Israel und die Boykott-Bewegung BDS : Berlinale weist Kritik Israels zurück

Deutschland soll keine Kultur fördern, die der Boykottbewegung BDS nahe steht: Gegen diese Kritik aus Israel setzt sich jetzt auch die Berlinale zur Wehr.

Stein des Anstoßes? Der palästinensische Dokumentarfilm „Ghost Hunting“ gewann 2017 den Dokumentarfilmpreis der Berlinale.
Stein des Anstoßes? Der palästinensische Dokumentarfilm „Ghost Hunting“ gewann 2017 den Dokumentarfilmpreis der Berlinale.Foto: Les Films de Zayna/Arte

Das Schreiben, das Israels Premier Netanjahu im Oktober Kanzlerin Merkel übergab, enthielt neben der Aufforderung, das Jüdische Museum Berlin und diverse NGOs nicht länger staatlich zu unterstützen, auch Kritik an der Berlinale. Das Festival lade regelmäßig Aktivisten der israelkritischen Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) ein, auch finanziere der Bund Filme von BDS-Unterstützern. Die Regierung solle die Beendigung solcher Praktiken zur Bedingung für weitere Förderung machen.

Die genaue Herkunft des Briefs ist nach wie vor unklar. Er stammt wohl aus Regierungskreisen, erst kürzlich geriet er an die Öffentlichkeit.

Das Festival sei frei in der Auswahl der Filme, heißt es nun seitens der Berlinale, auch sei nie Druck etwa vom BDS ausgeübt worden. Die Bewegung mit ihrer scharfen Kritik an so gut wie jedem Künstler, der in Israel auftritt oder das Land nicht offensiv kritisiert, ist umstritten.

„Der Gründungsgedanke der Berlinale war, zur Völkerverständigung beizutragen“, sagte Festivalchef Dieter Kosslick auf Anfrage. Dazu gehöre die Präsentation unterschiedlicher Perspektiven auf die Welt. „Die Sichtweisen können kontrovers sein, aber unsere Aufgabe ist es, uns für die Freiheit der Kunst im Rahmen der demokratischen Grundordnung einzusetzen. Die Kunstfreiheit und die Meinungsfreiheit sind Grundrechte.“

Hat die Kritik mit dem Berlinale-Preis für einen palästinensischen Film zu tun?

Über die Hintergründe des Schreibens aus Israel kann man nur Mutmaßungen anstellen: Der britische Filmemacher Ken Loach, prominenter Unterstützer des BDS, erhielt 2014 den Goldenen Ehrenbären der Filmfestspiele, die Berlinale zeigte öfter Filme von ihm, wie die anderen großen internationalen Festivals auch. 2017 ging der neu ins Leben gerufene Dokumentarfilmpreis an „Ghost Hunting“ des palästinensischen Regisseurs Raed Andoni, der sich mit Verhörpraktiken des israelischen Geheimdiensts auseinandersetzt.

Und „Foxtrott“, die aktuell am Oscar-Rennen beteiligte militärkritische Farce des Israelis Samuel Maoz, ist eine israelisch-deutsch-französische Koproduktion - die 2017 auf dem Filmfest Venedig ihre Weltpremiere feierte.

Grütters verteidigt die künstlerische Autonomie der Berlinale

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) habe die Bedenken der israelischen Regierung zur Kenntnis genommen, heißt es aus der Bundes-Kulturbehörde. Man schätze und schütze jedoch die Autonomie der Berlinale in künstlerischen Fragen." Dabei verstehe es sich von selbst, "dass die Berlinale weder den erklärten Feinden Israels noch anderen fundamentalistischen oder antidemokratischen Bewegungen eine Bühne bieten sollte". chp

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