Portraitfotos von Martin Schoeller : 75 Gesichter erinnern an den Holocaust

Angela Merkel eröffnet in Essen die Fotoausstellung "Survivors" von Martin Schoeller anlässlich des 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

Angela Merkel im Gespräch mi dem Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst bei der Ausstellungseröffnung.
Angela Merkel im Gespräch mi dem Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst bei der Ausstellungseröffnung.Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

75 Jahre ist es am 27. Januar her, dass die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit hat. Der Tag ist heute Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In der Zeche Zollverein in Essen werden aus diesem Anlass 75 großformatige Porträts von Überlebenden gezeigt, fotografiert vom renommierten Fotografen Martin Schoeller, der in Deutschland aufgewachsen ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet haben am Dienstag die Ausstellung „Survivors. Faces of Life after the Holocaust“ (Überlebende. Gesichter des Lebens nach dem Holocaust) am Dienstag in Anwesenheit des Yad-Vashem-Vorsitzenden Avner Shalev und des Überlebenden Naftali Fürst eröffnet. Kuratorinnen sind Anke Degenhard und Vivian Uria. Die Ausstellung wird bis zum 26. April in Essen gezeigt.

Das Projekt entstand auf Initiative des Freundeskreises der internationalen Gedenkstätte Yad Vashem in Deutschland, die Bilder wurden in Yad Vashem aufgenommen. Neben der Stiftung Zollverein ist auch das Ruhr Museum Kooperationspartner. Das Projekt wird von der RAG-Stiftung finanziert.

Blick in die Ausstellung von Martin Schoeller in Essen.
Blick in die Ausstellung von Martin Schoeller in Essen.Foto: dpa

Zur Ausstellungseröffnung wurde der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst aus Tel Aviv von der Luftwaffe nach Deutschland geflogen. „Das ist unglaublich. Der kleine Junge vom Todesmarsch nun in einer deutschen Militärmaschine auf dem Weg zur Kanzlerin“, sagte der 87-Jährige der Deutschen Presse-Agentur auf dem Flug.

„Ich bin als Vertreter derer unterwegs, die nicht sprechen können - weil sie ermordet wurden oder zu alt sind. Es ist, als stände ich nun allein auf dem Gipfel“, sagte Fürst weiter. „Aber auch wenn es traurig ist, erzähle ich es immer ein wenig mit Humor.“ Er nehme auch wahr, dass es in Deutschland viele Menschen gebe, die gegen das Vergessen arbeiten.

„Es bedeutet uns unendlich viel, dass Sie diese Reise auf sich genommen haben“, wandte sich Angela Merkel bei der Eröffnung an Fürst: „Wir, die wir später geboren sind, stehen vor diesen Verbrechen und sind fassungslos. Niemand kann das Leid wirklich ermessen, außer den Menschen, die in diese Hölle gestoßen wurden.“.

Mehr über den Fotografen Martin Schoeller und seine Arbeit mit den Überlebenden lesen Sie am Sonntag, 26. Januar 2020, im Tagesspiegel.   mue

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