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Polens Premierminister Donald Tusk.

© REUTERS/YVES HERMAN

Während Trump Grönland droht und Venezuela angreift: Polens Premier mahnt Europa zur Einigkeit – sonst ist es „am Ende“

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk warnt vor dem „Ende Europas“ angesichts der US-Drohungen gegen Grönland und der umstrittenen Venezuela-Intervention. Die EU zeigt unterschiedliche Reaktionen.

Stand:

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat eine eindringliche Warnung zur Zukunft Europas ausgesprochen und erklärt, der Kontinent sei „am Ende“, wenn er nicht geeint auftrete – nach einer Woche, in der sich Brüche in den außenpolitischen Positionen der EU‑Staaten gezeigt hatten. Das berichtet das Nachrichtenportal „Politico“.

Tusk, ein proeuropäischer Zentrist, schrieb am Montag in den sozialen Medien, Europa werde nicht „ernst genommen“, wenn es „schwach und gespalten“ sei: „weder vom Feind noch vom Verbündeten“.

„Es ist schon jetzt klar. Wir müssen endlich an unsere eigene Stärke glauben, wir müssen uns weiter bewaffnen, wir müssen geeint bleiben wie nie zuvor“, schreibt er und fügt hinzu: „Einer für alle und alle für einen. Andernfalls sind wir am Ende.“

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Tusks Warnung erfolgte, nachdem US‑Präsident Donald Trump seine Drohungen erneuert hatte, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen – das selbstverwaltete dänische Territorium, das er seit Langem begehrt.

Trump will in 20 Tagen über Grönland sprechen

Bereits am Sonntag sagte Trump vor Reportern an Bord der Air Force One: „Wir brauchen Grönland aus einer nationalen Sicherheitslage heraus.“ Er fügte hinzu: „Wir werden uns in etwa zwei Monaten mit Grönland befassen. Lasst uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.“

Diese Äußerungen kamen, nachdem die USA Angriffe auf Venezuela gestartet und dessen Staatschef Nicolás Maduro in einer nächtlichen Operation festgenommen hatten.

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Der dramatische Einsatz schürte in Europa die Befürchtung, Washington könnte versuchen, Grönland zu übernehmen, woraufhin die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Trump eine scharfe Abfuhr erteilte.

In einem Interview mit dem dänischen Rundfunk ließ sie am Montag wissen, dass sie keine Zweifel an seinen Absichten habe: „Er hat es immer wieder direkt und indirekt gesagt.“ Und Frederiksen fügte hinzu: „Aber wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.“

Man könne nicht einfach hergehen und einen Teil des Territoriums eines anderen Landes übernehmen. Zahlreiche Regierungschefs von EU-Ländern sowie der britische Premierminister Keir Starmer stellten sich hinter Frederiksens Aussage.

Wir müssen endlich an unsere eigene Stärke glauben, wir müssen uns weiter bewaffnen, wir müssen geeint bleiben wie nie zuvor.

Donald Tusk, polnischer Ministerpräsident

„Dänemark ist immer ein guter Verbündeter gewesen“, sagte sie. Das Land habe sich im vergangenen Jahr um Aufrüstung auf der Arktisinsel bemüht. „Wir sind uns in der Nato einig darin, die Sicherheit im hohen Norden zu verstärken.“

Grönland und Venezuela: So reagieren die EU-Staaten

Am Montagmittag bekannten sich die großen europäischen Partner in einer Stellungnahme zu Grönland. Zu den Unterzeichnern gehörten neben Bundeskanzler Friedrich Merz auch der britische Premierminister Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen. Allein Dänemark und Grönland sollten demnach über Angelegenheiten entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen, heißt es darin.

Auf die US‑Intervention in Venezuela fiel die Reaktion der EU kurz nach dem „Politico“-Bericht unterschiedlich aus. Außenbeauftragte Kaja Kallas rief in einer Stellungnahme zu „Zurückhaltung“ auf, die von 26 Mitgliedstaaten unterstützt wurde – mit Ausnahme Ungarns.

Spanien hingegen distanzierte sich von der EU und schloss sich fünf lateinamerikanischen Ländern in einer deutlich schärfer formulierten Erklärung an, in der Washingtons Angriff auf die Souveränität Venezuelas verurteilt und gefordert wurde, die natürlichen Ressourcen des Landes nicht auszubeuten – vor dem Hintergrund von Trumps Ankündigung, dessen Ölfelder zu übernehmen.

Während die meisten EU‑Mitgliedsstaaten eigene, vorsichtig formulierte Erklärungen veröffentlichten, in denen sie zur Achtung des Völkerrechts aufriefen, schlug Italien aus Sicht des Nachrichtenmagazins einen zustimmenderen Ton an und bezeichnete militärisches Handeln als „legitim bei hybriden Sicherheitsangriffen“.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hingegen äußerte sich scharf und sagte, das Eindringen der USA in Venezuela sei „ein weiterer Beweis für den Zusammenbruch der Weltordnung“. Und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán schrieb am Montag in einem Facebook‑Post, die „liberale Weltordnung befindet sich in Auflösung“. (Tsp/dpa)

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