Eröffnung des Magdeburger Dommuseums : Bei Otto und Editha

Der prächtige gotische Dom zu Magdeburg ist Wahrzeichen der Stadt. Das „Ottonianum“, ein neues Museum, erklärt, wie er entstanden ist.

Die Grabplatte des Erzbischofs Ernst von Sachsen stammt aus dem 3-D-Drucker. Das Original ist im Dom.
Die Grabplatte des Erzbischofs Ernst von Sachsen stammt aus dem 3-D-Drucker. Das Original ist im Dom.Foto: Tim Hufnagl

Füllte man den Magdeburger Dom komplett mit Stühlen, könnten 2100 Menschen dort Platz nehmen. Innen ist er 32 Meter hoch, vier Meter dick sind die Mauern im unteren Bereich. 300 Jahre gingen ins Land, bis der riesige gotische Bau – der erste in Deutschland – im Jahre 1520 endlich fertig war.

Dass nicht alles nach Plan verlief, kann man jetzt auf einem Video nachverfolgen und die verschiedenen Bauabschnitte interaktiv vor- und zurückspulen, gleichsam in die Rolle der Architekten schlüpfen. Die spannende Zeitmaschine ist Teil des neuen Magdeburger Dommuseums, das, wohl um seine Modernität zu unterstreichen, den Namen „Ottonianum“ trägt. Eingezogen ist es in die Räume der einstigen Reichsbank aus den 20er Jahren – direkt gegenüber dem Dom.

Zwischen den Säulen der Schalterhalle, vom Zürcher Architektenbüro Kobler Holzer im Shabby Look freigekratzt, werden auch reale Schätze präsentiert. Einige davon wurden bei Dom- und Domplatzgrabungen in jüngster Zeit gefunden. Einen Ehrenplatz hat der Bleisarkophag von Königin Editha, der ersten Frau von Otto dem Großen. Die erst bei den Grabungen wieder entdeckten Gebeine der mit 36 Jahren früh Verstorbenen ruhen nun dort, wo sie hingehören: in einer Gruft des Doms. Im Sarkophag allerdings fand man Reste feiner Seidenstoffe und – kurioserweise – Beinchen und Schuppen von Insekten. Wissenschaftler glauben, dass es Bettwanzen waren, die einst mit der Königin bestattet worden waren.

Das Dommuseum ist ein Glücksfall für Magdeburg

Ein kostbarer Brokatschuh aus dem Grab des Erzbischofs Wichmann von Seeburg aus dem 12. Jahrhundert ist zu sehen, aber auch ein korinthisches Kapitell, das Otto I. aus Italien anliefern ließ – ganz in der Tradition kaiserlichen Prunks römischer Cäsaren bis zu Karl dem Großen. Ein Kleinod hingegen ist ein goldenes Löwenköpfchen, wohl einst Bestandteil eines Bischofsstabes.

Das Museum zog in die einstige Reichsbank aus den 20er Jahren.
Das Museum zog in die einstige Reichsbank aus den 20er Jahren.Foto: Tim Hufnagl

Das Dommuseum ist ein Glücksfall für Magdeburg und könnte mehr Touristen in die Stadt locken. Bis dato kamen sie nur des Domes wegen, bestaunten kurz die Alabasterkanzel sowie die Skulpturen von den zehn klugen und törichten Jungfrauen – und fuhren wieder weg. Dabei bleibt die Kathedrale, so nah an der Elbe, natürlich das Wahrzeichen Magdeburgs. Und das Original der reich verzierten Grabplatte des Erzbischofs Ernst von Sachsen hat im Dom seinen angestammten Platz. Nah ran kommt man dort nicht. Das nun gelingt bei der Kopie im Ottonianum, wo man die Kunst umrunden kann. Sieht aus wie echt, stammt aber aus dem 3-D-Drucker.

Vom Museum aus haben Besucher „den schönsten Blick auf den Dom“, sagt Heinrich Natho, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Und den können sie bei Kaffee und Kuchen genießen, denn das Ottonianum hat neben dem obligatorischen Museumsshop auch ein nettes Café.

Essen und Übernachten in Magdeburg: Culinaria, modern interpretierte Hausmannskost, direkt am Fluss: Schleinufer 52, 39104 Magdeburg, T. 0391 55579745
Motel One Magdeburg, exzellente Lage direkt am Dom, in historischen Mauern: Domplatz 5, 39194 Magdeburg, T. 0391 5555450

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