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Angela Merkel.
© Christian Thiel/Imago

Harald Martenstein: Angela Merkel bleibt noch fünf Jahre Kanzlerin

Unser Autor hat wissenschaftlich bewiesen: Angela Merkel bleibt noch lange an der Macht. Seine Belege: Die "Spiegel"-Cover und Helmut Kohl. Eine Glosse.

Ich lese öfter mal, dass es mit Angela Merkels Kanzlerschaft langsam zu Ende geht. Sie hat in Gestalt von Volker Kauder einen wichtigen Partner verloren. Sie wirkt kraftlos. Ende einer Ära! Aber da ist mir plötzlich Helmut Kohl eingefallen. Kohl war ja Merkels Lehrmeister.

Dass es mit Kanzler Kohl zu Ende geht, hat der "Spiegel" sogar schon gemeldet, bevor Kohl überhaupt Kanzler war. 1979 hieß eine Titelstory "Kohl kaputt", ohne Fragezeichen. Die eigene Partei demontiere ihn, er habe "nur eine Galgenfrist". 1982 wurde "Kohl kaputt" Kanzler.

Aber schon 1983 munkelte der "Spiegel" in einer Titelstory, dass sein Sturz nahe: "Die Schonzeit ist zu Ende". Kohl wirke kraft- und entschlusslos, er ignoriere die immer lautere Kritik aus den eigenen Reihen. 1985 spitzte sich diese Krise zu, der "Spiegel" titelte: "Ist Kohl noch zu retten?".

1989 war Kohls Lage sogar noch ein weiteres Mal prekärer geworden, der "Spiegel" meldete "Aufruhr in der Union. Kohl soll weg – aber wie?" Die deutsche Einheit rettete ihn, aber dann verlor er seinen wichtigsten Partner. Außenminister Genscher verließ 1992 das offenbar sinkende Schiff.

Merkel bleibt - das ist hiermit bewiesen

Das jetzt oft genug genannte Magazin zeigte ihn auf dem Titel als tönernen Riesen, daneben die Frage "Wie lange noch?". Falls eine Agonie in der Lage ist, sich zu verschärfen, dann war es 1993 so weit: "Das Ende einer Ära" stand auf dem Titel des Magazins, ohne Fragezeichen, Untertitel: "Kohls Macht verfällt".

1994 lieferte Kohl kaputt dann auch erwartungsgemäß das bis dahin schlechteste CDU-Ergebnis seit 1949 ab. Klar, die Partei war sauer auf ihn. Auch sein Koalitionspartner, damals die FDP, war geschwächt und dementsprechend bösartig. Die Opposition wollte "den Kanzler jagen". Diese Jagd nahm freilich noch so manches Jahr in Anspruch. Gespenstischerweise wurde, als Kohl 1998 tatsächlich sein Kanzleramt verlor, dies zum ersten Mal in der langen Geschichte der Kohlkrisen von keinem "Spiegel"-Titel angekündigt.

Daraus folgt glasklar, dass Angela Merkel beruhigt sein kann, weil an diesem Wochenende der "Spiegel" ihr baldiges Ende als Chefin ankündigt: "Was kommt, wenn Merkel geht? Der Machtkampf um ihr Erbe hat begonnen". Merkel kaputt! Dies ist für Angel Merkel seit Wochen die erste richtig gute Nachricht. Kanzler, die im "Spiegel" kaputt sind, bleiben noch lange. Aber wie lange?

Nun, Kohl hat den Abgang seines wichtigsten Partners um sechs Jahre und das schlechteste Wahlergebnis seit 1949 um vier Jahre überlebt. Nach dieser Formel hätte Angel Merkel im Normalfall noch fünf Jahre im Amt vor sich. Dies habe ich hiermit wissenschaftlich bewiesen. Übrigens gab es auch schon mal einen Unions-Fraktionschef, der Merkel nicht passte. Er hieß Friedrich Merz.

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