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Das Teehaus im Asiatischen Museum.
© Staatliche Museen zu Berlin / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss/Alexander Schippel

Humboldt Forum: Teezeremonie in der Höhle des Löwen

Das Museum für Asiatische Kunst macht das dritte Obergeschoss des Humboldt Forums zu einem Parcours von Glanzstücken.

Die Berliner Museen, so wird nicht zuletzt zur Legitimierung des Humboldt Forums „im Schloss“ betont, haben ihren Ursprung in der kurfürstlichen Kunstkammer. Darin befand sich die 1685 von Kurfürst Friedrich Wilhelm erworbene „Typographia Sinica“, ein hölzerner Schrank mit 3287 Holzwürfeln chinesischer Schriftzeichen. Der Große Kurfürst war an Ostasien höchst interessiert, und Andreas Müller, ein führender Sinologe seiner Zeit, sammelte Chinesisches für dessen Bibliothek.

Kaum ein Objekt könnte passender sein an diesem Ort, dem Museum für Asiatische Kunst in der Hülle des barocken Schlosses. An ihm wird deutlich, was die Weltgeltung der preußischen Museen begründen sollte: das wissenschaftlich unterfütterte Interesse an allem, was Mensch und Natur hervorgebracht haben. Zugleich waren Kulturgüter stets Bekräftigung herrscherlicher Macht; auch dafür steht der China-Schrank.

Funktional-kühle Ausstellungshallen

Einen Saal weiter in der jetzt eröffneten Raumflucht des Museums für Asiatische Kunst ist jeweils für Minuten das über fünf mal zehn Meter messende Seidengemälde der „Buddhapredigt“ dem – gedämpften – Licht der Scheinwerfer ausgesetzt, das 1770 geschaffene Alterswerk des Hofmalers Ding Guangpeng. Wilhelm II. erwarb es 1902, und der Preußen-Kaiser dürfte das am Pekinger Hof entstandene Gemälde als Bestätigung seines eigenen Ranges verstanden haben.

Gegenüber dem vielfigurigen Bild auf Seide steht ein kaiserlich-chinesischer Thron vor einem zugehörigen Wandschirm – die einzige derartige Kombination in einer europäischen Sammlung. Eine große Vitrine in der Mitte des Saales zeigt Objekte, die die Volksrepublik China am Vorabend ihres zehnten Staatsgründungstages der gleich alten DDR vermachte. Die kostbaren Schalen und Gefäße werden als Staatsgeschenk gezeigt, nicht sortiert nach Chronologie oder Gattungen.

Deutlich wird hier der Zusammenhang zwischen Produktion und Verwendung von Kunst, und zudem ist dies der einzige Saal, dem eine architektonische Aufwertung zuteil wurde: Der Pritzker-Preisträger des Jahres 2012, Wang Shu, hat hier eine an Pagodendächer gemahnende Dachkonstruktion unter die Decke der ansonsten funktional-kühlen Ausstellungshallen gehängt, aus 1300 Teilen von Pappelholz zusammengeschraubt.

Den Hochkulturen Asiens, voran China, Japan und Indien, wurde stets mit Hochachtung begegnet, und wie schon in den Dahlemer Museen machen die hier versammelten künstlerischen Leistungen in einem fort staunen. Die so ungemein verfeinerte Kultur Japans findet vielleicht ihren Höhepunkt in der Teezeremonie, die zu vollführen das bereits in Dahlem eingebaute Teehaus hier wiedererstanden ist.

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Köstlich der Titel einer ellenlangen Darstellung auf Papierrolle von 1805: „Vortrefflicher Anblick unseres prosperierenden Zeitalters“. Hätten wir das bis vor kurzem nicht von unserer eigenen Zeit behauptet? Die Rolle kam als Geschenk im Jahr 2002 in die Sammlung, wie überhaupt das Museum für Asiatische Kunst nach gravierenden Kriegsverlusten dank Mäzenen wie dem Sammlerpaar Klaus F. und Yoshie Naumann seine alte Geltung zurückerlangen konnte.

Insofern stellen sich die drängenden Fragen kolonialen Erwerbs, anders als im Ethnologischen Museum eine Schlossetage tiefer, hier nicht. Das heißt: Sie stellen sich bisweilen eben doch. Auch China wurde um 1900 geplündert. Und auch bei archäologischen Ausgrabungen ist im Einzelfall zu fragen, inwieweit die Standards von Grabungsgenehmigung bis Fundteilung eingehalten wurden.

Kaiserlicher Thronsitz aus China, (1651-1675).
Kaiserlicher Thronsitz aus China, (1651-1675).
© Alexander Schippel

Ein weltweit einmaliger Höhepunkt der Museumssammlung ist dabei mitgemeint: die buddhistischen Höhlenmalereien an der nördlichen Seidenstraße, wie der von deutschen Geografen eingeführte Begriff lautet. Vier Expeditionen führten vor 1914 in die Wüstengegend im heutigen Xinjiang. Aus den Höhlen wurden Wandmalereien ausgeschnitten, aus dem trockenen Lehn Manuskripte und Skulpturen geborgen. In einer großartigen Veranschaulichung werden die Erträge dieser „Turfan“-Expeditionen im Kuppelsaal des Schlosses gezeigt, kein Disneyland, sondern eine Ahnung gebende Installation dieser Kostbarkeiten, bei deren Anblick der Gedanke an den endgültigen Untergang der buddhistischen Kultur Westasiens wie auch der bis hierher sich erstreckenden christlich-syrischen Kirche nicht ausbleiben kann.

Indien und Südostasien sind weitere Säle gewidmet. Man begegnet dem aus Teakholz geschnitzten jainistischen Hausschrein aus Gujarat, der, 1967 erworben, zu den Prunkstücken des 1963 in Dahlem begründeten, damals eigenständigen Museums für Indische Kunst zählte.

In einer zylinderförmigen Vitrine – willkommene Abwechslung unter der sonstigen, rechteckigen Gehäuse – mit Kleinsklupturen der im heutigen West-Pakistan zu verortenden Gandhara-Kultur der nachchristlichen Jahrhunderte lagert ein Löwe mit übereinander geschlagenen Pfoten. Es scheint, als seufzte er, der sich dem Austausch zwischen West und Ost in dieser Weltgegend verdankt, und der nun die Besucher dieses wunderlichen West-Schlosses würdevoll an sich vorüberziehen lässt.

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