Auflösung des biografischen Osterrätsels 2020 : Weil wir nur die eine Erde haben

Früh erkannten sie die Bedeutung der Natur - und setzten sich dafür ein. Zehn Persönlichkeiten und ihr ganz besonderes Engagement für die Umwelt

Lina Hähnle
Lina HähnleFoto: Nabu/Archiv

1 Lina Hähnle (1851–1941) wurde 1899 Vorsitzende des neu gegründeten Bundes für Vogelschutz. Als Ehefrau eines Fabrikanten musste sie nicht sparen und lebte doch bescheiden. Sie kümmerte sich um Arbeiterkinder, trug schlichte Kleider und fuhr in der Eisenbahn „Holzklasse“. Die Hutmode der Damen – mit riesigen Vogelfedern – geißelte sie. Unter den Nazis wurde Hähnles Verein zum „Reichsbund für Vogelschutz“, Juden wurden ausgeschlossen. Hähnle blieb bis 1938 Vorsitzende. Im Jahr ihres Todes wurde einer ihrer Söhne im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“ -Programmes ermordet.

Plinius d. Ältere
Plinius d. ÄltereFoto: imago/leemage


2 Plinius der Ältere (23–79 n.Chr.) machte Karriere als Offizier im Imperium Romanum, gleichzeitig war der Autor der „Naturalis historia“ einer der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit. In seinem Werk kritisierte er den römischen Bergbau in Spanien als Raubbau an der Natur. Als Kommandant der römischen Flotte im Golf von Neapel wurde er Augenzeuge des für Pompeji vernichtenden Vesuvausbruchs im Jahre 79, den er nicht überlebte. Wahrscheinlich erlag er einem Herzinfarkt.

Jakob Johann von Uexküll
Jakob Johann von UexküllFoto: akg-images


3 Jakob Johann von Uexküll (1864–1944) war ein bedeutender Biologe und Zoologe. Geboren wurde er auf Gut Keblas im heutigen Estland. Er studierte an der Universität Dorpat und seit 1888 an der Universität Heidelberg. Er führte den Begriff der Umwelt in die Wissenschaft ein. Tiere sah er nicht als Objekte, sondern als Subjekte. 1926 gründete er das Institut für Umweltforschung an der Universität Hamburg, das er bis 1940 leitete. 1933 hat er die Treueerklärung deutscher Professoren für Adolf Hitler unterschrieben. Davon blieb aber der Wert seines Werkes unberührt.

Polly Higgins
Polly HigginsFoto: Ashley Cooper/p-a

4 Polly Higgins (1968-2019) hatte ihre Kindheit nahe dem schottischen Loch Lomond verbracht. Sie arbeitete erfolgreich als Rechtsanwältin, bevor sie ihre juristischen Kenntnisse unbezahlt für den Planeten einsetzte. Ihr Ziel war es, den Ökozid – die Störung des ökologischen Gleichgewichts durch Umweltverschmutzung – international als Verbrechen anzuerkennen. Bis heute ist das nicht gelungen. Nach wie vor ist der Inselstaat Vanuatu, mit dem sie zuletzt zusammenarbeitete, aufgrund des Klimawandels dem Untergang geweiht. Und niemand wird deswegen angeklagt.

Jürgen Dahl
Jürgen DahlFoto: Jürgen Dahl


5 Jürgen Dahl (1929 – 2001), arbeitete als Buchhändler, Journalist und Autor. Seine Gartenkolumnen waren beliebt, doch um dekorative Pflanzungen ging es ihm nicht. Er lehrte ökologische Zusammenhänge, warnte vor der Naturzerstörung und kritisierte vehement den immensen Gebrauch von Pestiziden. Seinen Zier- und Nutzgarten bei Kleve öffnete er für Besucher.

Lina Hähnle
Lina HähnleFoto: Hubert Link/p-a


6 Erna Kretschmann (1912 –2001) bildete zusammen mit ihrem Ehemann Kurt ein legendäres Naturschutzteam in der DDR. In manchen Quellen wird sie als guter Geist im Hintergrund apostrophiert, dabei war sie womöglich die treibende Kraft. Ohne Erna Kretschmann hätte es die Naturschutz-Eule wohl nicht gegeben. 1960 gründete das Ehepaar das Haus der Naturpflege in Bad Freienwalde mit großem Schau- und Lehrgarten. Heute ist das Areal als Museum zu besichtigen. Erna Kretschmann erhielt Auszeichnungen in der DDR, später würdigte auch die Bundesrepublik Deutschland ihr Engagement.

Douglas Tompkins
Douglas TompkinsFoto: Daniel Garcia/AFP

7 Douglas Tompkins (1943–2015), aufgewachsen im Bundesstaat New York, begeisterte sich fürs Wandern, Skifahren, Bergsteigen, Kajakfahren. Die passende Kleidung produzierte er bald selbst und kreierte die Marke The North Face. Später gründete er das Label Esprit. Sein Geld – und er verdiente viel im Leben – gab er in Südamerika mit vollen Händen aus. Er wurde zum größten Privatgrundbesitzer Chiles. Dass es dort nun zahlreiche, riesige Nationalparks gibt, ist sein Verdienst.

John Muir
John MuirFoto: imago images


8 John Muir (1838–1914) hatte viele Begabungen, war Naturphilosoph und Schriftsteller, Ingenieur und Erfinder. Berühmt wurde der gebürtige Schotte in den USA. 1902 gründete er dort mit anderen zusammen den Sierra Club, der als erste moderne Naturschutzorganisation gilt; als Aktivist setzte er sich für den Schutz der Wildnis ein. Muir, ein passionierter Wanderer, gilt als Vater der amerikanischen Nationalparks.

Wangari Maathai
Wangari MaathaiFoto: Olivier Morin/AFP


9 Wangari Maathai (1940 - 2011). Anfang der 1970er Jahre pflanzt eine junge Biologin ihren ersten Baum – und startet eine Bewegung, die weit über ihre Heimat Kenia hinausgeht. Wangari Maathai zeigt, dass es ohne Wurzeln kein Leben geben kann, weder ökologisch noch sozial. So wird sie zum Vorbild für ihr Land und zur Hoffnungsträgerin eines ganzen Kontinents. Der von ihr initiierte „Grüne Gürtel“ zwischen West- und Ostafrika ist sogar vom Weltraum aus zu erkennen. Wangari Maathai wird 1984 mit dem Alternativen Nobelpreis und 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Als sie 2011 stirbt, besteht ihr Erbe  aus drei Milliarden Bäumen.

Heinz Sielmann
Heinz SielmannFoto: picture alliance/dpa

10 Heinz Sielmann (1917–2006) war ein ausgezeichneter Tierfilmer, Publizist und Naturschützer. Schon früh begeisterte er sich für die Tierfotografie. Mit Joseph Beuys verband ihn eine enge Freundschaft. Der Durchbruch als Tierfilmer gelang ihm mit dem Kinofilm „Lied der Wildbahn“ 1948/49, dem über 250 Produktionen folgten. Mit seiner Frau gründete er 1994 die Heinz Sielmann Stiftung.

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