Sexuelle Belästigung im WDR : "Zapp" nimmt kritischen Bericht aus dem Netz

Dicke Luft: Das NDR-Medienmagazin "Zapp" muss einen kritischen Bericht über den Umgang des WDR mit sexueller Belästigung aus sämtlichen Online-Angeboten nehmen.

Aus Youtube und der ARD-Mediathek entfernt: Wegen eines "gravierenden Fehlers" im Bericht über sexuelle Belästigung im WDR nimmt das Medienmagazin "Zapp" die komplette Sendung vom 18. April aus den Online-Angeboten.
Aus Youtube und der ARD-Mediathek entfernt: Wegen eines "gravierenden Fehlers" im Bericht über sexuelle Belästigung im WDR nimmt...Screenshot: Tsp

„Der gewünschte Beitrag ist nicht mehr verfügbar“ – diesen Hinweis bekommen Besucher der ARD-Mediathek zu sehen, wenn sie die Sendung des Medienmagazins „Zapp“ von diesem Mittwoch aufrufen wollen. Auch im Youtube-Kanal von „Zapp“ wurde der Beitrag entfernt. Zur Sendung, für die der NDR verantwortlich ist, gehörte ein Beitrag mit dem Titel „Schwierig: Der WDR und die Belästigungsvorwürfe“, in dem es um den Umgang des Westdeutschen Rundfunks mit den Vorwürfen von Frauen wegen sexueller Belästigung durch zwei WDR-Korrespondenten ging.

Dass sich das Medienmagazin kritisch mit den Vorgängen in anderen ARD-Sendern auseinandersetzt, kommt häufiger vor. In diesem Fall sei den „Zapp“-Machern jedoch ein „gravierender Fehler unterlaufen“, wie der NDR in einer Mitteilung von Freitag erklärt. Die Redaktion habe es versäumt, in den Beitrag Antworten der WDR-Pressestelle auf „Zapp“-Nachfragen einzubauen. „Dafür bitten wir in aller Form um Entschuldigung“, schreibt Redaktionsleiterin Annette Leiterer.

Die Antworten des WDR übersehen

Am Nachmittag und am Abend des Sendetages hatte „Zapp“ nach eigenen Angaben von der WDR-Pressestelle mehrere E-Mails erhalten. Die letzte Mail aus Köln habe unter anderem einen einleitenden Text und den Hinweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte und auf die Unschuldsvermutung enthalten. Weiter unter in der Mail befanden sich allerdings auch die Antworten des WDR zum „Zapp“-Fragenkatalog.
Diese Antworten wurden übersehen. Dadurch habe die Position des Senders nicht ausreichend Eingang in die Berichterstattung gefunden, so Leiterer. In einer der Fragen ging es um den WDR-Korrespondenten Arnim Stauth, der bereits 2010 auf Missstände wegen sexueller Belästigung hingewiesen hat. Dafür seien ihm arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht worden.

„Zapp“ wollte wissen, warum dem Magazin eine Interviewanfrage verweigert wurde. In der Antwort des WDR hieß es, das Interview sei nicht grundsätzlich abgesagt worden, die Absage sei zu einem Zeitpunkt erfolgt, „da wir uns in der internen Aufarbeitung befinden“.
Der Bericht soll nun überarbeitet werden, in der nächsten „Zapp“-Sendung werde es eine Richtigstellung geben, teilte „Zapp“ weiter mit. Kurt Sagatz

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