Highlights für das Humboldt Forum : In eleganter Siegerpose

Eines Königs würdig: Peter Langen erinnert an Friedrich III. und an die Generationen von Hohenzollern, die das Schloss lange prägten.

Peter Langen Roland Will Elke Maciejewski
Standhaft. 1701, 13 Jahre nach der Fertigstellung der Statue, krönte sich Friedrich III. zum ersten König in Preußen Friedrich I.
Standhaft. 1701, 13 Jahre nach der Fertigstellung der Statue, krönte sich Friedrich III. zum ersten König in Preußen Friedrich I.Fotos: © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/Roland Handrick

Locker, in eleganter Siegerpose steht er da. Die marmorne Statue zeigt Friedrich III. von Brandenburg im Jahr seines Regierungsantritts im Hermelinmantel eines Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Friedrich beauftragte den niederländischen Bildhauer Bartholomeus Eggers 1688 mit der Statue. Sie komplettierte eine Serie aller brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus Hohenzollern, die bereits Friedrichs Vater und Vorgänger Friedrich Wilhelm bei Eggers in Auftrag gegeben hatte. Die 16 Standbilder – darunter neben den Kurfürsten auch vier römische beziehungsweise römisch-deutsche Kaiser – dominierten den zwischen 1681 und 1685 errichteten Alabastersaal des Berliner Schlosses. Mit diesem Skulpturenschmuck diente er als Ruhmeshalle der Dynastie. Eindrucksvoll demonstrierte die Reihe der Statuen die jahrhundertelange Kontinuität und Tradition der Hohenzollern als Herrscher über Brandenburg und Kurfürsten des Reichs.

Er betrieb sein Vorhaben nicht auf diplomatischem Parkett

Ein zeitgenössischer Autor empfand den neuen repräsentativen Hauptsaal als eines Königs würdig: eine Wahrnehmung, die Friedrich III. nur recht sein konnte. Denn der Kurfürst strebte nach der Königskrone, um auf Augenhöhe mit den Monarchen Europas agieren zu können. Innerhalb des Reichs war dies nicht möglich, aber mit dem Herzogtum Preußen verfügte Friedrich III. über ein für die neue Königswürde geeignetes Territorium. Sein Vorhaben betrieb er nicht nur auf diplomatischem Parkett, auch mit Mitteln der Baupolitik zielte Friedrich III. darauf, seinen Anspruch auf die Königswürde zu untermauern. Im Zentrum stand dabei das Berliner Schloss und nicht das mit der preußischen Königswürde verbundene Königsberg.

Die Baumeister Andreas Schlüter und sein Nachfolger Johann Friedrich Eosander von Göthe verwandelten durch ihren monumentalen Aus- und Umbau die kurfürstliche Residenz in ein königliches Schloss von europäischem Niveau. Diesen zu Stein gewordenen Ausdruck des Strebens Friedrichs III. nach der Königswürde macht das Humboldt Forum mit seinen rekonstruierten barocken Fassaden nun wieder erlebbar.

Ab 1728 schmückten die Statuen den Weißen Saal im Schloss

1701, 13 Jahre nach der Fertigstellung der Statue, krönte sich Friedrich III. in Königsberg zum ersten König in Preußen mit dem Namen Friedrich I. Bei den ambitionierten Umbauarbeiten am Schloss war der Alabastersaal verkleinert worden, und der neue Rittersaal übernahm mehr und mehr seine Funktion. So geriet die Serie der Kurfürstenfiguren zunächst ein wenig ins Abseits. Doch die nachfolgenden Generationen entdeckten die Aussagekraft der Kurfürstenstatuen als Ausdruck der dynastischen Tradition wieder. Ab 1728 schmückten sie den unter König Friedrich Wilhelm I. neu errichteten, repräsentativen Hauptsaal des Berliner Schlosses, den Weißen Saal. Dort verblieben sie auch nach der Neugestaltung des Saals im Jahr 1844. Erst Kaiser Wilhelm II. ließ die Statuen Ende des 19. Jahrhunderts beim erneuten Umbau des Weißen Saals entfernen und getrennt voneinander an unterschiedlichen Orten im Schloss aufstellen.

Die Statuen werden im dritten Obergeschoss des Schlosses zu sehen sein

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Statuen ab 1953 im Neuen Palais in Potsdam ausgestellt. Als Leihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg werden sie künftig im dritten Obergeschoss der Treppenhalle im Humboldt Forum zu sehen sein und an die Generationen der Hohenzollern erinnern, die diesen Ort jahrhundertlang prägten.

So wie die Statuen Friedrichs III. und seiner Vorgänger werden im Humboldt Forum an vielen anderen Stellen authentische Zeugnisse der Geschichte des Ortes präsent sein – zum Beispiel im Schlosskeller mit seinen archäologischen Funden aus Mittelalter, Barock und 20. Jahrhundert, oder im Skulpturensaal mit dem originalen Bauschmuck des Barockschlosses. Darüber hinaus lässt sich die Geschichte des Ortes anhand der sogenannten Spuren im ganzen Haus entdecken. Über alle Etagen verteilt werden an knapp vierzig Stellen Kunstwerke, Filme oder historische Alltagsgegenstände an die vielfältigen Nutzungen dieses Ortes über die Jahrhunderte erinnern. Das Humboldt Forum und seine heutige Form erklären sich nur aus der spannenden und widersprüchlichen Geschichte dieses Ortes.

Mehr zum Thema

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben