Komödie „Ein Becken voller Männer“ : Außer Badehose nichts zu verlieren

Sympathisch empathisch: In der französischen Komödie „Ein Becken voller Männer“ trainiert eine Gruppe sogenannter Loser für die Synchronschwimmmeisterschaft.

Von wegen Nixen. Auch Kerle können Wasserballett.
Von wegen Nixen. Auch Kerle können Wasserballett.Foto: Studiocanal/Mika Cotellon

Synchronschwimmen? Das ist seit dem Ende der seligen Esther-Willams-Ära so nötig wie ein Jodeldiplom. Schon weil die sieben Jungs, die Regisseur und Drehbuchautor Gilles Lellouche in seiner Feel-Good-Komödie ins tiefe Becken schickt, keinerlei Ähnlichkeit mit den graziösen Hollywood-Nixen der 40er und 50er Jahre haben. Viel eher mit den an Körper und Seele zerbeulten arbeitslosen Stahlarbeitern aus Sheffield, deren brüchiges Selbstvertrauen Peter Cattaneo 1997 in dem Komödienhit „Ganz oder gar nicht“ mittels einer Stripteaseshow wieder aufmöbelte.

Auch damals lag die Grundkomik der Ensemblekomödie darin, dass ein Haufen britischer Schauspieler, deren Leiber keinerlei Ähnlichkeit mit denen der Chippendales haben, sich ausgerechnet ans Nackigmachen wagen. Und nun sind im Zuge der in Frankreich weiter grassierenden Komödienproduktion die Bleichhäute und Speckringe der Schauspielstars Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Philippe Katerine und Jean-Hugues Anglade beim Synchronschwimmen dran.

Wobei „Ein Becken voller Männer“ überhaupt kein Schenkelklopfer ist, sondern ein fein austariertes, bis zum Ende eine leise Melancholie beibehaltendes Geflecht von Miniporträts sogenannter Loser. Die den fünf Männern und der Schwimmtrainerin Delphine (Virginie Efira) gewidmeten Backstorys fügen sich fließend in die mit viel 80er-Pop garnierte Komödienhandlung ein. Dass deren Verlauf mit dem immer ehrgeiziger betriebenen Training für eine Meisterschaftsteilnahme in Norwegen absehbar ist, fällt kein bisschen negativ ins Gewicht. Auch nicht, dass die unter wie über Wasser desorientierte Schwimmercrew ausnahmslos aus Mühseligen und Beladenen besteht, die man nach und nach kennenlernt. Und zwar inklusive der ersten und zweiten Trainerin.

Rockstar der Bingohallen

Da ist der depressionskranke Bertrand, der sich schwertut, wieder in seinen Beruf zurückzufinden. Der in Trennung lebende autoritäre Feuerwehrchef Laurent kann keinen Kontakt zu seinem Sohn finden. Der notorische Pleitier Marcus will nicht einsehen, wie marode seine Pool-Firma ist. Trainerin Delphine, einst eine erfolgreiche Synchronschwimmerin, ringt mit ihrer Alkoholsucht.

Ein spezielles Kaliber ist Simon, der in Bingohallen den Rockstar spielt, mit seinen selbst produzierten, wie Blei im Regal liegenden Alben im Camper lebt und einfach nicht kapiert, wie unsagbar peinlich seine Teenagertochter Papas Lebenskünstler-Attitüde findet. Jean-Hugues Anglade verkörpert ihn in einer berührenden Mischung aus unbeugsamer Beharrlichkeit und die Realität einfach nicht akzeptierender Verblendung. Gut, dass diesem ebenso affigen wie komplexen Charakter beim knackig inszenierten Synchronschwimmerfinale in Norwegen ein schön bescheuerter Auftritt vergönnt ist.

Das würde man gern auch von Avanish, dem radebrechenden Singhalesen sagen. Doch der von Balasingham Thamilchelvan gespielte Quoten-Migrant der Gurkentruppe kommt über die Sidekick-Rolle nicht hinaus. Das ist eins der wenigen Mankos der sympathisch-empathischen Badehosenposse.
In 23 Berliner Kinos, OmU: Cinema Paris, Eva, Hackesche Höfe, Il Kino, Kulturbrauerei, Rollberg

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