Umgang mit sexueller Belästigung : WDR-Intendant Buhrow wehrt sich gegen Vorwürfe

"Übergriffe und Machtmissbrauch dulde ich nicht": Der WDR-Intendant wehrt sich gegen Vorwürfe, der Sender reagiere bei sexueller Belästigung zu lax.

Erst Ende März wurde Tom Buhrow als WDR-Intendant wiedergewählt. Jetzt steht er in der Kritik.
Erst Ende März wurde Tom Buhrow als WDR-Intendant wiedergewählt. Jetzt steht er in der Kritik.Foto: Oliver Berg/dpa

Als Tom Buhrow Ende März vorzeitig als Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln wiedergewählt wurde, nannte er den kompletten Umbau des Senders – Stichwort digitale Revolution – die wichtigste Aufgabe für seine zweite Amtszeit bis 2025. Gerade einmal eine Woche später setzt ein ganz anderes Thema den Ex-„Tagesthemen“-Moderator und Chef des größten ARD-Senders unter erheblichen Druck. Es geht darum, wie im Sender mit dem Thema sexuelle Belästigung umgegangen wird.

Ein langjähriger Auslandskorrespondent des WDR soll einer Praktikantin auf einer Dienstreise in seinem Hotelzimmer auf einem Laptop einen Pornofilm gezeigt und einer anderen Kollegin in E-Mails sexuelle Avancen gemacht haben – von einem Eintrag in die Personalakte abgesehen ohne gravierende dienstrechtliche Konsequenzen für ihn. Die Fälle sexueller Belästigung – in den vergangenen zehn Jahren gab es laut WDR sieben – seien „mit dem Maximum an rechtlichen und disziplinarischen Möglichkeiten“ verfolgt worden, wurde mitgeteilt. Christiane Seitz, die Vorsitzende des WDR-Personalrats, geht das nicht weit genug. Aus Protest ist sie aus dem WDR-Interventionsausschuss zurückgetreten. Zudem warf sie vor allem Intendant Tom Buhrow Untätigkeit vor.

Seitz’ Auszug aus dem gemeinsamen Gremium, das mit Personal- und Rechtsexperten, dem Betriebsarzt, der Gleichstellungbeauftragten und zwei Mitgliedern des Personalrats besetzt ist, zeigte Wirkung: Eine Sprecherin des Senders bestätigte dem Tagesspiegel, dass der Korrespondent, dem die sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, bis zur Klärung des Vorgangs freigestellt werde. Zudem widerspricht der Sender dem Vorwurf, Tom Buhrow kümmere sich nicht genug um das Thema.

„Der Intendant hat den Schutz vor sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch seit seinem Amtsantritt zur Chefsache gemacht. Nicht nur durch die Initiative einer entsprechenden Dienstvereinbarung – die Einrichtung des Interventionsausschusses 2015. Auch die Aufarbeitung möglicher Fälle in der Vergangenheit läuft seit einigen Wochen“, antwortete eine Sendersprecherin am Sonntag auf Fragen des Tagesspiegels.

"Wir gehen im WDR respektvoll miteinander um"

Weiter teilte die Sprecherin mit, der Intendant möchte sich ein umfassendes und seriöses Bild machen. Dafür gelte: Wer etwas wisse, sexuelle Übergriffe in seinem Arbeitsumfeld beobachte, der solle sich an den Vorgesetzten oder an ein Mitglied des Interventionsteams wenden. „Erwiesener sexueller Missbrauch wird im WDR nicht geduldet sondern konsequent geahndet.“ Tom Buhrow habe sich zudem „in einer sehr persönlichen Mail“ an alle festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR gewandt. „Wir gehen im WDR respektvoll miteinander um, Übergriffe und Machtmissbrauch – in welcher Form auch immer – dulde ich nicht“, schrieb Buhrow.

Sonia Mikich, die sich als Chefredakteurin Fernsehen mit den Vorwürfen gegen den Korrespondenten beschäftigt hat, kündigte in einem Interview mit „Spiegel Online“ an, im Sender darüber zu reden, „wie aus alten Machos bessere Menschen“ gemacht werden könnten. Praktisch bedeute dies Prävention im Arbeitsalltag. Als konkrete Maßnahmen wird vom WDR auf Gesprächsrunden über Sexismus, Seminarangebote über nonverbales Verhalten, sexistische Sprache und Konflikttraining verwiesen. „Teile davon sind bereits Bestandteil der Aus- und Fortbildung beim WDR“, so die Sprecherin. „Auch gleichermaßen mit Frauen und Männern besetzte Führungspositionen fördern im WDR ein gleichberechtigtes Arbeitsklima.“ Das Interventionsteam sei überdies kein zahnloser Tiger. In dem Team seien – sofern erwiesen – alle Fälle, die im Interventionsausschuss behandelt wurden, konsequent und mit der jeweils größtmöglichen Härte geahndet worden. Kurt Sagatz

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