Affäre um Cambridge Analytica : Facebook sieht sich im Datenskandal selbst als Opfer

Der Internetkonzern Facebook zeigt schockiert über die Vorwürfe des Datenmissbrauchs. In den USA wird ermittelt, das EU-Parlament will Facebook-Chef Zuckerberg befragen.

Logos des US-Konzerns Facebook
Logos des US-Konzerns FacebookFoto: AFP/Loic Venance

Facebook sieht sich im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica selbst als Betrogenen. „Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden“, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung von Facebook. Die umstrittene britische Datenanalyse-Firma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Großteil des Wahlkampfs für US-Präsident Donald Trump bestritten hat, soll Zugriff auf Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt haben.

Der Internetkonzern Facebook gerät nach den Enthüllungen über den mutmaßlichen Datenmissbrauch unter in massiveren Druck. Nach ähnlichen Initiativen in den USA und Großbritannien lud auch das EU-Parlament Konzernchef Mark Zuckerberg ein, um sich zu erklären. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen". Facebook müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren". Laut US-Medienberichten leitete die US-Handelsaufsicht FTC Ermittlungen gegen Facebook ein.

Facebook-Aktien verlieren massiv an Wert

Das Unternehmen erklärte in der Mitteilung von Dienstag weiter, es werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Firmenchef Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst. Facebook verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert an der Börse.

Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll – möglicherweise mithilfe von unrechtmäßig gesammelten Facebook-Daten. Nix, der am Dienstagabend suspendiert worden war, hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4.

Klage von US-Investoren

Auch bei Facebook soll es personelle Veränderungen geben. Der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos will Facebook Berichten zufolge verlassen. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden. Erst nach Untersuchungen im US-Kongress räumte das Online-Netzwerk schrittweise ein, dass 150 Millionen Nutzer von Facebook und Instagram mit politischer Propaganda aus Russland in Berührung gekommen sein dürften.

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In der Datenaffäre reichten US-Investoren eine erste Klage gegen den Internet-Konzern ein. Die Aktionäre machten bei einem Bundesgericht in San Francisco geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen. Der Zeitung "Los Angeles Times" zufolge wird Facebook zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben. (dpa, Reuters)

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