Ausstellung an den Osterfeiertagen : Kunst vom Balkon

Einladung zum „intimen Spaziergang im Rahmen geltender Vorschriften“: Für eine Ausstellung in Prenzlauer Berg am Ostermontag präsentieren sich Kunstschaffende auf ihren Balkonen.

Balkon statt Galerie: Im Rahmen einer Kunstaktion stellen Künstler von ihren Balkonen Werke aus.
Balkon statt Galerie: Im Rahmen einer Kunstaktion stellen Künstler von ihren Balkonen Werke aus.Foto: Christophe Gateau/dpa

Es könnte sein, dass Sie am Sonntag um ein Wort gebeten werden. Dann sitzt Stine Marie Jacobsen in einem Fenster ihrer Wohnung und interviewt Passanten. Die in Berlin lebende Künstlerin befasst sich seit Längerem mit der deutschen Sprache – und der Frage, wie sie damit konzeptuell arbeiten kann. 

Wer ihr antwortet, erweitert also zum einen Jacobsens Werk. Zum anderen ist er mitten in der Ausstellung „Die Balkone“, die an beiden Osterfeiertagen (von 13–22 Uhr) in Prenzlauer Berg stattfindet.

Ausgedacht haben sich das die Kuratorinnen Övül Ö. Durmusoglu und Joanna Warsza. Rasend schnell, ein echtes „Corona-Projekt“, wie Warsza sagt. Isoliert euch, schallt es gerade von überall, bleibt zu Hause. 

Als eine von vielen Konsequenzen finden Ausstellungen derzeit überhaupt nicht, Live-Ereignisse nur ohne Publikum statt. Aber es gibt ja noch Balkone: halböffentliche Räume, in denen niemand gegen das Gebot verstößt, wenn er auf kleinem Raum Arbeiten präsentiert, performt oder sonst wie seinen Ideen Ausdruck verleiht. 

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Und genau dies passiert, wenn Künstlerinnen und Künstler wie Rosa Barba, Ulf Aminde, Yael Bartana, Olaf Nicolai oder Stine Marie Jacobsen die Balkone, den Wintergarten und im Notfall eben ihre Fensterplätze für den persönlichen Auftritt nutzen.

Joanna Warsza war selbst davon überrascht, wie viele Kulturschaffende in ihrer Nachbarschaft leben. Über 50 machen mit, einige teilen sich den Ort. Ein Plan mit Markierungen für den „intimen Spaziergang im Rahmen geltender Vorschriften“ gibt es hier auf Facebook

Und klar, dass der Zuspruch gewaltig sein wird: Das Berliner Publikum ist nach Wochen der Zurückhaltung hungrig auf Begegnungen mit Künstlern – selbst wenn man ihnen nur zuwinken kann.

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