Ägypten und Saudi-Arabien : „Eine Front gegen Iran und Muslimbrüder“

Der saudische Thronfolge hat kürzlich Ägypten besucht. Was steckt dahinter. Ein Interview mit dem Experten Sebastian Sons.

Abdel Fattah al-Sisi (r), Präsident von Ägypten, und Mohammad Salman bin Abdulaziz bin Salman Al Saud, Kronprinz von Saudi-Arabien.
Abdel Fattah al-Sisi (r), Präsident von Ägypten, und Mohammad Salman bin Abdulaziz bin Salman Al Saud, Kronprinz von...Foto: Egyptian Presidency /dpa

Herr Sons, Mohammed bin Salman hat vor Kurzem Ägypten besucht. Es war die erste Auslandsreise des saudischen Thronfolgers. Warum hat er Kairo als Ziel gewählt?

Für Saudi-Arabien ist Ägypten der wichtigste Partner in der arabischen Welt. Beide verbinden gemeinsame Sicherheitsinteressen. Auch wirtschaftlich ist das saudische Königshaus am Nil sehr aktiv.

Inwiefern?

Nachdem der jetzige Präsident Abdal Fattah al Sisi die Macht übernommen hatte, floss sehr viel saudisches Geld nach Ägypten – um das dortige Regime zu stabilisieren. Selbst viele Ägypter sagen: Hätte es diese Unterstützung nicht gegeben, wäre ihr Land heute bankrott. Insofern steht Ägypten wortwörtlich in Saudi-Arabiens Schuld. Das soll nicht zuletzt bei bin Salmans Prestigeprojekt zum Tragen kommen: Er will am Rande des Roten Meeres eine Megastadt namens Neom bauen.

Und welche politischen Interessen verbinden beide Länder?

Im Zentrum steht eine Sicherheitskooperation. Dazu gehört eine gemeinsame Front gegen die Muslimbrüder, also den politischen Islamismus. Aber auch der Iran spielt eine wichtige Rolle. Sowohl Saudi-Arabien als auch Ägypten sind sehr besorgt über Teherans wachsenden Einfluss in der Region.

Iran, ein Unruhestifter – das sieht auch Israel so. Ist das die Grundlage für eine AntiTeheran-Allianz bestehend aus dem jüdischen Staat, Saudi-Arabien und Ägypten?

Aus saudischer Sicht ist ein solches Bündnis mit Israel erwünscht. Denn beide Staaten sehen im Iran einen gefährlichen Feind. Das fördert eine Sicherheitspartnerschaft. Doch während die Regierung in Jerusalem und Israels Militärs daraus keinen Hehl mehr machen, hält sich die Führung in Riad sehr bedeckt. Es ist in der arabischen Welt nicht opportun, mit den „Zionisten“ offiziell gemeinsame Sache zu machen. Man würde die Sache der Palästinenser damit diskreditieren.

Wer profitiert mehr von guten Beziehungen: Saudi-Arabien oder Ägypten?

Ganz klar Ägypten. Die Regierung verdankt dem saudischen Königshaus, dass sie überhaupt an die Macht gekommen ist. Deshalb hat Kairo großes Interesse an einem guten Verhältnis zur Golfmonarchie. Aber auch die Führung in Riad kann auf Ägypten als wichtiges arabisches Land nicht verzichten. Doch der Jemen-Krieg zeigt, dass es auch Differenzen gibt.

Differenzen?

Ägypten hat sich trotz der Bitten der Saudis geweigert, zusätzliche Truppen zu entsenden. Denn der Jemen ist von Ägypten aus betrachtet weit weg. Kairo hat vor der eigenen Haustür mit genügend Problemen zu kämpfen.

Sebastian Sons ist Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Von ihm erschien jüngst „Auf Sand gebaut. Saudi-Arabien – ein problematischer Partner“.

Das Gespräch führte Christian Böhme.

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