Kunstmarkt : Immer mehr Berliner Galerien müssen schließen

Mit junger, spannender Kunst lässt sich kein Geld verdienen. Eine ganze Generation von Galerien gerät in finanzielle Schwierigkeiten.

Noch blüht die Berliner Galerienlandschaft, doch der finanzielle Druck wächst.
Noch blüht die Berliner Galerienlandschaft, doch der finanzielle Druck wächst.Foto: picture alliance / dpa / Paul Zinken

Joanna Kamm wird neue Direktorin der Baseler Messe Liste – das ist mal eine gute Nachricht. Vor vier Jahren schloss Kamm ihre Galerie in Berlin. Auch, weil sie sich finanziell verausgabt hatte, um auf dem internationalen Messeparkett mithalten zu können. Teure Stände, Hotels, Dinner für Sammler in Basel, Miami, Hongkong und New York: All das will bezahlt werden. Im Programm haben Galerien wie Kamm, Arratia Beer oder Duve vorwiegend junge, spannende Künstler, mit denen sich die Messen gerne schmücken. Bloß verkaufen lassen sie sich nicht zu jenen Preisen, die etablierte Kollegen für Werke von Gerhard Richter und anderen Schwergewichten auf dem Kunstmarkt nehmen.

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Diesen Zwiespalt bekommt Berlin derzeit zu spüren. Sowohl Alexander Duve als auch Euridice Arratia und Elizabeth Beer haben in den vergangenen Wochen zugemacht. Genau wie zuvor Aanat & Zoo, Gillmeier Rech oder Stephan Koal, der einen Kunstverein gegründet hat. Alle waren seit Jahren aktiv, begehrt in der globalen Messewelt und erfolgreich mit ihrem Programm. Doch die Kosten übersteigen seit Langem jene Einnahmen, die junge Galerien mit zeitgenössischer Kunst generieren. Ein „generell nicht nachhaltiges Marktumfeld“ nannten Gillmeier und Rech als Grund ihrer Schließung. Das Fatale: Fast alle Protagonisten waren bereits ein Jahrzehnt tätig. Sie bilden die nächste wichtige Generation nach jenen Galerien, die sich in den Neunzigern in Berlin niedergelassen und etabliert haben: Neu, Neugerriemschneider, Esther Schipper und andere. Wenn die Nachrücker nun schließen, fehlt der Stadt bald jene Garde, die wichtig für eine vitale, sich immer wieder verjüngende Kunstszene ist. Noch gibt es zahlreiche Galerien – aber die Verluste sind nicht mehr zu ignorieren.

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