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Konrad Adenauer erhebt ermahnend den Zeigefinger.

© Imago/Sven Simon

150. Geburtstag des Gründungskanzlers: In uns steckt allerhand Adenauer

Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Bundesrepublik, hat das Land und die Deutschen geprägt wie kein anderer. Westbindung, Wiederbewaffnung, europäische Einigung – das alles waren seine Entscheidungen.

Daniel Friedrich Sturm
Ein Kommentar von Daniel Friedrich Sturm

Stand:

Konrad Adenauer hätte wohl milde gelächelt. In einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr hielten die Deutschen Angela Merkel für die wichtigste Bundeskanzlerin, gefolgt von Helmut Schmidt. Erst danach folgte Adenauer.

Wie sehr sich die Deutschen doch täuschen können! Denn welcher Kanzler bitte prägte und prägt das Land mehr als Adenauer, der am 5. Januar vor 150 Jahren geboren wurde?

Westbindung, Wiederbewaffnung, soziale Marktwirtschaft, europäische Einigung – das alles waren Entscheidungen Adenauers, jeweils durchgesetzt gegen erheblichen Widerstand auf den Straßen, im Land und im Bundestag. In den Deutschen steckt mehr Adenauer, als sie ahnen. Und Adenauer war ein Gigant.

Heute sind es Rechtsextreme und, weniger harsch, einige weit links, die sich für Deutschland eine Schaukelpolitik zwischen West und Ost zurückwünschen, die Adenauer so rigoros ablehnte.

„Der Leitstern meines politischen Handelns ist mindestens seit dem Jahr 1925: Anschluss an den Westen“, bekannte er 1963, im letzten Jahr seiner Kanzlerschaft.

Adenauer war also kein Konsenspolitiker, vielmehr war er bedacht auf ein scharfes Profil, zuweilen böse und polemisch.

Daniel Friedrich Sturm

Gewiss, nach dem Mauerbau war der Alte nicht direkt nach Berlin geeilt. Doch die einst intensive Debatte, ob Adenauer die Einheit der Nation verraten habe, ist zu seinen Gunsten entschieden. Was wäre bloß, wie von Stalin angeboten, einem neutralen Deutschland widerfahren?

Adenauer regierte 14 Jahre lang, doch niemals in einer großen Koalition. Wohl erst dies ermöglichte ihm jene wegweisenden Entscheidungen, von der SPD später akzeptiert. Adenauer war also kein Konsenspolitiker, vielmehr war er bedacht auf ein scharfes Profil, zuweilen böse und polemisch („Herr Brandt alias Frahm“).

Er war in Teilen des Landes verachtet, vom politischen Gegner verunglimpft. „Kanzler der Alliierten“, rief ihm Kurt Schumacher (SPD) zu. Mit Partei, Institutionen und Presse ging er so robust um wie kein Kanzler nach ihm.

Die Schaffung der CDU als überkonfessionelle Partei war eine Leistung Adenauers, eine Lehre aus Weimar, die viel Kraft kostete. Adenauer, einst Zentrum-Politiker, wollte keine katholische Partei und agierte damit machtpolitisch weitsichtig.

Nur so konnte und kann die CDU Deutschland prägen, wie sie es tat und tut, unter anderem in über 50 Jahren mit christdemokratischen Bundeskanzlern.

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