Bundesweite Zwischenprognose : AfD hat Chance auf 17 Direktmandate

Die AfD bekäme bei einer Bundestagswahl in Sachsen aktuell die Mehrzahl der Direktmandate. Selbst in Dresden läge sie vorn. Auch in Thüringen und Brandenburg hätte sie Wahlkreissieger.

Geht die Saat von Pegida auf? Auch in Dresden wäre die AfD aktuell stärkste Kraft.
Geht die Saat von Pegida auf? Auch in Dresden wäre die AfD aktuell stärkste Kraft.Foto: Matthias Rietschel/Reuters

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, dann würde die AfD in Sachsen in elf der 16 Wahlkreise das Direktmandat gewinnen. Vor einem Jahr waren es drei, und zwar in Görlitz, Bautzen und der Sächsischen Schweiz. Nun kämen nicht nur einige ländlich-kleinstädtische Wahlkreise hinzu, die AfD würde auch in Dresden und Chemnitz gewinnen. Das zeigt die aktuelle Prognose des Hamburger Informationsdienstes „election.de“, die auf den neuesten bundesweiten Umfragen basiert. Ein Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen schickt sich die Rechtspartei damit an, sich noch deutlicher vor die seit 1990 regierenden CDU zu schieben.
Aber nicht nur im grün-weißen Freistaat wird die AfD derzeit stärker, eine Folge wohl des Flüchtlingsstreits zwischen CSU und CDU. Auch in Thüringen und Brandenburg, wo ebenfalls im Herbst 2019 Landtage gewählt werden, hätte sie aktuell bei einer Bundestagswahl gute Chancen auf Direktmandate. In Thüringen wären es Gotha, Saalfeld und Gera/Greiz, in Brandenburg Elbe-Elster, Cottbus und Frankfurt/Oder. Macht zusammen 17 AfD-Direktmandate. Die Wahrscheinlichkeit für diese 17 Wahlkreissiege liegt laut election.de zwischen 65 und 100 Prozent. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist der Auftrieb für die Partei nicht so stark. Doch zeigt ein Blick auf die möglichen Zweitplatzierten, dass die AfD auch dort ihre Position konsolidieren kann. In nur acht in den ostdeutschen Ländern (ohne Berlin) wäre die Partei nicht stärkste oder zweitstärkste Kraft, darunter Potsdam, Magdeburg, Rostock und Leipzig-Süd.

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Dass sie dauerhaft zu einer bestimmenden Ost-Regionalpartei werden könnte, zeigt der Blick auf die anderen Länder. Dort hätte sie nirgends ein Direktmandat. In Bayern allerdings steht sie in 13 Wahlkreisen schon an zweiter Stelle, und zwar im Allgäu und in Ober- und Niederbayern (darunter der Wahlkreis Ingolstadt, Horst Seehofers Heimat). In Baden-Württemberg sind es nach der Prognose vier Wahlkreise mit der AfD als Nummer zwei, in Hessen ist es einer (Fulda).
Die Fähigkeit, Direktmandate zu gewinnen, war stets ein Kennzeichen für den Status als Volkspartei. Über Jahrzehnte schafften es fast immer nur Union und SPD. Mittlerweile ist es durch die Ausfächerung des Parteiensystems zwar einfacher geworden, ein Direktmandat zu gewinnen, bisweilen reichen schon weniger als 30 Prozent. Aber man muss eben stärkste Kraft im Wahlkreis sein.

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