überhaupt etwas entgegenzusetzen?
Die Islamische Republik ist nach dem Zwölftagekrieg militärisch massiv geschwächt. Die ohnehin nicht gerade Furcht einflößende, weil veraltete Luftabwehr wurde von Israel fast komplett zerstört.
Insofern ist klar: Die Amerikaner könnten ohne Weiteres eine Militärkampagne starten und müssten mit keinem nennenswerten Widerstand rechnen.
Womöglich wird sich Israel an den Angriffen beteiligen. Wie könnte die Unterstützung aussehen?
Ich glaube nicht, dass sich Israel an einem Militärschlag der USA beteiligen würde.
Was spricht dagegen?
Israels Fähigkeiten und Kapazitäten sind beträchtlich, keine Frage. Aber an die der Vereinigten Staaten reichen sie nicht heran. Hinzu kommt, dass ein militärisches Vorgehen Israels im Nahen Osten immer besonders argwöhnisch bis ablehnend wahrgenommen wird. Auch das spricht aus Sicht der Regierenden in Jerusalem dafür, den USA das Feld zu überlassen.
Irans Führung hat angekündigt, US-Attacken mit Gegenschlägen auf Israel und US-Stützpunkte im Nahen Osten zu beantworten. Was kann Teheran ausrichten?
Die Mullahs setzen in erster Linie auf ein umfangreiches Drohnen- und Raketenarsenal. Darunter sind Waffensysteme, die zum einen dafür bestimmt sind, US-Stützpunkte in der Region anzugreifen, und zum anderen darauf ausgelegt sind, gegen den jüdischen Staat eingesetzt zu werden. Bei Ersterem handelt es sich zumeist um Raketen mit kürzerer Reichweite, die während des Zwölftagekriegs nicht das primäre Ziel der Israelis waren.
Die Iraner verfügen im Persischen Golf über effektive Anti-Schiffswaffen, die eine Bedrohung für die US-Marine bedeuten.
Fabian Hinz, Militärexperte
Heißt das, der Iran ist doch in der Lage, den USA und Israel Schaden zuzufügen?
Zurückzuschlagen wäre für das Regime riskant, aber es hat noch einige Optionen in der Hinterhand. Denken Sie an den Persischen Golf. Die Iraner verfügen dort über effektive Anti-Schiffswaffen, die eine Bedrohung für die US-Marine bedeuten.
Auch könnte Teheran versuchen, den zivilen Schiffsverkehr im Golf zu treffen, der für den Welthandel von großer Bedeutung ist. Zudem ist eine andere Möglichkeit nicht auszuschließen.

© Imago/UPI Photo/Bonnie Cash
Nämlich?
Dass Teheran versuchen wird, nach einem Angriff der Amerikaner auch Israel in den Krieg zu ziehen – sogar dann, wenn sich Jerusalem nicht an einer militärischen Operation der Amerikaner beteiligt. Nur um behaupten zu können, hinter allem stecke letztlich Israel.
Das werden die USA nicht tatenlos hinnehmen, oder?
Wohl kaum. Washington könnte sich genötigt fühlen, die Schläge gegen den Iran auszuweiten.
Inwiefern?
Zum Beispiel, indem die Ölindustrie unter Beschuss genommen wird. Das würde das Regime hart treffen. Denn der Verkauf des Rohstoffs etwa an Russland oder China ist zwar ein Verstoß gegen Sanktionen, aber eine der wenigen noch verbliebenen Geldquellen für die Herrscher in Teheran. Sie werden es sich gut überlegen, ob sie einen Wegfall der Einnahmen riskieren wollen.
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