
© Reprodukt-Verlag
Ausstellungen, Lesungen, Workshops: Volles Programm für den Comic-Winter
Abenteuerliche Philosophie mit Gilles Deleuze, Lucky Luke und die Digedags: Ein Ausblick auf die wichtigsten Comicveranstaltungen der kommenden Monate.
Stand:
Gute Zeiten für Comic-Fans, die Zeichnerinnen und Zeichner live erleben, sich intensiver mit deren Werk beschäftigen oder ihre Arbeiten als Originale sehen möchten: In den kommenden Wochen gibt es bundesweit zahlreiche Comic-Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Ein aktualisierter Überblick.
Buchpräsentation zu „Salut, Deleuze!“ mit Jens Balzer und Martin tom Dieck bei Modern Graphics am 16. Januar
Über drei Jahrzehnte haben der Autor und studierte Philosoph Jens Balzer und der Zeichner und Illustrationsprofessor Martin tom Dieck daran gearbeitet, das Werk und die Person des Ende 1995 gestorbenen Philosophen Gilles Deleuze in Comicform zu würdigen. In einer Trilogie ließen sie den einflussreichen Vordenker des Poststrukturalismus ins Totenreich reisen, wo er unter anderem mit seinen Freunden Jacques Lacan, Michel Foucault und Roland Barthes abenteuerliche Dinge erlebt.

© Reprodukt-Verlag
Kürzlich wurden die drei Bücher „Salut, Deleuze!“, „Neue Abenteuer des unglaublichen Orpheus“ und „Holy Deleuze!“ im Berliner Reprodukt-Verlag in einem Band zusammen neu aufgelegt. Am 16.1. um 19.30 Uhr präsentieren Jens Balzer und Martin tom Dieck ihr Werk bei einer Veranstaltung im Berliner Fachgeschäft Modern Graphics (Kastanienallee 79, 10435 Berlin) und lesen mit verteilten Rollen aus ausgewählten Passagen.
6. bis 8. Februar: Kindercomicfestival „Yippie!“ in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach, Hofheim und Bad Vilbel
Das Kindercomicfestival „Yippie!“ hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Institution für den Lesernachwuchs entwickelt. Im Februar 2026 findet es zum achten Mal in Frankfurt am Main und Umgebung statt, gefördert von zahlreichen Institutionen, Vereinen und Unternehmen. Erneut hat das Organisationsteam um Comic-Netzwerker Jakob Hoffmann und den Verein Raum 121 ein prominent besetztes Programm mit internationalen Szene-Stars zusammengestellt.

© Beltz & Gelberg
Zu Comic-Lesungen in Schulen, Workshops mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Comic-Live-Auftritten kommen vom 6. bis 8. Februar dieses Mal unter anderem Anke Kuhl („Pferde, Tränen, Lachanfälle“), Axel Scheffler („Der Grüffelo“, „Der Tag, an dem die Hunde zu sprechen begannen und weitere Geschichten“), Guillaume Perreault („Der Weltraumpostbote – Panik im Postamt“), Tanja Esch („Ulf und die entführte Lehrerin“), Philip Waechter („Toni will ans Meer“), Regina Kehn („Einmal kurz nicht aufgepasst“) , Mikael Ross („Goldjunge“), Ulf K. („Frederike Fabula – Der Schlaf der Kutula“), Ferdinand Lutz und Dominik Merscheid („Rosa und Louis“), Ayse Klinge („Der Zahn“) und Wauter Mannaert („Quest“).

© Klett Kinderbuch Verlag
Die nach unterschiedlichen Altersgruppen gestaffelten Veranstaltungen richten sich an Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, Veranstaltungsorte sind neben Frankfurt auch Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach, Hofheim und Bad Vilbel. Das Programm ganze Programm gibt es auf der Website des Festivals.

© Mikael Ross / Raum 121 e.V.
Veranstaltungen mit Moritz Stetter zu „Die Knef“
Der Hamburger Zeichner Moritz Stetter hat sich mit biografischen Arbeiten wie der Graphic Novel „Mythos Beethoven“, der Kafka-Adaption „Das Urteil“ sowie als einer der Initiatoren des außergewöhnlichen Comic-Projekts „Wie geht es Dir?“ zu den Folgen des 7. Oktober 2023 einen Namen gemacht.

© Carlsen
Ende Oktober ist ein neuer biografischer Comic erschienen, an dem Stetter zweieinhalb Jahre gearbeitet hat: „Die Knef“. Darin zeichnet er die Lebensgeschichte der Sängerin („Für mich soll’s rote Rosen regnen“), Schauspielerin und Schriftstellerin zwischen Deutschland und den USA nach. Ende 2025 jährte sich der Geburtstag von Hildegard Knef zum hundertsten Mal.
Stetter präsentiert das Buch bei mehreren Veranstaltungen:
- 11. Januar 2026: Lesung im Künstlerhaus Hannover
- 14. Januar 2026: Lesung in der Stadtbibliothek Stuttgart
Bis 12. April 2026:
Vor 80 Jahren hatten die Mumins ihren ersten Auftritt. In einer Münchner Familienausstellung kann man die Trollwesen der Künstlerin Tove Jansson ab dem 18. Dezember näher kennenlernen. Unter dem Titel „Die Welt der Mumins“ will die Schau Besucherinnen und Besucher mitnehmen ins Mumintal, „wo Geborgenheit, Freundschaft und Humor herrschen, aber auch eine Prise Anarchie und Rebellion“, wie es in der Ankündigung heißt. Zu sehen gibt es unter anderem Originalillustrationen, Animationen und interaktive Stationen.

© Moomin Characters TM
Bis 6. April 2026: Ausstellung „Lucky Luke 80 – Das Artwork“ in Dortmund
2026 ist es 80 Jahre her, dass Lucky Luke seinen ersten Auftritt hatte. Der Schauraum Comic + Cartoon feiert den „ältesten und langlebigsten Comic-Cowboy der Welt“ mit einer neuen Ausstellung: „Lucky Luke 80 – Das Artwork“. Zu sehen sind laut Ankündigung ausschließlich getuschte Original-Comicseiten.

© 2025 Lucky Comics / The Estate of Maurice de Bevere
„Die Ausstellung präsentiert seltene Originalseiten, -zeichnungen sowie Archivalien und Erstveröffentlichungen von 1946 bis heute“, heißt es in der Ankündigung der von Alexander Braun kuratierten Schau. Herausragend seien dabei die Originalseiten von Lucky-Luke-Erfinder Maurice De Bevere alias Morris (1923–2001) aus den 1950er- und 1960er-Jahren, die von René Goscinny (1926–1977) betextet wurden.
„Zu Lebzeiten des Zeichners und seiner Frau/Witwe war dergleichen nicht möglich, weil Morris nie eine Seite aus dem Haus gelassen hat“, ist in der Ausstellungsankündigung zu lesen. „Die heutige Erbengemeinschaft ist da etwas weniger streng, sodass sich seit einem Jahr circa zwei Dutzend Seiten im Besitz von Privatsammlern befinden.“
Bis 8. Februar 2026: Ausstellung „Böse! Widerstand und Verbrechen – 160 Jahre Max und Moritz“ in Hannover
Vor 160 Jahren wurde Wilhelm Buschs Bilderzählung „Max und Moritz“ veröffentlicht, die als Vorläufer des modernen Comics gilt. Zum Jubiläum gibt es im Wilhelm-Busch-Museum Hannover eine Ausstellung, die ab dem 27. September einigen grundlegenden Fragen rund um die „vielleicht berühmtesten, wildesten und ungezogensten Lausebengel der Welt“ nachgeht, wie es in der Ankündigung heißt.

© Archiv MUSEUM Wilhelm BUSCH
„Böse?! Widerstand und Verbrechen – 160 Jahre Max und Moritz“, lautet der Titel der Ausstellung, die darin behandelten und mit vielen Originalzeichnungen illustrierten Fragen fast das Museum so zusammen: „Ist ‘Max und Moritz’ eigentlich für Kinder geeignet? Wer kennt die beiden heute, was verbindet man mit ihnen und wie entstand die Bildergeschichte? Wie blicken Zeichner*innen heute auf Max und Moritz? Was hat Buschs Auseinandersetzung mit Widerstand, Schadenfreude und widerborstigem Verhalten mit seiner eigenen Biografie zu tun? Und wie gegenwärtig sind diese Themen in unserer Gesellschaft?“

© Julia Steinmetz
Neben Zeichnungen, Skizzenbüchern, Karikaturen, Gemälden, Bildergeschichten von Wilhelm Busch zeigt das Museum laut Ankündigung auch Videos und historische Fotografien aus der eigenen Sammlung. Außerdem gibt es Arbeiten aktueller Zeichnerinnen und Zeichner zu sehen, die sich mit Buschs Werk befasst haben. Vertreten sind unter anderem Greser und Lenz, Ruth Hebler, Isabel Kreitz, Nicolas Mahler, Marie Marcks, Ronald Searle, Julia Steinmetz, Franz Suess, Tomi Ungerer, F. K. Waechter und Studierende der HAW Hamburg, wo Anke Feuchtenberger als Professorin unterrichtet.
Bis 22. Februar 2026: Flix-Ausstellung in Frankfurt
Seit 2024 gibt es im Caricatura Museum Frankfurt neben dem zentralen Ausstellungsbereich zusätzlich den „Caricatura Salon“, der neben den großen Karikaturen- und Cartoon-Ausstellungen des Hauses Platz für Comic, Illustration und andere verwandte Kunstformen bieten soll. Bis zum 22. Februar wird hier eine Ausstellung mit Arbeiten des Berliner Comiczeichners Flix gezeigt, der lange auch für den Tagesspiegel gearbeitet hat.

© Flix/Caricatura
In Frankfurt sind Flix-Zeichnungen zu drei seiner jüngeren Werke zu sehen, wie das Museum ankündigt: Es gibt Originalseiten, Skizzen und das Covermotiv der „Superman“-Geschichte zu sehen, die Flix kürzlich für den Sammelband „Superman: The World“ des US-Verlages DC Comics beigesteuert hat. Dazu kommen Illustrationen aus seinem kürzlich erschienenen ersten Jugendroman „Immerland“ sowie Comics aus seiner FAZ-Serie „Glückskind“.
Bis 12. April 2026: Ausstellung „Ich, das Tier. Vom bösen Wolf bis Donald Duck – Tiere im Comic“ in Kassel
Der populäre Ausstellungsmacher Alexander Braun hat sich in seiner neuen Schau einem Thema gewidmet, das zahlreiche erfolgreiche Veröffentlichungen auszeichnet: Tiere im Comic. In der Grimm-Welt Kassel, die die Märchenwelt der Brüder Grimm aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, ist bis zum 12. April kommenden Jahres Brauns Ausstellung „Ich, das Tier. Vom bösen Wolf bis Donald Duck – Tiere im Comic“ zu sehen.

© GRIMMWELT Kassel, Foto: Nicolas Wefers
Das Spektrum der rund 200 Exponate reicht von Pionieren der Comicgeschichte wie George Herrimans Zeitungs-Strip „Krazy Kat“ bis zu zeitgenössischen deutschen Arbeiten von Josephine Mark („Trip mit Tropf“) und Ralf König. Ein umfangreicher Katalog erscheint Anfang September bei Panini. Weitere Informationen auf der Veranstalter-Website.
Bis 11. Januar 2026: Ausstellung der Berliner Comic-Stipendiaten im Museum für Kommunikation Berlin
Mit der Unterstützung der Comicszene hat Berlin in den vergangenen acht Jahren Maßstäbe gesetzt. Und trotz der aktuellen Sparzwänge setzt die Landesregierung ihre 2017 gestarteten Comicstipendien bis auf Weiteres fort. Im Museum für Kommunikation gibt es aktuell einen Einblick in die zuletzt unterstützten Projekte.

© Mikael Ross / Museum für Kommunikation Berlin
Bis zum 11. Januar 2026 sind dort ausgewählte Arbeiten aus den in diesem Jahr geförderten Projekten zu sehen. Vertreten sind die Künstlerinnen und Künstler Matías Boettner, Katia Fouquet, Paula Kempker und Clayton Junior, der das Kulturaustauschstipendium 2025/26 für Paris erhalten hat. Außerdem gibt es Werke von Zeichnerinnen und Zeichnern zu sehen, die in den Vorjahren das Paris-Stipendium erhalten hatten: Burcu Türker, Sophie Artz, Karolina Chyzewska, Kai Pfeiffer, Sheree Domingo Betz und Bianca Schaalburg. Weitere Informationen auf der Veranstalter-Website.
Bis 31. Mai 2026 Ausstellung „Mythos Mosaik? Hannes Hegen, sein Werk und die Fans“ in Leipzig
Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig hat in den vergangenen Jahren wiederholt die ostdeutsche Comicgeschichte in den Fokus genommen. Jetzt zeigt das Museum, das auf deutsch-deutsche Themen spezialisiert ist, eine weitere Ausstellung zu einem Comic-Magazin, das nicht nur in der DDR enorm populär war, sondern auch im wiedervereinigten Deutschland zu den meistverkauften Comicpublikationen gehört.

© Zeitgeschichtliches Forum Leipzig / Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag
Unter dem Titel „Mythos Mosaik? Hannes Hegen, sein Werk und die Fans“ geht es neben den Ursprüngen des erfolgreichen Magazins und dem Werk von „Mosaik“-Begründer Hannes Hegen (1925 - 2014) auch um dessen große Bedeutung für seine Leserinnen und Leser. Ein besonderes Augenmerk liegt laut Ankündigung auf der Fankultur: „Einblicke in die Szene zeigen, dass die Begeisterung für das Mosaik bis heute ungebrochen ist.“ Die Ausstellung wurde zum Teil zusammen mit einer Fangruppe kuratiert, zu den Ausstellungsstücken gehören Nachbauten wichtiger Elemente aus den Comic-Geschichten und Fanzines aus den 1990er Jahren.
Bis 31. August 2026: Comic-Ausstellung „Sheroes. Comic Art from Africa“ in Frankfurt
Das Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main gibt ab Herbst neue Einblicke in die Comic-Szene in Afrika. Die Ausstellung „Sheroes. Comic Art from Africa“ rücke besonders weibliche Hauptfiguren und Perspektiven in den Mittelpunkt, teilte das von der Stadt getragene Ausstellungshaus am Museumsufer mit.

© „Moongirls“ / Nana Akosua Hanson, Studio AnimaxFYB
Die Schau ist vom 1. November 2025 bis zum 31. August 2026 zu sehen. Die Spannbreite der Exponate reiche von „Superheldinnen, die in Verbindung mit lokalen Gottheiten gegen Umweltkatastrophen kämpfen, über junge Frauen, die ihren urbanen Alltag meistern, bis hin zu Protagonistinnen, die sich für die Rechte der LGBTQ+-Community einsetzen oder als Geschichtenerzählerinnen für eine gerechtere Verteilung von Wissen eintreten“, hieß es. Mehr dazu in diesem Artikel.
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